„Greise“ Eiche bekommt regelmäßig Besuch
Auch „Einzelgänger“ werden alt

Altenberge -

Gottfried Schäfers wohnt in einem malerischen alten Speicher neben einem Hof in der Bauerschaft Hohenhorst. In dem Garten des 80 Jahre alten Bücherautors und passionierten Marathonläufers steht ein alter Eichenbaum, der seit zehn Jahren von einer Radwandergruppe regelmäßig angesteuert wird. Die zwischen 250 und 500 Jahre alte Eiche hat mittlerweile einen Umfang von 4,26 Meter.

Mittwoch, 27.11.2019, 16:44 Uhr aktualisiert: 27.11.2019, 16:53 Uhr
Die Radwandergruppe vor dem stattlichen Eichenbaum in Schäfers Garten.
Die Radwandergruppe vor dem stattlichen Eichenbaum in Schäfers Garten. Foto: nix

Gottfried Schäfers ist mit seinen mehr als 80 Jahren nicht nur ein außergewöhnlich aktiver Marathonläufer. Er ist auch als Autor verschiedener Bücher bekannt, die sich aus individuellen Perspektiven mit der Westfalenmetropole Münster befassen. Eines davon stammt aus dem Jahr 1983 und trägt den Titel „Münsters Originale – Die sich selbst ein Denkmal setzen“. Aus diesem Buch las er vor wenigen Tagen vor, als eine Radwandergruppe zu Gast war. Warum? Nun, das ist eine längere Geschichte.

Schäfers wohnt in einem malerischen alten Speicher neben einem Hof in der Bauerschaft Hohenhorst. Den Garten ziert ein stattlicher Eichenbaum, der zwischen 250 und 500 Jahre alt sein dürfte. Schäfers guter Freund, Wolfgang Schürmann aus Münster, ebenfalls Marathonläufer, hat ein Faible für alte Bäume. Er misst ihren Umfang und fotografiert sie.

Seine Leidenschaft führte ihn schon nahezu rund um den Globus. Niederschlag finden die unzähligen Bilder betagter Waldriesen jährlich in einem Kalender, so dass jeder die Veteranen bewundern kann.

Vor zehn Jahren entdeckte Schürmann die Eiche in Schäfers Garten. Zu diesem Zeitpunkt vermaß er den Baum das erste Mal. Mittlerweile hat der Stamm einen Umfang von 4,26 Metern. „So überprüfe ich, ob die Eiche auch fleißig weiter wächst“, sagt der Natur-Enthusiast. Sie steht allerdings „sowas von schief“.

Doch Mutter Natur ist findig. Der Baum hat als Gegengewicht zahlreiche dicke Äste ausgebildet, damit er nicht umkippt und stirbt. „Außerdem“, so Schürmann, „hat er offensichtlich immer solitär gestanden, Bäume direkt neben ihm gab es also nicht.“ Deshalb bildete die Eiche Äste bis nahe an den Boden aus.

Der Baumfotograf zitierte ein Gedicht von „Ideengestalter“ Klaus Wethmar aus Roxel, das sich allerdings um die „Kamineiche“ des „Urwalds Sababurg“ im Landkreis Kassel dreht. Diese Hommage beschreibt, dass es in früheren Zeiten ohne Eichenholz entweder noch Tür, Tor oder Stall, oder noch Scheune, Schiff, Brücke oder Tisch gegeben hätte. Die Eiche war also wichtigster Holzlieferant und daher ein guter Freund des Menschen.

Gottfried Schäfers kommt als Autor an anderer Stelle mit ins Spiel: Jedes Jahr trifft sich die Gruppe an der Altenberger Eiche umzu­- schauen, wie es ihr geht.

In 2019 war es das zehnte Mal und zur Mittagszeit suchten die Naturfreunde „Das Kleine Kartoffelhaus“ auf. Dort stand neben leckerem Essen eine ganz besondere Lesung auf dem Programm.

Im Buch „Münsters Originale“ ist neben Professor Landois, Gründer des zoologischen Gartens in Münster, dem Türmer von Lamberti, dem Ziegenbaron Alfred von Renesse und weiteren illustren Gestalten auch Heinrich Morthorst verewigt. Er war unter anderem Bäckermeister, langjähriger Kiepenkerl beim Lambertusspiel, hochgeschätzter Karnevalist und CDU-Ratsherr. Sein Sohn Lambert ist Mitglied der Radwandergruppe, die sich regelmäßig bei der Eiche trifft.

Aufgrund der zehnjährigen Wiederkehr wünschte sich Lambert Morthoff von Gottfried Schäfers, im Kartoffelhaus das Kapitel über seinen Vater vorzulesen. Ein würdiges Highlight des Tages, das allgemein Anklang fand.

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