Pater Joy berichtet über die Situation in seiner Heimat
Dramatische Lage für Tagelöhner

Altenberge -

In der Serie „Corona weltweit“ blickt Pater Joy, der viele Jahre in St. Johannes Baptist gearbeitet hat, auf seine Arbeit im „NEST“ in seiner Heimat in Indien. Sein Orden unterstützt in Bangalore vor allem viele Familien, die aufgrund der Corona-Pandemie nicht genug zum Leben haben.

Freitag, 10.07.2020, 17:50 Uhr aktualisiert: 12.07.2020, 12:40 Uhr
Pater Joy blickt auf die Coronalage in seiner Heimatstadt Bangalore, wo Freiwillige Lebensmittelpakete für Bedürftige zusammengestallet haben.
Pater Joy blickt auf die Coronalage in seiner Heimatstadt Bangalore, wo Freiwillige Lebensmittelpakete für Bedürftige zusammengestallet haben. Foto: privat/held

Wer in diesen Tagen eine Reise ins Ausland plant, der kommt nicht umher, sich intensiv mit der Frage auseinander zu setzen, wie die Corona-Lage vor Ort aussieht. So warnt beispielsweise das Auswärtige Amt aufgrund der Ausbreitung von Covid-19 vor „nicht notwendigen, touristischen Reisen nach Indien“. Und genau dort, genauer gesagt in Bangalore, lebt Pater Joy, der viele Jahre in St. Johannes Baptist gearbeitet hat. Die Warnhinweise kann Pater Joy verstehen: „Die Zahl der Corona-Fälle in Indien nimmt von Tag zu Tag zu.“ Seit vielen Jahren kümmert er sich mit zahlreichen Mitarbeitern im sogenannten „Nest“ um hilfsbedürftige Kinder – auch mit finanzieller Unterstützung aus Deutschland.

Hilfsbedürftige Kinder

Im vergangenen März kam Pater Joy für einen Abstecher nach Deutschland. Doch schon nach einer Woche reiste er nach Indien zurück. „Ich ging sofort für 28 Tage in Quarantäne“, schreibt der Geistliche in einem Brief an Edith und Rolf Lindemann , die seit vielen Jahren Kontakt zu Pater Joy und dem „Nest“ in Indien haben.

Quarantäne

Nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie musste Pater Joy die Kinder aus dem „Nest“ nach Hause schicken – also zu ihren Familien, zu Verwandten oder Freunden. Sie kehren erst dann wieder ins „Nest“ zurück, wenn die Schuler wieder beginnt, berichtet Pater Joy. „Wir hoffen, dass die Schulen im August ihren regulären Unterricht beginnen, sind uns aber nicht sicher.“

275 Familien

Besonders dramatisch schildert Pater Joy die Lage der Tagelöhner, die mit Beginn der Corona-Krise in Bangalore bleiben mussten und nicht nach Hause fahren konnten. Viele von ihnen arbeiten auf dem Bau oder in kleinen Industriebetrieben. Da viele von den Tagelöhnern derzeit keine Arbeit haben, „gibt es zahlreiche arme Familien, die nicht in der Lage sind, ihren Alltag zu bewältigen“, berichtet Pater Joy. „Wir vom Orden haben von Anfang an daran gedacht, den Armen und Bedürftigen zu helfen.“

Mittlerweile habe der Orden in Indien mit seinen Sozialarbeitern und weiteren Freiwilligen Familien unterstützt, „die nicht genug zu essen haben“, erzählt Pater Joy. Daraufhin verteilten sie Grundnahrungsmittel – unter anderem Bohnen, Salz, Zucker, Tee, Reis und Öl. Inzwischen hat das Team um Pater Joy 275 Familien, also fast 1200 Menschen, mit Lebensmitteln versorgt. Ebenso erhielten einige Kinder und Erwachsene Medikamente.

Pater Joy hofft, dass bald „alles ein Ende haben wird“. Der Geistliche schließt den Brief an das Ehepaar Lindemann mit den Worten: „Ich bete für Sie alle und Ihre Familien, damit Sie vor Covid 19 sicher sind. Passen Sie auf sich auf.“

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