Altenberge hat es ins Erdkundebuch geschafft
Noch Dorf oder schon Kleinstadt?

Altenberge -

Ein Großteil der Fünft- und Sechstklässler, die in NRW ein Gymnasium besuchen, kommt in Zukunft nicht mehr an Altenberge vorbei. Im Erdkundebuch „Terra 1“ ist im Kapitel „Leben auf dem Land, Leben in der Stadt“ Altenberge über mehrere Seiten ein Thema. Dafür gesorgt hat der Altenberger Christian Neuhaus.

Freitag, 28.06.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 04.07.2019, 12:12 Uhr
Christian Neuhaus ist verantwortlicher Redakteur für das Erdkundebuch „Terra 1“. Erstmals kommt darin in einem Kapitel Altenberge vor.
Christian Neuhaus ist verantwortlicher Redakteur für das Erdkundebuch „Terra 1“. Erstmals kommt darin in einem Kapitel Altenberge vor. Foto: mas

Viele Gymnasiasten in Nordrhein-Westfalen kommen bald nicht mehr an Altenberge vorbei. Dafür sind nur zwei Voraussetzungen erforderlich: Die Mädchen und Jungen müssen die fünfte oder sechste Klasse besuchen und im Erdkunde-Unterricht muss das Buch „Terra 1“ (Auflage 2019) zum Einsatz kommen. Das reicht – und dann schnell auf Seite 52 blättern. Dort steht dann für einige Unterrichtsstunden Altenberge im Mittelpunkt.

Landleben

Vor wenigen Tagen ist im Klett-Verlag die neueste Auflage des Unterrichts-Klassikers für den Erdkunde-Unterricht an Gymnasien auf den Markt gekommen. Zunächst wurden 8000 Exemplare des 241 Seiten umfassenden Buches gedruckt, sagt Christian Neuhaus , zuständiger Redakteur für die „Terra“-Reihen. Zwar ist die Zentrale des Klett-Verlags in Stuttgart, doch schon seit 2003 lebt Neuhaus in Altenberge und arbeitet von zu Hause aus.

Doch wieso schaffte es das Hügeldorf ins große Erdkundebuch? Dafür gibt es zwei Gründe. Erstens: Durch die Umstellung des Abiturs von acht auf neun Jahren werden auch die Schulbücher unter die Lupe genommen und müssen gegebenenfalls angepasst werden. Da der letzte „Terra-1-Band“ erst 2016 erschienen ist, wurden nur in einigen Kapiteln Änderungen vorgenommen, erläutert der 49-jährige Neuhaus. Und dazu zählte das Kapitel „Leben auf dem Land, Leben in der Stadt“. Im Vorgängerbuch ging es noch um Borchen und Paderborn – jetzt stehen Altenberge und Münster im Mittelpunkt.

Münster

Grund Nummer zwei liegt auf der Hand – als Altenberger mit Arbeitsort Altenberge und der Uni-Stadt Münster vor der Haustür waren alle Kriterien für das Kapitel und einen Ortswechsel von Ost-Westfalen ins Münsterland erfüllt, erläuterte Christian Neuhaus.

Anhand der fiktiven Familie Fritzig erfahren die Schüler etwas über die rund 11 000 Einwohner zählende Gemeinde Altenberge: „So wie die Fritzigs verhalten sich viele junge Familien: Sie ziehen von der Stadt auf das Land im Umfeld von Städten. Hier erhoffen sie sich ein besseren Leben im Grünen für jeden in der Familie und können gleichzeitig noch immer die Angebote der Stadt ohne zu großen Aufwand nutzen“, heißt es beispielsweise im Kapitel „Neu in Altenberge“.

Münster und Altenberge, das ist „ein gutes Beispiel für eine Stadt-Land-Beziehung“, sagt Neuhaus, der neben seinem Home-Office im Wohngebiet Krüselblick etwa einmal pro Woche am Klett-Standort in Gotha arbeitet oder Autoren für die Erdkunde-Bücher vor Ort besucht. Denn in der Regel sind es Lehrer, Uni-Dozenten oder Professoren, die für die Erdekunde-Bücher schreiben. Neuhaus ist für die Realisation der „Terra“-Bände bei Klett verantwortlich.

Paderborn

Im Kapitel über Altenberge geht es auch um die Frage, ob die Kommune noch ein Dorf ist. Denn: „Inzwischen gilt Altenberge zumindest in der offiziellen Kategorie als ´größere Kleinstadt´“, ist auf Seite 54 zu lesen. Im überarbeiteten Band „Terra 1!“ werden auch einige neue Methoden vorgeschlagen, mit denen sich Lehrer und Schüler mit der Thematik Land-Stadt-Leben beschäftigen können. Neu ist zum Bespiel, dass die Schüler eine Radiowerbung für Altenberge entwerfen und diese mit einem Smartphone oder Tablet aufnehmen sollen.

Werbefilm

Des Weiteren wurden erstmals auch Formulierungshilfen aufgenommen. Denn bei Fünft- oder Sechstklässlern seien „Sprachtipps sehr hilfreich“, so Christian Neuhaus. Ein weiterer Vorschlag: Die Schüler sollen im Rahmen eines Rollenspiels eine Bürgerversammlung simulieren. Das Thema: „Soll Altenberge weiter wachsen?“

Wenn es gut läuft, werden in fünf Jahren 40 000 bis 50 000 „Terra-1“-Bücher in NRW-Gymnasien zum Einsatz kommen. Dann würden etwa 25 Prozent aller Schüler in NRW „irgendwann mit Altenberge konfrontiert“, schätzt Christian Neuhaus. Denn: Die Schulen können ihrer Lehrbücher selbst wählen. Schließlich sind noch andere Verlage auf dem Erdkundebuchsektor unterwegs.

Neuhaus betreut nicht nur „Terra 1“: „Terra 2“, der Band für die 7. und 8. Klassen, wird ebenfalls überarbeitet und erscheint im März 2020. Dort geht es unter anderem um das Leben in verschiedenen Regionen und um das Wetter – doch darin kommt Altenberge noch nicht vor – aber wer weiß...

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