Grundschulleiterin Plettendorf geht in den Ruhestand
„Ich werde sie vermissen“

Altenberge -

Seit 44 Jahren arbeitet Dörthe Plettendorf als Lehrerin – und seit 2009 ist sie Rektorin der Borndal-Grundschule: Ende Januar geht die 66-jährige Pädagogin in den Ruhestand. „Ich falle in kein Loch“, sagt Plettendorf. Sie singt im Chor, treibt Sport und liest viel. Doch zunächst möchte sie in Rom Italienisch lernen.

Freitag, 18.01.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 18.01.2019, 06:02 Uhr
44 Jahre lang war Dörthe Plettendorf Lehrerin – seit 2009 leitet die Altenbergerin die Borndalschule. Ende dieses Monats geht Plettendorf in den Ruhestand.
44 Jahre lang war Dörthe Plettendorf Lehrerin – seit 2009 leitet die Altenbergerin die Borndalschule. Ende dieses Monats geht Plettendorf in den Ruhestand. Foto: Borndalschule

„Haben wir dich geärgert?“ Diese Frage „ihrer Kinder“ muss Dörthe Plettendorf in diesen Tagen immer wieder beantworten. Denn: Am 1. Februar geht die Leiterin der Borndal-Grundschule in den Ruhestand: 44 Jahre arbeitete die 66-Jährige als Lehrerin – seit 2000 in Altenberge und im Jahr 2009 übernahm sie die Leitung der Borndalschule. Dörthe Plettendorf wird in die Geschichte der Gemeinde eingehen. Schließlich wird es künftig nur noch eine gemeinsame Grundschule geben. Die 66-Jährige ist damit die letzte Schulleiterin der Borndalschule.

Zurück zu den Kindern. „Natürlich nicht“, sagt Plettendorf, wenn sie auf die Frage der Mädchen und Jungen antwortet, warum sie in wenigen Tagen der Borndalschule ade sagt. Plettendorf schwärmt auch nach den vielen Berufsjahren von ihrer Arbeit. Die Kinder sind ihr ans Herz gewachsen: „Ich werde sie vermissen.“

Die in Ostbevern geborene und in Altenberge aufgewachsene Plettendorf studierte von 1971 bis 1974 die Fächer Sport, Mathematik und Biologie in Münster und Kiel. Außerdem unterrichtete sie später auch Religion, Kunst und Englisch.

Kiel war schön, aber das Münsterland noch schöner: Deshalb kehrte Dörthe Plettendorf nach ihrem Studium zurück und startete an der Kardinal-von-Galen-Hauptschule in Nordwalde ins Berufsleben. Als aus der Haupt- eine Gesamtschule wurde, wechselt Dörthe Plettendorf die Schulform – ab 1995 unterrichtete sie an der Bismarck-Grundschule in Burgsteinfurt.

„Das war eine sehr gute Entscheidung“, sagt Plettendorf mit Blick auf den Wechsel der Schulform. „In der Grundschule ist man noch näher am Kind.“ Die Beziehungsarbeit nehme einen wesentlichen größeren Teil ein als an einer weiterführenden Schule.

Die 1998 eröffnete Borndalschule arbeitete von Beginn an integrativ. Zu Spitzenzeiten waren es 15 Kinder mit verschiedenen Behinderungen, die in den Unterricht integriert wurden. Plettendorf: „Das war eine große Herausforderung.“ In den Anfangsjahren wurde der Unterricht in den meisten Fächern mit zwei Lehrkräften erteilt. „So war effektives Arbeiten gut möglich.“ Derzeit werden neun Kinder mit Beeinträchtigungen an der Borndalschule unterrichtet. Nur für Einzelstunden steht eine Förderkraft zur Verfügung.

Von dem in der Borndalschule seit vielen Jahren praktizierten integrativem Modell ist die Pädagogin überzeugt – auch mit Blick auf die Übergangsquote. 40 bis 47 Prozent der Kinder wechseln zu einem Gymnasium. Von diesen hat Plettendorf überwiegend positive Rückmeldungen erhalten. „Insbesondere die soziale Komponente wird hervorgehoben.“ Die Kinder lernen früh alle Facetten des Lebens kennen.

Eine der größten Veränderungen in 44 Lehrer-Jahren? Der Leistungsgedanke vieler Eltern hat insbesondere nach 2008 noch einmal zugenommen. Denn zu diesem Zeitpunkt trat die UN-Behindertenrechtskonvention in Kraft. Viele Eltern, sagt Plettendorf, hätten Sorge, dass die Kinder nicht genug lernen. Doch ihre Erfahrungen in der Borndalschule widerlegen diese Befürchtungen, betont Dörthe Plettendorf.

Unabhängig vom Thema Inklusion habe sich in der Gesellschaft in den vergangenen Jahrzehnten einiges geändert: Es gebe viele Trennungskinder, die Berufstätigkeit der Eltern habe zugenommen und die Betreuungszeiten seien länger geworden. „Wir müssen dafür sorgen, dass bei uns alle Kinder gut versorgt werden“, betont Plettendorf. Und das sei nur in einem guten Team möglich, dass ihr in den vergangenen Jahren immer zur Seite stand, freut sich die künftige Pensionärin über ihre Mannschaft.

Doch nun ist Schluss – wenn Dörthe Plettendorf Ende Januar in den Ruhestand wechselt, ist sie gut vorbereitet: „Ich falle in kein Loch.“ Plettendorf treibt viel Sport, singt in dem münsterischen Chor „Primavera“, liest gerne und kann demnächst öfter ihre Kinder und Enkelkinder besuchen.

Ab Anfang Februar wird man Dörthe Plettendorf für einige Zeit nicht mehr in Altenberge sehen. „Ich erfülle mir einen Traum und wohne drei Monate in Rom“, fiebert sie schon ihrem Trip nach Italien entgegen. Dort legt sie jedoch nicht nur die Beine hoch. „Ich habe bereits einen dreiwöchigen Italienisch-Kurs belegt.“ Gebucht hat sie allerdings nur den Hinflug nach Rom. Der Trip kann also kürzer oder auch länger ausfallen . . .

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