Hospizkreis
Trauer ist ein fortlaufender Prozess

Altenberge -

Zwölf Frauen und Männer des Hospizkreises Altenberge nahmen an einer von der Schoberstiftung geförderten Seminarreihe „Endlich leben – über das Leben rund um den Tod“ teil.

Mittwoch, 08.01.2020, 17:44 Uhr aktualisiert: 08.01.2020, 17:46 Uhr
Zwölf Frauen und Männer des Hospizkreises nahmen an der von der Schoberstiftung geförderten Seminarreihe „Endlich leben – über das Leben rund um den Tod“ teil.
Zwölf Frauen und Männer des Hospizkreises nahmen an der von der Schoberstiftung geförderten Seminarreihe „Endlich leben – über das Leben rund um den Tod“ teil.

Der Hospizkreis hatte zu der von der Schoberstiftung geförderten Seminarreihe „Endlich leben – über das Leben rund um den Tod“ eingeladen. Zwölf Frauen und Männer waren diesem Angebot gefolgt, wenn auch mit Ängsten und Vorbehalten. Am Ende stellten sie jedoch fest: Es war der rechte Zeitpunkt zur Auseinandersetzung mit einem Thema, das so gern aufgeschoben wird.

Nicht nur die eigene Konfrontation mit dem Tod im Umfeld brachte sie zur Auseinandersetzung, sondern auch die Sorgen um Eltern oder Freunde. Schon allein das Bewusstwerden, welche Knoten es bereits in ihrem Leben gegeben hat, von wie vielen Träumen, Dingen, Menschen sie sich haben trennen müssen, zeigte, wie Abschiede im Leben immer wieder Wendepunkte markieren, an denen es anders weitergeht.

Und es wurde auch deutlich, dass Trauer nicht erst nach dem Tod eines geliebten Menschen auftritt, sondern wie in der Natur ein fortlaufender Prozess von Abschiednehmen und Leben mit dem Verlust ist, scheibt der Hospizkreis Altenberge in seiner Pressemitteilung.

Nach solcher Einordnung der eigenen Erfahrung lernten die Teilnehmenden im Rahmen der Kommunikation, wie bereits frühe Lebensereignisse die Beziehungsgestaltung prägen und unverarbeiteter Stress die Wahrnehmung einengt. Sie lernten in den sogenannten Spiegelneuronen physiologische Grundlagen des Mitfühlens kennen und wurden angehalten, in Übungssituationen ihr Verhaltensrepertoire zu erproben. Darüber hinaus bekamen sie Rüstzeug, wie sie sich in Stresssituationen wieder selbst regulieren können.

Doch gleich die nächste Einheit zeigte den Teilnehmenden, wie wenig es ein Richtig oder Falsch gebe, sondern nur eine Suchbewegung und eine innere Haltung. Deren Kennzeichen seien das Interesse am Anderen, das Wissen um das eigene Nichtwissen um ihn/sie und die Einsicht, nicht die Arbeit des Anderen zu übernehmen und ihn damit zu entwürdigen.

Ergänzt wurde dieser Ansatz von einem Abend über Spiritualität, wie sie im Leben und im Sterben erfahren werden kann, sowie über Rituale, die den Umgang mit besagten Knoten- oder Wendepunkten des Lebens erleichtern können.

Anhand einer Bildserie aus der Mal-Therapie im Hospiz wurde verdeutlicht, welche Entwicklungsschritte ein Sterbender innerhalb nur weniger Wochen durchlaufen kann. Sichtbar wurde dies an seinen Bildern, die mehr ausdrückten, als er in Worte fassen konnte.

Der Informationsblock zeigte anschließend Theorie und Praxis aus Sterbebegleitung, Palliativmedizin und -pflege sowie Besuch von Friedhof und Hospiz. Lebenswertes Leben könne sehr Unterschiedliches beinhalten, je nachdem, ob aus Betroffenen- oder Angehörigensicht gefragt werde. Immer wieder wurde davor gewarnt, sich zu spät mit dem Tod zu beschäftigen. Vorsorge beizeiten helfe Angehörigen, die sonst mit belastenden Fragen am Lebensende des Partners, der Eltern, oder nach deren Tod allein dastehen.

Zahlreiche Möglichkeiten für die Pflege zu Hause wurden aufgezeigt. Der Besuch im Hospiz und auf dem Friedhof baute Berührungsängste ab und machte Mut, sich auch diesen Themen zuzuwenden.

Am letzten Abend wurde die Arbeitsweise des Hospizkreises vorgestellt mit sehr unterschiedlichen Möglichkeiten, sich selber einzubringen.

Die Resonanz der Teilnehmenden reichte von Dankbarkeit (auch über den Austausch untereinander), Ehrfurcht (vor dem vorbehaltlosen Angenommensein im Hospiz), Respekt (ihr seid ein toller Verein und macht tolle Sachen) bis hin zur Erkenntnis, wie man selber nicht leben will (nämlich mit ungeklärten Baustellen und Einsamkeit, die lange geleugnet wird).

Die Kursteilnehmer schätzten nicht nur den Austausch untereinander, sondern führten ihn auch in ihren Familien fort. Ein Mann fasste für sich zusammen: „Der Tod ist besser als sein Ruf.“ Das Leben rund um den Tod sei viel mehr, als er sich vorgestellt habe.

Dank der Förderung der Schoberstiftung und aufgrund der großen Nachfrage ist bereits ein weiterer Kurs im nächsten Jahr konzipiert. Bei Interesse können die Termine bereits jetzt bekannt gegeben werden. Anfragen unter

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7179200?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F167%2F
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