Initiative der Hausarztpraxen: Fieberpraxis in der ehemaligen Hauptschule
Thermometer statt Unterricht

Altenberge -

Weil sich das Coronavirus immer weiter ausbreitet und dadurch die Versorgung in vielen Hausarztpraxen eingeschränkt wird, haben sich die vier Hausarztpraxen in Altenberge mit insgesamt neun Ärzten zusammengeschlossen, um eine sogenannte Fieberpraxis einzurichten. Die soll in der ehemaligen Ludgeri-Hauptschule den „Normalbetrieb“ in den Praxen annähernd gewährleisten.

Dienstag, 07.04.2020, 19:42 Uhr aktualisiert: 08.04.2020, 12:30 Uhr
Bürgermeister Jochen Paus (v.l.), Lisa Degener, Ingrid Menden und Dr. Philipp Lettau am Empfangstisch der Fieberpraxis in der ehemaligen Ludgeri-Hauptschule. Mit Hinweisschildern (kl. Bild) ist die Einbahnstraßenregelung ausgewiesen.
Bürgermeister Jochen Paus (v.l.), Lisa Degener, Ingrid Menden und Dr. Philipp Lettau am Empfangstisch der Fieberpraxis in der ehemaligen Ludgeri-Hauptschule. Mit Hinweisschildern (kl. Bild) ist die Einbahnstraßenregelung ausgewiesen. Foto: Matthias Lehmkuhl

Die Ausbreitung des Coronavirus sorgt dafür, dass in vielen Hausarztpraxen die Versorgung chronisch kranker Patienten erheblich eingeschränkt wird. Deshalb haben sich alle vier Hausarztpraxen mit insgesamt neun Ärzten in Altenberge zusammengeschlossen, um eine sogenannte Fieberpraxis in der ehemaligen Ludgeri-Hauptschule (Grüner Weg 7) einzurichten. Nicht nur um den „Normalbetrieb“ in Praxen annähernd zu gewährleisten, sondern auch, um die Ausbreitung der Pandemie in Altenberge zu stoppen.

Mit Hilfe der Fieberpraxis kann das Risiko der Ansteckung in den Wartezimmern der Hausarztpraxen reduziert und die Versorgung chronisch kranker und anderer Patienten optimiert werden. So werden mögliche Infektionsketten besser unterbrochen. Es sei ihnen innerhalb einer Woche gelungen, zusammen mit der Gemeinde in Altenberge eine Fieberpraxis zu etablieren, sagte Dr. Philipp Lettau : „Das ist rekordverdächtig.“

Behandlung nach telefonischer Anmeldung

Die Fieberpraxis ist ab dem heutigen Mittwoch (8. April) erreichbar. Künftig ist die Anlaufstelle montags bis freitags von 8 bis 11 Uhr und zusätzlich montags, dienstags und donnerstags von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Allerdings kann die Fieberpraxis von Patienten nur nach telefonischer Anmeldung unter 0 25 05 / 23 55 aufgesucht werden. Ausgenommen sind Kinder bis zum Schulalter, deren Behandlung weiterhin durch den Haus- oder Kinderarzt in deren Praxen erfolgen soll.

Im Wechsel wird ein Arzt aus einer der vier Altenberger Hausarztpraxen sowie eine medizinische Fachangestellte vor Ort Patienten mit Erkältungssymptomen und Fieber untersuchen und behandeln. Durch die gespendeten und in Eigeninitiative gekauften Schutzanzüge und Atemmasken sowie das von der Gemeinde zur Verfügung gestellte Desinfektionsmittel ist damit eine den seuchenhygienischen Standards entsprechende medizinische Versorgung der Bevölkerung für die nächsten Monate gewährleistet.

Eine Fieberpraxis für alle Erkältungskrankheiten

„Besonderer Dank gilt der Firma Interdata aus Greven, die bereit war, uns innerhalb von drei Tagen die dazu nötige Software zu installieren und lizenzgebührenfrei zur Verfügung stellen“, sagte Lettau. Die Patienten werden in der Fieberpraxis nur in geringer Anzahl und nach Anmeldung in die Räume gelassen, dort weiträumig voneinander getrennt und ohne lange Wartezeit nach der Behandlung durch einen gesonderten Ausgang aus dem Gebäude entlassen.

„Wir erhoffen uns von dieser Maßnahme eine bessere ambulante Versorgung von atemwegserkrankten Patienten, damit sie nicht stationär behandelt werden müssen, um die Ressourcen der Krankenhäuser zu schonen. Mir ist wichtig, dass es keine Corona-, sondern eine Fieberpraxis für alle Erkältungskrankheiten ist“, betonte Hausärztin Lisa Degener.

Die Unterhaltungskosten übernimmt die Gemeinde

Die Idee zu dieser Einrichtung in der ehemaligen Ludgeri-Hauptschule hatten die Hausärzte. „Wir baten Bürgermeister Paus kurzfristig um ein Gespräch. Als wir im Sitzungszimmer des Rathauses eintrafen, hatte Herr Paus aber die Pläne der Hauptschule schon unter dem Arm“, erläuterte Hausärztin Lisa Degener. „Wir haben Gott sei Dank in der ehemaligen Hauptschule noch keine Bauphase. Die soll erst im kommenden Jahr erfolgen. Hoffentlich ist bis dahin die Corona-Krise vorbei“, sagte Paus und unterstrich: „Die Unterhaltungskosten binden wir uns ans Bein, weil wir der Meinung sind, dass das eine tolle Geschichte und eine Initiative zum Wohl aller Altenberger Bürger ist.“

Allerdings muss die Fieberpraxis am 21. April (Dienstag) für 24 Stunden lang geschlossen werden. „An diesem Tag findet ein Blutspendetermin des DRK in der ehemaligen Ludgeri-Hauptschule statt“, lieferte Ordnungsamtsleiterin Ingrid Menden auch gleich die Begründung für die Schließung mit.

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