In der Fahrradbranche ist derzeit richtig viel los
Der Run auf die Räder

Altenberge -

In der Fahrradbranche boomt es. Von „Verkaufszahlen wie noch nie“ sprechen einige Verkäufer, und David Eisenberger vom Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) hat festgestellt: „Die Konsumenten rennen den Händlern die Läden ein“ – trotz Corona.

Montag, 03.08.2020, 16:24 Uhr
Volker Thiemann von Velo de Ville hat festgestellt, dass immer mehr Deutsche das Radfahren für sich entdeckt haben. Das bringt er auch mit der verbesserten Infrastruktur in Verbindung.
Volker Thiemann von Velo de Ville hat festgestellt, dass immer mehr Deutsche das Radfahren für sich entdeckt haben. Das bringt er auch mit der verbesserten Infrastruktur in Verbindung. Foto: Marc Brenzel

In der Fahrradbranche boomt es. Von „Verkaufszahlen wie noch nie“ sprechen einige Verkäufer, und David Eisenberger vom Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) hat festgestellt: „Die Konsumenten rennen den Händlern die Läden ein“ – trotz Corona.

Oder eher aufgrund Corona, denn Experten stellen die Rechnung auf, dass die Deutschen aufgrund einer höheren Ansteckungsgefahr öffentliche Verkehrsmittel eher meiden und stattdessen lieber in die Pedale treten – wovon Fahrradindustrie und Einzelhandel profitieren.

Volker Thiemann sieht das differenzierter. Er könne nicht sagen, dass die Corona-Krise das Beste sei, das der Branche hätte passieren können. Der geschäftsführende Gesellschafter des Radherstellers Velo de Ville aus Altenberge führt mehrere Ursachen für den derzeitigen Boom an. Zum einen sei „in der Branche in den Monaten Mai und Juni eh Highlife“, und aktuell flössen auch noch die Bedarfe aus den corona-bedingt schwächeren Monaten März und April in die Bilanzen ein.

Zum anderen hätten die Leute das Radfahren einfach für sich entdeckt. „Zudem ist die Infrastruktur gar nicht so schlecht. Auf dem Land werden verstärkt Radwege zwischen den Ortschaften gebaut, und in den großen Städten entstehen immer mehr „Pop-up-Radwege“. Das hat dem Radfahren einen Schub gegeben.“

Steigend ist die Nachfrage an E-Bikes, die in Deutschland rund 30 Prozent der verkauften Räder ausmachen. Auch Volker Thiemann gibt sich als Fan des motorisierten Untersatzes zu erkennen. „Samstagabends auf dem Radweg von Altenberge nach Münster zu fahren oder morgens zum Markt – ohne E-Bike wäre ich nie auf diese Idee gekommen.“

Häufiger zu sehen sind im Straßenverkehr mittlerweile die Lastenräder, die eigentlich für die Industrie gedacht sind und eine tief liegende Ladefläche zwischen Lenker und Vorderrad haben. Sie werden immer mehr auch „privat“ eingesetzt. „Wir glauben, dass die Lastenräder kommen werden, zurzeit ist das aber ein Nischenprodukt. Aber es hat seine Berechtigung, denn in den Städten wird sich in der In-frastruktur viel tun“, so Thiemann. „Boom, ja. Unter dem Strich glaube ich, dass am Ende des Jahres sicherlich mehr Räder und E-Bikes verkauft werden als im Vorjahr. Allerdings glaube ich nicht, dass wir da von 30, 35 Prozent reden, sondern eher von einer Stückzahlsteigerung von acht bis 15 Prozent“, relativiert Thiemann den Hype ein wenig.

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