Dr. Achim Detering und Birgit Laubrock sind Schiedsmann und Schiedsfrau
Konflikte haben nicht zugenommen

Altenberge/Nordwalde -

In Altenberge scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Schiedsmann Dr. Achim Detering musste im vergangenen Jahr nur ein Schlichtungsverfahren im Rathaus durchführen. Mehr zu tun hatte in 2020 Birgit Laubrock in Nordwalde, die das Amt der Schiedsfrau immer zusammen mit ihrem Kollegen Dieter Schnieders ausübt. Fünf Nachbarschaftsstreitigkeiten wurden verhandelt.

Sonntag, 10.01.2021, 18:24 Uhr aktualisiert: 10.01.2021, 18:30 Uhr
Dr. Achim Detering (Foto o.,2.v.r.) wurde Anfang Oktober 2017 als neuer Schiedsmann der Gemeinde Altenberge vereidigt. Damals waren Ordnungsamtsleiterin Ingrid Menden, der ehemalige Bürgermeister Jochen Paus und Richter Dr. Marc Büning (2.v.l.)
Dr. Achim Detering (Foto o.,2.v.r.) wurde Anfang Oktober 2017 als neuer Schiedsmann der Gemeinde Altenberge vereidigt. Damals waren Ordnungsamtsleiterin Ingrid Menden, der ehemalige Bürgermeister Jochen Paus und Richter Dr. Marc Büning (2.v.l.) Foto: vera/held

Ein heftiger Streit ist entbrannt. Beharrt jede Konfliktpartei auf ihrem Standpunkt, ist die Situation oft festgefahren. Wollen die Streithähne dennoch zu ihrem Recht kommen, droht die eine Seite der anderen oft mit Klage.

Doch ein Gerichtsverfahren ist oft teuer, und so ein Prozess kann sich über Jahre hinziehen. Bis dahin ist das Ergebnis offen. Unangenehm, wenn sich der Streit zwischen Nachbarn, Erben, Mieter und Vermieter oder in Trennung lebenden Ehepartner ewig hinzieht.

Nachbarn streiten

Wer zügig einen Ausweg aus so einem Konflikt sucht, kann über eine außergerichtliche Streitbeilegung nachdenken. In jeder Kommune übernehmen diese Aufgabe sogenannte Schiedsmänner oder Schiedsfrauen. In Altenberge versucht seit mehr als drei Jahren Dr. Achim Detering zusammen mit Thomas Haase derartige Konflikte zu lösen. Nordwalde hat sogar die häufig zitierte Quote erfüllt. Denn neben Rentner Dieter Schnieders ist seit Mai 2018 Birgit Laubrock als eine der selteneren Schiedsfrauen in diesem Amt tätig.

Corona-Pandemie

Auch während der Corona-Pandemie werden Schiedsamtstermine durchgeführt. Allerdings müssen bestimmte Regeln eingehalten werden. Die Sitzungen dürfen nur in geeigneten Räumlichkeiten durchgeführt werden, die insbesondere hinreichend groß sind, um jedenfalls den Mindestabstand zu gewährleisten. Eine regelmäßige Belüftung der Räumlichkeiten ist sicherzustellen. Es besteht die Verpflichtung, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, solange man nicht an seinem Platz sitzt. Das Schiedsamt ist aber nicht verpflichtet, solche bereitzustellen. Ein Mindestabstand von 1,50 Meter zwischen Personen, die nicht im selben Hausstand angehören, ist jederzeit einzuhalten. Der Bund Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen mit Sitz in Bochum jedenfalls rät aktuell davon ab, Schlichtungsverhandlungen durchzuführen.

Sowohl in Altenberge als auch in Nordwalde wurden im vergangenen Jahr die Corona-Bedingungen eingehalten. Deswegen versuchten beide Gemeinden, trotzdem die aufgetretenen Konflikte zu lösen. Vor allem, um im einen oder anderen Fall den Streit schnell zu schlichten, bevor dieser zu eskalieren drohte. In Altenberge allerdings scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Denn seit seiner Amtszeit habe es höchstens bis zu drei Fälle pro Jahr gegeben. „Im vergangenen Jahr war es nur ein Schlichtungsverfahren, das im Oktober im großen Sitzungssaal des Rathauses erörtert wurde. Der Streit ist noch nicht geschlichtet worden. Es geht Anfang dieses Jahres weiter“, führt Achim Detering aus.

Konflikte

Es sei wie so oft ein Konflikt unter Nachbarn, erläutert der Wirtschaftsmediator und IT-Projektleiter. Der 53 Jahre alte Schiedsmann lebt inzwischen in Münster-Nienberge. Aber mit Zustimmung aller zuständigen Stellen und Behörden darf er seine fünfjährige Amtszeit noch bis zum Ende für Altenberge ausüben.

Schiedsfrauen und -männer wirken nicht aktiv auf die verkrachten Menschen ein, sondern „wir versuchen, den zerstrittenen Parteien Wege zur Konfliktlösung aufzuzeigen“, unterstreicht Detering. Bei der Ausübung des Schiedsamtes gehe es primär nach dem Zitat des chinesischen Philosophen Konfuzius „Der Weg ist das Ziel“.

Schlichtungen

Ungleich mehr zu tun hatte im vergangenen Jahr Birgit Laubrock. Die 52 Jahre alte kaufmännische Angestellte übt das Amt der Schiedsfrau immer zusammen mit ihrem Kollegen Dieter Schnieders in Nordwalde aus. „Er war es auch, der mich vor zweieinhalb Jahren als neue Schiedsfrau ins Spiel brachte und bei der Gemeinde vorschlug“, unterstreicht Birgit Laubrock. Fünf Nachbarschaftstreitereien wurden im vergangenen Jahr verhandelt. Laubrock weiter: „Drei Konflikte wurden geklärt. Zwei Schlichtungen werden Anfang dieses Jahres fortgesetzt.“ Außerdem sei es ihnen gelungen, im Corona-Jahr acht sogenannte zwischen Tür- und Angelfälle zu lösen. Also Vereinbarungen, die ohne ein ausführlich formuliertes Protokoll auskommen.

Birgit Laubrock wird nach ihrer fünfjährigen Amtszeit noch eine dranhängen. „Jedes Streitschlichtungsverfahren motiviert mich. Das Amt der Schiedsfrau macht mir richtig Spaß“, hebt sie hervor und ergänzt, dass die Konflikte seit der Corona-Pandemie nicht zugenommen haben oder weniger geworden seien. „Obwohl jeder seltener vor die Tür geht, zu Hause bleibt oder sich mehr im eigenen Garten aufhält, sind die Fälle nicht mehr geworden. Vielleicht setzen die Menschen und ihre Nachbarn wegen des lebensbedrohlichen Virus andere Prioritäten oder sie warten mit einem Schlichtungsverfahren ab und wollen es nach überstandener Pandemie durchführen.“

 

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