Karl Reinke kandiert für die Grünen für das Bürgermeisteramt
Ein Marathonläufer fürs Rathaus

Altenberge -

Er will ins Rathaus und die absolute Mehrheit der CDU in Altenberge nach sieben Jahrzehnten brechen: Karl Reinke, Ortsverbandssprecher der Grünen in Altenberge. Was treibt ihn an? Was ist ihm wichtig?

Donnerstag, 27.08.2020, 05:53 Uhr aktualisiert: 27.08.2020, 16:58 Uhr
Möchte Verwaltungschef und Bürgermeister in Altenberge werden: Karl Reinke.
Möchte Verwaltungschef und Bürgermeister in Altenberge werden: Karl Reinke. Foto: l

Er hat die Laufabteilung des TuS Altenberge gegründet, ist selbst 50 Mal den Marathon gelaufen – keine Frage: Durchhaltevermögen muss dieser Mann haben. Jetzt will Karl Reinke Bürgermeister werden. Wieso eigentlich?

Meilenstein Europawahl

Die Europawahl 2019 war ein Meilenstein. Die Grünen, sagt Reinke, kamen auf 30,26 Prozent, die Sozialdemokraten wählten 14,26 Prozent der Wahlberechtigten in Altenberge, 34,83 votierten für die CDU . Das, fährt der 62-Jährige fort, habe bei den Grünen in Altenberge den Entschluss gefestigt, zur Kommunalwahl 2020 einen eigenen Bürgermeisterkandidaten aufzustellen.

Sie haben ihn gefragt. Er wiederum hat mit seiner Frau und Freunden gesprochen – und schließlich „Ja“ gesagt. Sollte Karl Reinke am 13. September den Einzug ins Rathaus als Bürgermeister schaffen, wird er seine Stelle bei Straßen.NRW – dort ist er für den „Betrieb und Verkehr von Landes- und Bundesstraßen“ im Einsatz – aufgeben. Wofür steht dieser Mann?

Wechselstimmung

„Ich wollte in Altenberge immer etwas verändern“, sagt er. In die Politik, zu den Grünen, ging er, als der Bau der Umgehungsstraße immer realistischer wurde. Ein Bau durch den Altenberger Höhenrücken, den er bis heute ablehnt. „Gegen den Widerstand von 50 Prozent der Bevölkerung“ sei dieses Projekt durchgesetzt worden. Grüne, SPD , die UWG seien dagegen gewesen. Nordwalde habe zur selben Zeit eine Umgehung geplant, Altenberge hätte mit der Nachbargemeinde hier zusammenarbeiten müssen. Seit 70 Jahren regiere die CDU in Altenberge mit absoluter Mehrheit, sagt Karl Reinke wenig später. Er hat, sagt er, eine Wechselstimmung wahrgenommen. „Jetzt ist die Chance, die absolute Mehrheit der CDU zu brechen. Vielleicht sind die Bürger ja für frischen Wind nach 70 Jahren bereit.“

Dass die SPD ihn jetzt unterstützt, freut den 62-Jährigen, klar. „Ich habe darauf hingearbeitet“, sagt Reinke und wirkt wenig überrascht über diese Rückendeckung.

Erholung für Kaufleute

Die Ratsbeschlüsse für die Bauvorhaben – Marktplatz (fertig), Boakenstiege, Kirchplatz, Rathaus, neue Schule – seien vorhanden, sagt der Ortsverbandssprecher der Grünen. An die werde er sich selbstverständlich halten, sollte er Bürgermeister werden. Doch bei allem habe die Schule (die zwei Grundschulen sollen im Gebäude der ehemaligen Hauptschule zu einer werden) für ihn „absolute Priorität“. Die Bauvorhaben möchte er zudem langsamer realisiert wissen als bisher geplant, „eventuell die Reihenfolge ändern“. „Die Gewerbetreibenden sollen sich erholen können“, nennt Reinke einen Grund und spielt auf die Belastungen bei Baumaßnahmen an – aber auch auf die durch Corona.

Vom Fahrrad aus denken

„Mehr Transparenz“ will er. Auf der Homepage der Gemeinde Altenberge müsse mehr informiert werden, „das passiert jetzt auf jeden Fall zu wenig“. Überdies müssten die sozialen Medien besser genutzt werden.

Stichwort Straßen: Reinke will „den Verkehr vom Fahrrad und vom Fußgänger aus denken“. Als Beispiel nennt er die Laerstraße oder die Borghorster Straße: Fahrradwege fehlten, statt derer gebe es parkende Autos.

Stichwort Geld: Als Ratsmitglied bekomme er nur ein Mal jährlich einen umfassenderen Einblick in die Gemeindefinanzen. Das reiche nicht. Er müsse sich einarbeiten. Sein Weg würde ihn nach der Begrüßung alle Mitarbeiter und Kollegen zuerst zum Kämmerer führen.

Stichwort Klimaschutz und Nachhaltigkeit: Von „existenziellen Themen“ spricht Reinke hier. Alle Entscheidungen müssten danach ausgerichtet werden, wie hoch der CO-Ausstoß wäre. Wie so etwas geht? „Das ist möglich“, ist er überzeugt. Die Stelle des Umweltbeauftragten will er wieder zu 100 Prozent besetzt wissen. Derzeit ist sie nur zur Hälfte ausgefüllt. Ein Begrünungs- und Beschattungskonzept hält Reinke für unerlässlich sowie die Entsiegelung von Flächen – „da, wo es möglich ist“. Der Grünenpolitiker: „Es gibt Straßen, die werden kaum befahren.“

Zukunftsversion

Als „Zukunftsvision“ bezeichnet Reinke die Idee, ein „Quartier der Generationen“ zu bauen mit Café, das auch ehrenamtlich betrieben werden könnte: für Familien, Integration, Bildung, den Bereich Ehrenamt – „eventuell auf dem Gelände der Johannesschule“.

  • Reinke lädt mittwochs von 16.30 bis 18 Uhr zur Sprechstunde auf dem Wochenmarkt ein.
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