Spende für Chedjou
Ins Herz geschlossen

Altenberge -

Tolle Aktion: Während des Frühschoppens der St.-Johannes-Bruderschaft wurde für Ulrich Chedjou Geld gesammelt, damit er zu seiner Familie nach Kamerun fliegen an.

Dienstag, 30.07.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 30.07.2019, 16:20 Uhr
Ulrich Chedjou (gelbes T-Shirt) hat in Altenberge Freunde gefunden: Für die St.-Johannes-Bruderschaft war es selbstverständlich, für den Kameruner Geld zu spenden, damit er in die Heimat fliegen kann.
Ulrich Chedjou (gelbes T-Shirt) hat in Altenberge Freunde gefunden: Für die St.-Johannes-Bruderschaft war es selbstverständlich, für den Kameruner Geld zu spenden, damit er in die Heimat fliegen kann. Foto: dk

„Drink doch eine met....!“ Dieser rheinische Gassenhauer, gleichzeitig Aufforderung wie Beweis spontaner Gastlichkeit, hat auch in Altenberge längst Einkehr gefunden. Letztmalig beim Frühschoppen der St.-Johannes-Schützen. Den genossen die Grünröcke mitsamt der „JVA“. Dahinter verbergen sich knapp drei Dutzend Freunde von den „Johannes-Veteranen Altenberge“. Und einer von denen, Stefan Roters , forderte den Kameruner Ulrich Chedjou , der (nicht) zufällig vorbei kam, zum Mittrinken auf.

„JVA“

Dass sie damit ein Märchen einleiteten und einen Migranten zum glücklichsten Menschen des Tages machten, ahnten sie da noch nicht. Kurzum: Am Ende des Frühschoppens hatten die Schützen, mitsamt „JVA“ und Ehrenschützen, nicht nur ein neues Mitglied, sondern auch die 700 Euro zusammen, die nötig waren, um ihrem Freund aus Zentralafrika ein Flugticket in die Heimat, in die Hauptstadt Yaoundé, zu schenken. Denn dort warten nicht nur Ulrichs Eltern, seine sechs Geschwister, sondern auch die Lebensgefährtin Jeanette und sein fünfjähriger Sohn namens David.

Fünfjähriger Sohn

Nun ist der 26-Jährige in Altenberge längst kein Unbekannter mehr. Denn das Schicksal trieb den Afrikaner schon im März 2014 nach Deutschland. Über Verwandte und Freunde fand er Aufenthalt in Borghorst, den erstrebten Studienplatz für Chemie an der Fachhochschule in Steinfurt und eine Verdienstmöglichkeit als Hilfskraft in der Küche der Altenberger Ratsschänke Bornemann unter den Fittichen von Juniorchef Steffen Niestegge.

Und mit dem selbst gegebenen Titel „Ulrich aus dem Schwarzwald“ schob der Gast aus dem Kamerun stets charmant lächelnd anfängliche sprachliche Hindernisse aus dem Weg. Dass er dennoch längst erstaunlich gut Deutsch beherrscht, verdankt der Sohn eines Schweißers nach eigenen Worten einem zwölfmonatigen Sprachkurs am Goethe-Institut in Kameruns Hauptstadt.

Kamerun

„Ich wollte unbedingt in Deutschland studieren, Chemiker werden. Daheim, in Vaters Werkstatt, in einem kleinen Dorf mit Namen Bamendjou, knapp 500 Kilometer von der Hauptstadt Kameruns entfernt, habe ich mir schon als Schüler aus alten Autobatterien einen Apparat zur Elektrolyse gebastelt. Und damit erste Erkenntnisse über Stromzellen gesammelt.“ Scheinbar bestens informiert über neueste politische Bestrebungen lacht er: „Wäre ja schön, wenn ich irgendwann mal in das Batterie-Forschungsprojekt, das im Münsterland installiert werden soll, mit einsteigen könnte. Falls uns die Bayern das Projekt nicht wieder klauen.“

Den „Bachelor“ hat er schon in der Tasche. So darf er an der Fachhochschule auch schon mal als Tutor und wissenschaftliche Fachkraft aushelfen. Ansonsten trifft man ihn in der Bornemann-Küche. Sowohl die Inhaber als auch die übrigen Service-Kräfte haben den quirligen Afrikaner längst in ihr Herz geschlossen. Auch sie sammelten (gemeinsam mit Ulrichs Gastfamilie Kohnke) schon einmal das Geld für einen Heimflug von Chedjou.

Am 7. Oktober soll es dann losgehen. 14 Stunden von Deutschland über Istanbul bis Yoaundé. Am 14. November will Chedjou wieder zurück in Altenberge sein, bei seinen Sponsoren von der „JVA“. Augenzwinkernd meint der Kameruner: „Aber erst einmal werde ich in der St.-Johannes-Schützen-Uniform in meinem Heimatdorf einziehen. Vielleicht machen die mich dann dort zum König.“

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