Greven
Lehrer mit „Bombe“

Donnerstag, 14.02.2008, 14:02 Uhr

Greven . „Das in der weißen Bluse könnte ich ja sein.“ So ganz sicher ist Gertrud Meyer sich allerdings nicht, ob sie tatsächlich eines der Mädchen ist, das da Anfang der 1950er Jahre die Schulbank in der Bauernschaftsschule Aldrup drückt. Andere werden eindeutig identifiziert: „Das ist Karlchen Leifert, und da sind die Lieprecht-Jungs.“ Und auch an Fräulein Urff, der Lehrerin, erinnert man sich: „Von der habe ich noch die Todesanzeige“, sagt eine Zuhörerin.

Es wurde viel spekuliert am Mittwochabend in Ottos Museumskneipe, als Paul Kirschnick und Herbert Runde vom Arbeitskreis Bilddokumente des Heimatvereins mit modernster Technik alte Klassenfotos auf die Leinwand projizierten. Ist es Berkenheide oder Schiffels, der sich da als Lehrer mit „ Bombe “ auf dem Kopf unter die in schicken Matrosenanzügen gewandeten Quintaner der Rektoratsschule gemischt hat? Eindeutig zu erkennen ist Rektor Bussmann mit Melone, der, wie einige noch wissen, den Spitznamen „Busewitz“ trug.

Wer sich heute über zu große Klassen beklagt, wird vielleicht auch etwas kleinlauter. Unter 50 Jungens oder Mädels – natürlich fein säuberlich getrennt – sind höchstens auf den Bildern der Bauernschaftsschulen zu finden. Und dass neben den Köpfen der Rektoratsschüler bereits 1922 ein an die Wand geschmiertes Hakenkreuz prangt und dort auch in den Folgejahren zu sehen ist, gibt den Bildern noch einen zusätzlichen zeitgeschichtlichen Aspekt.

„Es ist schade, dass wir bei vielen Klassenfotos nicht wissen, wer und wo es ist“, beklagt Paul Kirschnick. Doch der Vortrag bringt zumindest etwas Licht ins Dunkel, schließlich haben einige der rund 40 Anwesenden zumindest die Lehrer noch in mehr oder weniger guter Erinnerung.

Über 100 Klassenfotos hat der Arbeitskreis zusammengetragen. „Das war unsere bislang beste Aktion überhaupt, wir hatten noch nie soviel Resonanz aus der Bevölkerung“, sagt Herbert Runde. „Eigentlich müsste man den Vortrag wiederholen, es kommen immer noch weitere Bilder“, ergänzt Kirschnick.

Derweil geht das Rätselraten in der Zuhörerschaft munter weiter, welche ehemaligen Wilhelmschüler sich auf dem Klassenfoto verbergen. Eindeutig zu erkennen ist nur das zeitlose Schild neben dem Eingang: „Verboten ist das Betreten des Schulhofes für nicht Berechtigte.“

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