Besondere Kirche
Ruhe finden in St. Johannes Nepomuk

Altenberge -

Auf eine wechselvolle Geschichte blickt die Kirche St. Johannes Nepomuk in Hansell. Gertrud Hinnemann führt regelmäßig Besuchergruppen durch das Gotteshaus.

Freitag, 19.04.2019, 09:00 Uhr aktualisiert: 22.04.2019, 13:32 Uhr
Gertrud Hinnemann führt regelmäßig Gruppen durch die Kirche St. Johannes Nepomuk in Hansell.
Gertrud Hinnemann führt regelmäßig Gruppen durch die Kirche St. Johannes Nepomuk in Hansell. Foto: mas

Gertrud Hinnemann muss nicht lange überlegen, um auf die Frage zu antworten, was für sie das Besondere der Kirche St. Johannes Nepomuk ausmacht: „Ja, die Ruhe, die Ruhe“, wiederholt die Hansellerin und fügt noch an: „Der Frieden, der hier herrscht.“

Bischof

Das stimmt, beim Betreten des Hanseller Wahrzeichens herrscht eine ganz besondere Atmosphäre. Die Kirche ist täglich durchgehend geöffnet, sagt Hinnemann. Und immer wieder kehren Besucher ins Gotteshaus ein, um die Ruhe zu suchen, eine Kerze anzuzünden oder einfach einige Minuten der Stille zu genießen.

St. Johannes Nepomuk

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  • Wer Ruhe sucht, der ist in der Hanseller Pfarrkirche St. Johannes Nepomuk genau richtig. Foto: mas
  • Wer Ruhe sucht, der ist in der Hanseller Pfarrkirche St. Johannes Nepomuk genau richtig. Foto: mas
  • Wer Ruhe sucht, der ist in der Hanseller Pfarrkirche St. Johannes Nepomuk genau richtig. Foto: mas
  • Wer Ruhe sucht, der ist in der Hanseller Pfarrkirche St. Johannes Nepomuk genau richtig. Foto: mas
  • Wer Ruhe sucht, der ist in der Hanseller Pfarrkirche St. Johannes Nepomuk genau richtig. Foto: mas
  • Wer Ruhe sucht, der ist in der Hanseller Pfarrkirche St. Johannes Nepomuk genau richtig. Foto: mas
  • Wer Ruhe sucht, der ist in der Hanseller Pfarrkirche St. Johannes Nepomuk genau richtig. Foto: mas
  • Wer Ruhe sucht, der ist in der Hanseller Pfarrkirche St. Johannes Nepomuk genau richtig. Foto: mas

Kaum eine Hansellerin kennt sich so gut mit der Geschichte von St. Johannes Nepomuk aus, wie Hinnemann. Regelmäßig führt sie Gruppen durch die schmucke Kirche am Rand von Altenberge, die von Außen durch den besonderen Glockenturm und die weiße Farbe ins Auge sticht. Imposant ragt sie in den Himmel – und jetzt im Frühjahr, wenn die Sonnenstrahlen das Gotteshaus in ein besonderes Licht tauchen, sticht es ganz besonderes heraus.

Wer sich mit der Geschichte von St. Johannes Nepomuk befasst, muss bis ins 18. Jahrhundert zurückblicken. Und dabei erzählt Hinnemann von einem ganz entscheidenden Mann: Jodokus Franziskus Homeier . Er war von 1743 bis zu seinem Tod am 1. Oktober 1780 sogenannter Kanonikus am Alten Dom in Münster. Doch nicht nur das: Homeier war Besitzer des Landguts Wesselmann in Hansell. Aufgrund des widrigen Wetters und der weiten Schulwege konnten viele Kinder in den Wintermonaten nicht die Altenberger Dorfschule besuchen, erzählt Gertrud Hinnemann. Die Lösung: Ab 1740 wurden die Hanseller Mädchen und Jungen im Speicher des Hofes Wesselmann unterrichtet.

Glocke

Doch damit war der Tatendrang des Geistlichen noch nicht gebremst. Denn: Auch für die Kirchgänger war der Weg zur Pfarrkirche in St. Johannes Baptist beschwerlich – also musste eine Kirche her: Im Oktober 1762 erhält Homeier auf Wunsch der Hanseller die Erlaubnis, auf seinem Grundstück eine Kirche zu errichten.

Im Herbst 1765 wurde das Gebäude nach dreijähriger Bauzeit im barocken Stil fertiggestellt und ein Jahr später eingeweiht. Es entstand also eine kleine Kirche – allerdings ohne Turm, weil dieser nicht genehmigt wurde.

Neugotischer Stil

134 Jahre dauerte es, bevor es mit der Ruhe in St. Johannes Nepomuk – zumindest vorrübergehend – vorbei war. Durch die Bevölkerungszunahme stieg die Zahl der Christen, so das 1899 die Erweiterung der Kapelle in Angriff genommen wurde. Der Anbau erfolgte Richtung Osten – es entstand eine Saalkirche mit eingezogenem 5/8-Chorschluss im neugotischen Stil.

Doch damit war die Bauzeit noch nicht ganz abgeschlossen. „Es fehlte ein Glockenturm“, erzählt Hinnemann. 1921 wurde St. Johannes Nepomuk selbstständige Pfarrei – und der erste Pfarrer in Hansell, Christoph Döpper, realisierte den Wunsch vieler Bürger nach einem Glockenturm. Dieser wurde vom Altenberger Baumeister Karl Stening gebaut – und zwar ein neugotischer Turm mit Satteldach, „frei stehend als Kampanile“, blickt Gertrud Hinnemann auf das markante Gebäude. Eine Auflage, die bis heute zu erkennen ist: Der neue Turm musste mit der Kirche verbunden werden. Drei Glocken, die 4500 Mark kosteten und in Gescher gegossen wurden, erklangen erstmals am 2. Oktober 1931.

Renovierung

Doch nicht nur die Fassade der Hanseller Kirche beeindruckt – beim Eintritt in das Gotteshaus ist die Ruhe zu spüren, von der Gertrud Hinnemann schwärmt. In der Mitte steht der Taufbrunnen, der dort seit der letzten Renovierung 2010 steht. Er wurde etwa um 1920 aus Sandstein gebaut.

Ein Blick auf die Chorfenster darf nicht fehlen – und dann kommt sogar ein wenig „päpstlicher Glanz“ ins Spiel. Denn: Die Firma W. Derix aus Goch stellte Anfang des 20. Jahrhunderts die Fenster für die Hanseller Kirche her – im gleichen Zeitraum auch Fenster für den Vatikan, sagt Hinnemann. Deshalb durfte sich das Unternehmen vom Niederrhein auch „päpstliche Hofglasmalerei“ nennen, so Hinnemann weiter.

Eine wechselhafte Geschichte hat die Orgel hinter sich. Die im Zuge der Erweiterung der Kirche (um 1900 ) gebaute Orgelbühne wurde 1977 abgerissen. Grund war der Einbau einer Fußbodenheizung. Anschließend stand die Orgel bis 2010 rechts in der Mitte der Kirche. Als 2009 und 2010 die Renovierung des Gebäudes anstand, erhielt die Kirche auch eine neue Orgelbühne. „Das Eichenholz dafür wurde gespendet“, erzählt Hinnemann. Anschließend zog die Orgel wieder auf den Orgelboden.

Päpstliche Hofglasmalerie

Wer durch die kleine Kirche in Hansell geht, dem fallen auch die besonderen Kreuzwegbilder auf, die Dr. Josef Wieneke (ehemaliger Pfarrer von St. Johannes Baptist), als „künstlerisch wertvoll“ bezeichnete. Die im frühen 20. Jahrhundert entstandenen expressionistischen Bilder wurden auf schwarzem Papier handkoloriert und sind einmalig. 2011 wurden sie mit Unterstützung einiger Hanseller Firmen restauriert.

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