Dr. Martin Sommer referiert als Leiter des Corona-Krisenstabes beim Heimatverein
Sorgen um Urlaubsrückkehrer

Altenberge -

Die Urlauber machen den Experten im Corona-Krisenstab des Kreises „ein bisschen Sorge“, wie Dr. Martin Sommer sagt. Unter den jüngsten Neuinfektionen sind auch einige aus der Sommerfrische Heimgekehrte. Bei den Rückreise-Vorgaben des Bundes sei so einiges unausgegoren, wie der oberste Krisenmanager des Kreises kritisiert. „Wir müssen abwarten, was das für uns bedeutet“, sagte Sommer am Samstagmorgen vor den Mitgliedern und Freunden des Altenberger Heimatvereins.

Sonntag, 26.07.2020, 16:56 Uhr
Krisenstabsleiter Dr. Martin Sommer gewährte den Mitgliedern des Altenberger Heimatvereins tiefe Einblicke in die Arbeit des Gremiums, das seit fünf Monaten die Pandemie im Kreis bekämpft.
Krisenstabsleiter Dr. Martin Sommer gewährte den Mitgliedern des Altenberger Heimatvereins tiefe Einblicke in die Arbeit des Gremiums, das seit fünf Monaten die Pandemie im Kreis bekämpft.

Auf dem Hof des Heimathauses gab der Kreisdirektor – und als solcher seit April kommissarischer Behördenleiter – einen tiefen Einblick in die Arbeit des Krisenstabes. Und auch wenn der Wahlkampf an diesem Morgen offiziell keine Rolle spielte, war der Auftritt des Bewerbers für das vakante Amt des Landrates natürlich als Unterstützung für den Kandidaten aus dem Hügeldorf zu verstehen.

In einer Rückschau auf die letzten fünf Monate kommt der Chef des Krisenstabes zu dem Schluss, dass „wir im Kreis vieles richtig gemacht haben“. Das sei keine Selbstverständlichkeit. „Schließlich gibt es für Corona keine Blaupause.“ Bei der Bewältigung hätten alle Beteiligten Neuland betreten.

Die Zahl der Neuinfektionen möglichst klein halten und damit das Gesundheitssystem nicht überfordern – diese Ziele seien im Kreis Steinfurt bislang erreicht worden. Nach Darstellung von Martin Sommer sei es meistens gelungen „vor die Lage zu kommen“, sich also nicht von Entwicklungen überrollen zu lassen, sondern sie vorauszuahnen. Der Krisenstabsleiter hatte dafür zahlreiche Beispiele: Schon im Februar habe die Behörde den Jahresbedarf an Schutzausrüstungen bestellt, so dass es in den Einrichtungen nicht zu Engpässen gekommen sei. Der Krisenstab sei schon eingerichtet worden, da hätten andere Behörden die Steinfurter noch ausgelacht. „Vier, fünf Tage später hatten die dann selbst einen“, so Martin Sommer.

In den Krankenhäusern habe man frühzeitig begonnen, Plätze für Corona-Erkrankte freizuhalten. Außerdem sei die Zahl der verfügbaren Beatmungsgeräte auf rund 150 verdreifacht worden. Als abschreckendes Beispiel dienten Sommer die Zustände im Nachbarland Frankreich: „Dort mussten Ärzte über Leben und Tod entscheiden. Zeitweise wurden über 80-Jährige zugunsten von jüngeren Patienten von den Beatmungsgeräten abgeklemmt.“

Bewährt hätten sich im Kreis die Überlaufeinrichtungen in Lengerich und in Laer, wo Pflege- beziehungsweise Fieberpatienten untergebracht werden können. In Laer wurde Schützenhilfe für den Kreis Warendorf geleistet. „In 24 Stunden war das Fieberlazarett hochgefahren“, erläuterte Sommer. Wären die Einrichtungen vor Ort benötigt worden, wäre es allerdings schwierig gewesen, ausreichend Personal zu bekommen, räumte der Kreisdirektor ein.

Martin Sommer lobte nicht nur die zahlreichen ehrenamtlichen Unterstützer, zum Beispiel in den Feuerwehren und beim DRK. Auch die Politik habe schnell den Ernst der Lage erkannt und ohne mit der Wimper zu zucken sechs Millionen Euro für die Bewältigung der Krise zur Verfügung gestellt. „Eine gegriffene Zahl“, gab Sommer unumwunden zu. Die sechs Millionen entsprechen ungefähr einem Prozent der Kreisumlage, also dem Beitrag, den der Kreis jährlich bei den 24 Kommunen einsammelt. Von diesem Geld sind bislang aber nur 2,8 Millionen ausgegeben worden, 2,5 Millionen Euro davon für Schutzausrüstung.

Der Kreis hat schon vor einigen Wochen den Krisenstab personell heruntergefahren. Arbeiteten zeitweise rund ein Drittel der Kreis-Mitarbeiter für die Bekämpfung der Pandemie, gibt es derzeit nur eine Corona-Stabsstelle. Martin Sommer warnte: „Wir werden noch länger auf das normale Leben verzichten müssen.“ Erst müsse ein Impfstoff für alle Bürger verfügbar sein. Darum appellierte der Kreisdirektor an die Menschen: „Verhalten Sie sich so umsichtig wie bisher.“ Es sei eine Illusion, dass das „Ganze jetzt vorbei ist“. Die Folgen einer zweiten Welle, siehe Israel, wären verheerend.

Heimatvereinsvorstand Werner Witte hatte zu Beginn dieses „Sommergesprächs“ betont, dass das die erste größere Veranstaltung des Vereins seit Ausbruch der Pandemie sei.

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