Prof. Traugott Roser zu Gast beim Hospizkreis
Was ist am Ende wirklich wichtig?

Altenberge -

Was brauchen Menschen am Lebensende? Dieser Frage ging der Hospizkreis nach.

Dienstag, 19.03.2019, 06:00 Uhr
Referierte beim Hospizkreis: Prof. Dr. Traugott Roser.
Referierte beim Hospizkreis: Prof. Dr. Traugott Roser. Foto: Veranstalter

Über Entscheidungen am Lebensende ging es beim jüngsten Informationsabend des Hospizkreises. Als Experte hatten die Organisatoren Prof. Dr. Traugott Roser eingeladen, der als Kenner und Impulsgeber der palliativen Szene gilt. Der derzeitige Professor für Praktische Theologie an der WWU Münster hatte den ersten Lehrstuhl für Spiritual Care innegehabt.

Was brauchen Menschen am Lebensende? Es sind die vier gleichrangigen Bereiche Kommunikation, medizinische Therapie, psychosoziale Betreuung und spirituelle Begleitung. Die Medizin, die palliative zumal, sei von der heilenden in die hörende Rolle, die der Linderung gewechselt. Denn nicht alle Schmerzen seien auf körperliche Ursachen zurückzuführen. Dem emotionalen Erleben und den spirituellen Bedürfnissen komme eine wesentliche Bedeutung zu. Dies gelte ebenso für die Angehörigen, die leicht aus dem Blick geraten. So zeige eine Studie über typische Verläufe bei Lungenkrebs, dass es trotz stabiler körperlicher Befindlichkeit psychische und spirituelle Turbulenzen bereits bei Bekanntgabe der Diagnose sowie nach der Entlassung aus der Klinik und beim Fortschreiten der Krankheit gebe. Deshalb sei es notwendig, bereits bei der Diagnose den Kontakt zu palliativen Diensten aufzunehmen.

Anhand einer geriatrischen Verlaufskurve von Menschen in Alterswohnformen machte Traugott Roser auf die Trauerreaktionen aufmerksam, die ein Umzug von der eigenen Wohnung in eine solche Einrichtung mit sich bringe. Gleichwohl könne sich der Mensch über einen langen Zeitraum dort wohl fühlen.

Vertrauen, Glauben an etwas Höheres, bestimmte Praktiken gewännen an Bedeutung. Existenzielle Fragen bezüglich Identität, Sinn, Leiden und Tod, Schuld (Versäumnisse) und Scham, Versöhnung und Vergebung, Hoffnung und Zweifel, Liebe und Freude tauchten auf. Persönliche Dinge, Haltungen und Werte treten in den Vordergrund sowie die Frage, was weitergegeben werden soll.

Was tun mit dieser bilanzierenden Phase? Hier appellierte der Referent leidenschaftlich an seine Zuhörerschaft, Vorsorge zu treffen, um die Angehörigen nicht mit belastenden Entscheidungen im letzten Moment zu überfordern. Mit Patientenverfügung und Notfallplan (Advanced Care Planning) könne dem begegnet werden.

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