Gesangs-Talent Johannes Diedrich
Ein ganz mutiger Schritt

Altenberge -

Seit rund eineinhalb Jahren gehört Johannes Diedrich (l.) dem Windsbacher Knabenchor an. Das 14-jährige Gesangstalent tourt seitdem mit dem Chor durch die ganze Welt – jüngst war er auf einer Konzertreise in China. Am ersten Weihnachtstag ist Sopransänger in St. Johannes Baptist zu hören.

Montag, 24.12.2018, 10:00 Uhr
Johannes Diedrich (l.) ist seit rund eineinhalb Jahren Mitglied des Windsbacher Knabenchores. Am erstern Weihnachtstag singt er in St. Johannes Baptist.
Johannes Diedrich (l.) ist seit rund eineinhalb Jahren Mitglied des Windsbacher Knabenchores. Am erstern Weihnachtstag singt er in St. Johannes Baptist. Foto: Milan Pavan

Im weitesten Sinne handelt es sich um ein Experiment, und zwar um ein musikalisches und auch um ein familiäres. „Wir waren uns nicht ganz sicher, wie sich alles entwickelt“, sagen Uta Heidemann-Diedrich und Andreas Diedrich. Alles, damit ist die Entscheidung ihres Sohnes Johannes Diedrich gemeint, der seit September 2017 dem weltberühmten Windsbacher Knabenchor angehört. Dieser hat seine Heimat nicht um die Ecke, sondern rund 500 Kilometer weit weg von Altenberge in der Nähe von Nürnberg. Diedrich bestand im Sommer 2017 zunächst die Aufnahmeprüfung. Und schon wenige Wochen später stand für den jungen Sopranisten der Einzug ins Internat bevor. Seitdem tourt der heute 14-Jährige durch die Welt: München, Amsterdam und Dresden oder jüngst eine zweiwöchige Konzertreise durch China.

Das Gesangstalent erkannten die Eltern bereits früh: Bereits im Alter von sieben Jahren gehörte Johannes Diedrich der Capella Ludgeriana, dem Knabenchor am münsterischen Dom, an. Als vor etwa 18 Monaten der Knabenchor aus Münster zu einem Besuch nach Windsbach aufbrach, ahnte die Familie noch nichts von den Folgen. „Unser Sohn selbst kam auf die Idee, dort hinzugehen“, blickt Uta Heidemann-Diedrich zurück. Und nach dem die Aufnahmeprüfung bestanden war, folgte das Abenteuer in Franken.

Ihren Sohn in ein Internet zu geben, diese Entscheidung hat in der Familie Heidemann-Diedrich, zu der auch der 18-jährige Sohn Leander gehört, durchaus Diskussionen ausgelöst. Eine Entscheidung, die sich das Ehepaar nicht leicht gemacht hat. Mittlerweile überwiegt die Freude darüber, wie sehr der Spagat zwischen den beiden Lebenswelten in Altenberge und Windsbach gelingt: „Zieht man nach eineinhalb Jahren ein Resümee, muss man feststellen, das es sich mehr als gelohnt hat, diesen Schritt zu wagen“, sagen die Eltern.

Alle 14 Tage kommt der heute 14-Jährige nach Hause, es sei denn, es stehen wie stets im Dezember, mehrtägige Konzertreisen auf dem Programm. Auch wenn ihm der Abschied aus seinem Heimatort manchmal schwerfällt, spätestens bei der Ankunft in Windsbach kehrt der Musik- und Schulalltag ganz schnell ein – und das problemlos. Uta Heidemann-Diedrich: „Johannes hat auch dort eine tolle Familie.“

Apropos Alltag: Für den jungen Gymnasiasten ist das Leben im Internet kein Zuckerschlecken: Bereits um 6.15 Uhr heißt es Recken und Strecken. Schon vor dem Frühstück um 7.30 Uhr beginnt der erste offizielle Punkt, die „Frühstudienzeit“. Um 8 Uhr startet dann der Unterricht für Johannes Diedrich. Er bildet zusammen mit nur sechs weiteren Sängern eine eigene neunte Klasse des Gymnasiums.

Ab 15.30 Uhr geht es zum musikalischen Teil über: Neben den Chorproben steht im Einzelunterricht Stimmbildung auf dem Programm, erläutert Uta Heidemann-Diedrich. Doch nicht nur Singen, sondern auch Musizieren gehört dazu – im Falle von Johannes Diedrich steht regelmäßiger Horn-Unterricht auf dem straffen Stundenplan.

Mittlerweile ist der 14-Jährige zum Solo-Sopranisten aufgestiegen, erzählen Uta Heidemann-Diedrich und Andreas Diedrich. Der sogenannte Auftritts-Chor umfasst etwa 70 Kinder im Alter von neun bis 18 Jahren. Zunächst geht es für alle Neulinge in Windsbach in den „Vor-Chor“. Doch schon nach wenigen Wochen schaffte Johannes Diedrich den Sprung in den Auftritts-Chor.

Und wie geht es weiter? Im nächsten Jahr wird der Sänger 15 Jahre alt. Noch sind keine Anzeichen für einen Stimmbruch erkennbar, sagt Andreas Diedrich. Sollte er dennoch bald kommen, könnte ein Wechsel in den „Mutanten-Stadl“, ebenfalls in Windsbach, anstehen. Dann würde die Stimmausbildung in Richtung Bass oder Tenor folgen. Falls Johannes Diedrich möchte, könnte er bis zum Abitur in Bayern bleiben. Aber: „Er hat jederzeit die Option, nach Altenberge zurückzukehren“, sagt Uta Heidemann-Diedrich.

Dass die Eltern das musikalische Talent ihres Sohnes unterstützen, ist nicht so überraschend: Uta Heidemann-Diedrich spielt im Orchester am Theater Münster Geige und ihr Mann unterrichtet an der Westfälischen Schule für Musik in Münster – natürlich Geige.

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Zu hören ist Johannes Diedrich am 26. Dezember (Donnerstag): Er singt in dem um 11 Uhr beginnenden Gottesdienst in St. Johannes Baptist. Begleitet wird Diedrich an der Orgel von Kirchenmusiker Marco Schomacher.

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