Altenberger Arzt Dr. Thorsten Klüsener nimmt an Feldversuch teil
Für den Notfall alles auf eine Karte

Altenberge -

Seit einigen Wochen läuft in der Region Westfalen-Lippe ein Feldtest für zwei wichtige Anwendungen der Telematikinfrastruktur. Rund 70 Arztpraxen, eine Notfallpraxis, einige Apotheken sowie ein Krankenhaus erproben das Notfalldatenmanagement (NFDM) und den elektronischen Medikationsplan (eMP). Zu den Testteilnehmern zählt auch der Altenberger Dr. Thorsten Klüsener, leitender Notarzt im Kreis Steinfurt und Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin sowie für Anästhesiologie, wie die Deutsche Gesundheitsnetz GmbH, ein Dienstleister für Kommunikation im Gesundheitswesen, in einem Pressebericht mitteilt.

Montag, 10.08.2020, 17:28 Uhr
Dr. Thorsten Klüsener
Dr. Thorsten Klüsener

 

Die hausärztliche Gemeinschaftspraxis im Hügeldorf, in der Klüsener seit 2006 tätig ist, und die Filiale in Billerbeck haben der bekennende Computer-Nerd und seine Kollegen schon vor vielen Jahren auf papierlose Prozesse umgestellt. Im Feldtest wird der darin enthaltene eHealth-Konnektor von secunet vor der flächendeckenden Einführung erprobt.

Als die Firma InterData wegen der Feldtest-Teilnahme bei Dr. Klüsener anfragte, musste dieser nicht lange überlegen: „Als Notarzt bin ich natürlich sehr daran interessiert, die wichtigen und lebensrettenden Notfalldaten auf der elektronischen Gesundheitskarte zu hinterlegen.“ Aus seiner Sicht hätte der Chip auf der Karte schon viel früher dafür genutzt werden sollen, anstatt nur für die Versichertenstammdaten. Deshalb hatte er sich bereits 2016, als das Notfalldatenmanagement – zunächst in papiergebundener Form – entwickelt wurde, aktiv in die inhaltliche Ausgestaltung und Erprobung mit eingebracht.

Vor allem bei bewusstlosen Patienten tragen die Notfalldaten auf der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) dazu bei, im Einsatz eine schnelle und bestmögliche Versorgung zu gewährleisten. „Wenn ich auf einen Blick sehe, welche chronischen Diagnosen und Allergien vorliegen, kann ich Fehlbehandlungen aufgrund von Unkenntnis vermeiden“, erklärt der erfahrene Notarzt. „Sind zudem die Angehörigen, die im Notfall benachrichtigt werden sollen, der Hausarzt sowie das Vorliegen einer Patientenverfügung im Datensatz vermerkt, muss ich nicht mehr auf die Suche nach den entsprechenden Unterlagen gehen und spare so wichtige Zeit.“

Der Notfalldatensatz speist sich aus der hinterlegten Patientenkartei. „Ist diese bei langjährigen Patienten mit persönlichen Daten, aktuellen Diagnosen und verschriebenen Medikamenten gut gepflegt, ist der Notfalldatensatz innerhalb von nur ein bis zwei Minuten angelegt“, berichtet Dr. Klüsener. Bei neuen Patienten müsse er etwas mehr Zeit investieren, um die entsprechenden Informationen zu erfragen.

In einem Arbeitsgang wird auch gleich der Medikationsplan ohne großen zusätzlichen Aufwand mit angelegt. „Nach ein paar Startschwierigkeiten funktioniert der gesamte Workflow inzwischen einwandfrei“, zeigt sich Dr. Klüsener zufrieden. „Der Feldtest gibt mir die Möglichkeit, herauszufinden, ob das, was man sich theoretisch vorgestellt hat, in der Praxis auch wirklich läuft.“ Wichtig sei das reibungslose Zusammenspiel von Konnektor und PVS. Dank der engen Abstimmung mit den für die technische Betreuung zuständigen Dienstleistern, konnten Fehlermeldungen und Probleme schnell behoben und Abläufe optimiert werden.

Eine Hürde gilt es allerdings noch zu überwinden: Um die Notfalldaten und den Medikationsplan auf die elektronische Gesundheitskarte des Patienten zu schreiben, muss sich Dr. Klüsener mit seinem elektronischen Arztausweis per PIN-Eingabe am Kartenlesegerät legitimieren. Auch der Patient muss als Zeichen seines Einverständnisses die PIN seiner Gesundheitskarte eingeben – und genau hier liegt das Problem: Viele Patienten kennen ihre PIN gar nicht und auch spontane Nachfragen bei der Krankenkasse helfen oft nicht weiter. Grundsätzlich kann aber jeder Patient die PIN bei seiner Kasse neu anfordern.

Vor allem zu Beginn wurde der Feldtest zudem durch die Corona-Krise erschwert. „Zeitweise kamen nur wenige Patienten in die Praxis, so dass wir dementsprechend wenige Notfalldatensätze und Medikationspläne anlegen konnten“, erinnert sich Dr. Klüsener. Das habe sich inzwischen aber wieder normalisiert. Bislang sind seine Patienten von der Möglichkeit, ihre Daten auf der eGK zu hinterlegen, durchweg begeistert: „Es war tatsächlich kein Patient dabei, der dies aufgrund von Datenschutz-Bedenken nicht wollte.“

Nun hofft der Hausarzt, dass die beiden Anwendungen möglichst bald flächendeckend zum Einsatz kommen. „Vor allem wünsche ich mir, dass die Rettungsfahrzeuge hier im Kreis ganz schnell mit einer Software zum Auslesen des Notfalldatensatzes ausgestattet werden“, so Dr. Klüsener. „Dann wird diese nützliche neue Anwendung meinen Arbeitsalltag als Notarzt wesentlich erleichtern.“

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