Poetry-Slammer trugen in der Kulturwerkstatt ihre Werke vor
Liebe in zahlreichen Facetten

Altenberge -

Die Zuschauer waren begeistert – und zwar vom Poetry-Slam in der Kulturwerkstatt. Dabei kam das Thema „Liebe“ nicht zu kurz.

Montag, 17.02.2020, 15:25 Uhr aktualisiert: 18.02.2020, 15:34 Uhr
Waren in Hochform (v.l.): Pauline Haberland, Nele Müller, Andi Substanz, Arthur und Ona Brecht. Die Zuschauer in der voll besetzten Kulturwerkstatt waren begeistert.
Waren in Hochform (v.l.): Pauline Haberland, Nele Müller, Andi Substanz, Arthur und Ona Brecht. Die Zuschauer in der voll besetzten Kulturwerkstatt waren begeistert. Foto: Rainer Nix

Ein Wettstreit der Worte und Reime vor vollem Haus – Poetry-Slammer aus Münster und Umgebung begeisterten in der Kulturwerkstatt, als sie ihre Werke präsentierten. Die „Valentinstag-Edition“ konnte sich natürlich nur um das Thema „Liebe“ drehen, was zumindest im ersten Teil auch so war. Die Moderation hatte Andi Substanz vom „Lyrikkeller“ aus Münster. Die Zuhörer durften interaktiv werden und stimmten mit Zahlenkarten von eins bis zehn ab, gerade so wie beim Eiskunstlauf.

Die Waffe des Poeten ist die Feder, das Wort ist mächtig, es bewegt. Viele Slam-Neulinge saßen im Publikum und warteten, was auf sie zukam. „Arthur ist nicht auffindbar“, hieß es beim Foto-Shooting vor Beginn. Wie aus dem Nichts tauchte er dann auf. Er war einer von vier Verseschmieden und trug auf Englisch vor. Süffisant grinsend las Arthur, der „internationale Tunichtgut, Rebel und Poet“ seinen vor Erotik nur so knisternden Text. Direkte, unverblümte Anspielungen. Da er Englisch sprach, hörte sich der Inhalt vielleicht nicht ganz so anzüglich an, glücklicherweise waren alle Anwesenden volljährig.

Liebe Frau...

Etwas gemäßigter kam der Lyriker und Musiker Ona Brecht daher. Seine „Wiese am Fluss“ fällt in die Kategorie „Klassisches Liebesgedicht“. Reflexionen über Gefühle im Mondenschein. „Liebe Frau, mit dir möchte ich teilen“; heißt es da. „Ich fliege über die Wiese, durch nächtliches Gras, durch gehauchtes Licht, ein Jauchzen drang durch meine Kehle, um die Nacht zu erkunden…“

Unperfekte Studentenwohnung

„Liebe kann auch nicht so cool sein, Liebe kann auch weh tun, körperliche Schmerzen zufügen“, schickte Slammerin Nele Müller voraus. Ihr Text „Is this love?“ machte nachdenklich. Ironie oder Wortspiel? Ist es die Geschichte der Anklage einer Tochter ihrem strengen Vater gegenüber? „So wuchs ich auf, zerdrückt, zerquetscht, gebrochen von deiner krassen Liebe“. Wie weit gingen die Übergriffe? „Meine Knochen nicht gebrochen, meine Seele steht vor euch, sperrangelweit offen.“ Starker Tobak, vom Publikum hoch bewertet.

Nach deftigen, romantischen und kritischen Themen wurde es mit Pauline Haberland sehr witzig. Ihre leidenschaftlich-verzweifelte Liebeserklärung an eine unsäglich unperfekte Studentenwohnung war hinreißend. Wortgewandt riss sie zu Begeisterungsstürmen hin. Kostproben: „Das Moos zwischen deinen zwei Lagen Laminat auf dem Balkon ist unser Garten Eden“, „Mit oder ohne Strom hältst du mich auf Hochspannung“, „Ich vergöttere deine Bewohner, acht- wie zweibeinige“, „Ich vergöttere dich, du Hades unter den Wohnungen“. Eloquenz gepaart mit einer großen Portion Humor.

Im zweiten Durchgang präsentierten die Slammer Themen eigener Wahl. Weiteres Highlight: Andi brachte seine alte Schreibmaschine mit und verfasste in der Pause einen Text zu einem vom Publikum vorgeschlagenen Thema: „Wasserschaden in der Kulturwerkstatt“. Das Finale brachte die Entscheidung. Der Preis für den bestbewerteten Slammer war eher symbolisch. Es ging nicht ums Gewinnen oder Verlieren. Nele Müller nahm eine Tragetasche mit der Aufschrift „Lyrikkeller“ mit nach Hause.

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