Ausbildungssituation in ortsansässigen Unternehmen: Kommuniziert wird meist digital
Enger persönlicher Kontakt fehlt

Altenberge -

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie betreffen viele Ausbildungsbetriebe und Auszubildende. Ein wesentliches Problem ist die Unsicherheit, mit der sich Azubis und Unternehmen momentan auseinandersetzen müssen. So sind Großbetriebe wie Schmitz Cargobull oft gezwungen, neue Auszubildende digital zu finden. Kleinere Firmen in Altenberge hingegen haben ihre Azubis schon verpflichtet.

Mittwoch, 07.04.2021, 19:06 Uhr aktualisiert: 07.04.2021, 19:10 Uhr
Schmitz Cargobull hat noch freie Ausbildungsplätze.
Schmitz Cargobull hat noch freie Ausbildungsplätze. Foto: Schmitz Cargobull AG

Corona hat das Leben von allen komplett auf den Kopf gestellt. Die Pandemie hat erhebliche Auswirkungen auf das Lernen in Schulen und Universitäten. Auch die betriebliche Ausbildung ist stark betroffen. Viele Veranstaltungen rund um das Thema Ausbildung wurden beispielsweise im Laufe der vergangenen Monate abgesagt. Der ein oder andere Betrieb hat Probleme, seine freien Ausbildungsstellen zu besetzen.

Schmitz Cargobull beispielsweise hat durch die Pandemie große Schwierigkeiten, Nachwuchskräfte zu finden. „Der persönliche Kontakt zu den potenziellen Bewerbern, den wir zum Beispiel durch Ausbildungsmessen, Schulbesuche und Schnuppertage erreichen, fehlt uns jetzt. Normalerweise haben wir zu diesem Zeitpunkt den Großteil unserer Ausbildungsstellen besetzt“, sagt Markus Deiters , Leiter der gewerblich-technischen Ausbildung im Werk Altenberge. Derzeit sind noch Ausbildungsplätze frei.

Schmitz Cargobull stellt jährlich etwa 55 Auszubildende ein. Das Auswahlverfahren zu den verschiedenen Ausbildungsberufen findet unter Beachtung der Corona-Regeln statt. „Zum Glück haben wir unsere Einstellungstests vor einigen Jahren verändert, sodass die Bewerber bequem von zu Hause den Test absolvieren können.“ Bei Vorstellungsgesprächen sei frühzeitig umgedacht und es seien digitale Möglichkeiten hinzugezogen worden. „Damit die Bewerber und wir geschützt und die geltenden Verordnungen eingehalten werden können“, so Deiters.

Beim Beratungs-, Analytik- und Prüfunternehmen Wessling werden im Sommer acht Azubis an den Standorten Altenberge und Münster starten. „Wir stellen aufgrund der Corona-Pandemie damit nicht weniger Azubis ein als in vergangenen Jahren. Auch sind alle Stellen bereits besetzt“, sagt Pia Hustert , Pressesprecherin bei Wessling.

Der Unterricht findet für alle Jahrgänge aktuell ausschließlich online statt. Der schulische Praxisunterricht in den Laboren für die angehenden Chemielaborantinnen und Chemielaboranten kann derzeit nicht stattfinden. „Verständlicherweise führt das bei unseren jungen Kolleginnen und Kollegen zu Unsicherheiten, insbesondere auch mit Blick auf die Zwischen- und Abschlussprüfungen“, weist Pia Hustert darauf hin, dass es seitens der Schule noch viele Fragezeichen hinsichtlich Ort und Ablauf gibt.  „Unsere Ausbilderinnen versuchen daher bestmöglich aufzufangen, was in der Schule aktuell nicht stattfinden kann“, ergänzt die Pressesprecherin.

So werden im eigenen Azubi-Labor am Standort Altenberge etappenweise mit maximal ein bis zwei Personen die Praxisinhalte unter Beachtung der Corona-Maßnahmen nachgeholt und geübt. Pia Hustert: „Die Erfahrungen mit diesem Vorgehen sind bisher sehr gut.“

Im Autohaus Brömmler werden aktuell drei Auszubildende auf ihren späteren Beruf vorbereitet. Dort durchlaufen sie vor Ort nach dem dualen System alle prüfungsrelevanten Bereiche und werden von einem Ausbildungsbefugten, also Meister oder Betriebswirt, unterstützt und geleitet. „Im Moment erhalten auch unsere Auszubildenden nur Distanzunterricht“, ist Anne Brömmler aktuell nicht glücklich über diese Situation.

Die Ausbildung habe während der Corona-Pandemie an den Stellen gelitten, an denen Bereiche eingeschränkt geöffnet oder geschlossen waren. Der Austausch mit Auszubildenden aus anderen Betrieben fehle. Der Onlineunterricht vermittle eher nur Wissen, ermögliche aber nicht Lernen mit allen Sinnen. „Insbesondere nicht das soziale Miteinander“, setzt die ehemalige Berufsschullehrerin fort und ergänzt: „In unserem Betrieb sehe ich qualitativ im mechatronischen Bereich keinerlei Einschränkung in der Qualität der Ausbildung.“

Denn die Werkstatt sei durch die Systemrelevanz weitgehend weiter ausgebucht gewesen. Der Auszubildende im kaufmännischen Bereich hingegen habe sicherlich einige Dinge und Gespräche mit Kunden entbehren müssen. „Wir können ja nach wie vor nur sehr eingeschränkt agieren. Je nach Infektionsgeschehen haben wir auch geschlossen. Obwohl uns eine große Fläche zur Verfügung steht.“ Diese Fläche würde, bezogen auf die wenigen Kunden, kein Risiko darstellen, wenn das Geschäft kontinuierlich geöffnet sei, betont Anne Brömmler.

In den klassischen Bau-Handwerksbetrieben finden beispielsweise wichtige Lehrgänge noch unter Präsenzbedingungen statt. „Unser Azubi wird aktuell nur beim Blockunterricht der Berufsschule digital geschult. Ansonsten wird er in der Praxis unter Einhaltung der Hygieneregeln ausgebildet. Als Zimmerer ist man meistens an der frischen Luft und ist bei angebrachter Vorsicht vor einer Ansteckung ziemlich sicher“, erläutert Norbert Fieke vom gleichnamigen Holzbau-Betrieb, der in diesem Jahr einen weiteren Auszubildenden einstellen will. „Erfahrungsgemäß melden sich Interessierte bei den Handwerksbetrieben sehr kurzfristig“, weiß Norbert Fieke.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7905041?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F167%2F
Nachrichten-Ticker