„Lola Blau“-Abend in Stenings Scheune
Vom Mädchen zur tragischen Diva

Altenberge -

Die jüdische Schauspielerin Lola Blau ist im März 1938 noch überzeugt, in Österreich Karriere machen zu können. Freudig packt sie ihren Koffer und will sich aufmachen zu einem Engagement in Linz. Doch ihre Heimat wird an das „Deutsche Reich“ angeschlossen und die restriktiven Maßnahmen der Nationalsozialisten gegen Juden nehmen ihren Lauf. Mit dem Engagement wird es nichts.

Freitag, 04.10.2019, 16:46 Uhr aktualisiert: 04.10.2019, 16:48 Uhr
Tünde Gajdos spielte die „Lola Blau“ in all ihren emotionalen Schattierungen und überzeugte als melancholische Diva. Am Klavier wurde sie gefühlvoll begleitet von Martin Speight.
Tünde Gajdos spielte die „Lola Blau“ in all ihren emotionalen Schattierungen und überzeugte als melancholische Diva. Am Klavier wurde sie gefühlvoll begleitet von Martin Speight. Foto: Rainer Nix

Der Komponist, Sänger, Dichter und Wiener Georg Kreisler (1922 bis 2011) schrieb das Stück „ Lola Blau “. Uraufgeführt wurde es 1971 in der österreichischen Hauptstadt.

Am vergangenen Donnerstag, dem Tag der Deutschen Einheit , gastierte das Kammertheater „Der kleine Bühnenboden“ aus Münster mit diesem außergewöhnlichen „One-Woman-Musiktheater“ in Stenings Scheune.

Der Heimatverein lud zu einem besonderen Theaterabend ein und erreichte ein zeitgeschichtlich sehr interessiertes Publikum. Die dunkle Nazi-Zeit spiegelte sich in dem Stück wieder. Kreisler wusste, worüber er schrieb, denn er war selbst jüdischer Abstammung. Per Beamer wurden typische Szenen der damaligen Zeit gezeigt. Ansprachen des „Führers“, jubelnde Anhänger und Ähnliches.

Darstellerin Tünde Gajdos verlieh der Schauspielerin Lola Blau eindrucksvoll Gestalt und spielte brilliant den Charakter in all seinen Schattierungen.

Konrad Haller inszenierte die Aufführung, Martin Speight begleitete sie am Piano. Kreislers zu Klassikern gewordene Lieder interpretierte Gajdos überaus glaubwürdig. Sie bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Komik und Tragik.

Lola Blau ist machtlos gegen den Antisemitismus und all die schicksalhaften Begebenheiten, die sie durchleben muss. Emigration in die USA, Erfolge, für die sie ihre Ehre verkaufen muss, dann Rückkehr nach Österreich und die Erkenntnis, dass der Krieg die Menschen stark verändert hat. Sie begann ihre Karriere als junges, unbedarftes Mädchen und entwickelte sich in Amerika zur melancholischen Diva, die erkennt, dass alles immer seinen Preis hat.

Kreisler war ein Meister des schwarzen Humors und konnte in seinen Liedern auch mal ganz böse sein. Für „Lola Blau“ zog er alle Register. War „Im Theater ist was los“ noch voller Enthusiasmus, paaren sich in Liedern wie „Sie ist lieb“ bereits Zynismus und Tragik: „Jeder weiß, dass man ertrinken könnte. Doch bevor man ganz und gar versinken könnte, glaub ich fest, dass jeder einmal winken könnte oder rufen: Geh doch noch nicht fort!“

„Es war unser erstes Musiktheater, das als ‚Ein-Frauen-Stück‘ aufgeführt wurde“, sagte der Heimatvereinsvorsitzende Franz Müllenbeck. Auch wenn er bereits nach der Aufführung Publikumsresonanz erhielt, würde er gern weitere Rückmeldungen bekommen. „Wir möchten entscheiden, ob wir Theaterstücke mit ernstem Inhalt in Zukunft öfter ins Programm aufnehmen.“

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