„Madonna der Landstraße“
Glockentöne mit viel Zuversicht

Altenberge -

Seit dem 19. März besuchen die Eheleute Löhring die Kapelle „Madonna der Landstraße“. Während Beatrix Löhring dort betet, betätigt ihr Mann Martin die Glocke des kleinen Gotteshauses.„Dafür muss man schon ein gewisses Maß an Takt- und Musikgefühl besitzen“, weiß Werner Geuker, der als Geschäftsführer des Kapellenausschusses des Schützenvereins Grinkenschmidt aktiv ist.

Sonntag, 26.04.2020, 13:02 Uhr aktualisiert: 27.04.2020, 15:44 Uhr
Martin Löhring vom Schützenverein Grinkenschmidt läutet seit dem 19. März jeden Abend die Glocken der Kapelle „Madonna der Landstraße“.
Martin Löhring vom Schützenverein Grinkenschmidt läutet seit dem 19. März jeden Abend die Glocken der Kapelle „Madonna der Landstraße“. Foto: Marc Brenzel

Schätzen gelernt haben die Christen im Bistum Münster das täglich um 19.30 Uhr beginnende ­Glockenläuten. Das soll in Corona-Zeiten, in denen die Gläubigen nicht zum Gottesdienst in die Kirche gehen können, zum persönlichen Gebet einladen. An diesem ganz besonderen kreis- sowie gemeinde- und konfessions-übergreifenden „Konzert“ beteiligen sich auch die beiden Altenberger Beatrix und Martin Löhring .

Seit dem 19. März besucht das Ehepaar jeden Abend die Kapelle „ Madonna der Landstraße“, die an der L 510 gelegen ist. Beatrix Löhring betet, ihr Mann entlockt dem kleinen Glockenturm die Töne. „Dafür muss man schon ein gewisses Maß an Takt- und Musikgefühl besitzen“, weiß Werner Geuker, der als Geschäftsführer des Kapellenausschusses des Schützenvereins Grinkenschmidt aktiv ist.

Für dessen Schützenbruder Martin Löhring ist dieses Lob zu viel der Ehre. „Ach, musikalisch gehört da eigentlich gar nichts zu, aber nach fünf Minuten ständigem Ziehen an dem ­Glockenseil ist man auch froh, wenn es vorbei ist. Das strengt schon an“, erklärt der gelernte Bauschlosser. Ein kleines Geheimnis hat der 58-Jährige aber: „Das Seil ganz bis nach unten ziehen und nicht zu schnell wieder kommen lassen, ansonsten gibt es einen unschönen Doppelschlag.“ 2017 hat Löhring die Nachfolger von des langjährigen Glöckners Heinz Hinse angetreten. In der Regel wird die ­Glocke der Kapelle nur vier Mal im Jahr geläutet. Am 1. Mai, zwei Mal beim Schützenfest am Pfingstwochenende und am 8. Juni, dem Tag, an dem die „Madonna der Landstraße“ 1953 eingeweiht wurde.

„Leider fallen die Messe am 1. Mai und das Schützenfest in diesem Jahr aus, aber bis zum Weihefest ist ja noch ein bisschen Zeit“, haben die Löhrings die Hoffnung auf einen Gottesdienstbesuch in der nah dem Schützenplatz gelegenen Kapelle noch nicht aufgegeben. „Bis Donnerstag machen wir mit ­Glockenläuten weiter, und am Freitag bin ich auch noch mal da“, verspricht Löhring.

  • Am 1. Mai gibt es zwar keine Messe, doch Werner Geuker wird zwei Fahnen des Schützenvereins Grinkenschmidt auf dem Kappellenvorplatz aufhängen. „Wir wollen damit Zusammenhalt dokumentieren. Von so einem Virus lassen wir Schützenbrüder uns nicht unterkriegen.“
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