Greven
Menschlichkeit im Mittelpunkt

Dienstag, 29.04.2008, 17:04 Uhr

Greven . Eine Revolution am Krankenbett? Ganz so plakativ möchten es Pflegedienstleiter Arne Hesselmann und Winfried Schürmann , Leiter der Intensivstation des Maria-Josef-Hospitals, zwar nicht formulieren. Aber eine weit reichende Veränderung ist es, die das Zertifikat dokumentiert, das Schürmann und Hesselmann am Eingang zur Intensivstation aufgehängt haben. In weißer Schrift auf blauem Grund prangt dort: „Angehörige jederzeit willkommen! Erster Schritt zur angehörigenfreundlichen Intensivstation.“

Warum sich Arne Hesselmann um dieses Zertifikat, das die Stiftung Pflege in Berlin vergibt, für die Intensivstation des Maria-Josef-Hospitals bemüht hat, ist in vier kleinen Worten erklärt: „Es passt zu uns“, sagt der Pflegedienstleiter und der Leiter der Intensivstation pflichtet ihm bei. „Das Zertifikat steht am Ende eines Prozesses, den wir seit einiger Zeit unabhängig von der Zertifizierung schon eingeleitet haben“, so Schürmann. Angehörige von intensiv betreuten Patienten werden nicht als Störfaktor angesehen, sondern ganz im Gegenteil: Ihre Anwesenheit gilt als wesentlicher Teil eines Pflegekonzeptes, das zur raschen Gesundung des Patienten beitragen soll.

Wie das ganz praktisch aussieht? Vorbei die Zeiten, in denen nur während knapp bemessener Zeiträume Angehörige Zutritt zu den Patienten hatten, und das ausschließlich in Schutzkitteln. Diese Hürden sind in Greven gefallen: Feste Besuchszeiten gibt es nicht. In der Schleuse zur Station können Angehörige ihre Garderobe ablegen, müssen aber (von medizinisch begründeten Ausnahmen abgesehen) keinen Schutzkittel überstreifen. Das Reinigen und Desinfizieren der Hände genügt. „Gerade im Hygienebereich hat es in den vergangenen Jahren viele neue Forschungserkenntnisse gegeben, die gezeigt haben, dass die Keime, die Besucher an ihrer Kleidung und an ihren Schuhen tragen, völlig unproblematisch sind“, erklärt Schürmann. „Die Krankenhausärzte selbst stellen für die Patienten überspitzt gesagt ein höheres Infektionsrisiko dar.“

Einher mit der „angehörigenfreundlichen Intensivstation“ geht ein Umdenkprozess in der Pflege allgemein. „Als ich vor 26 Jahren meine Ausbildung in der Krankenpflege begann, stand die Funktionspflege im Vordergrund“, blickt Winfried Schürmann zurück, und Arne Hesselmann, der ebenso lange schon im Krankenpflegebereich tätig ist, stimmt zu. „Ein Pfleger oder eine Schwester hat bei allen Patienten den Blutdruck gemessen, eine andere oder ein anderer kam zum Blutabnehmen.“ Daneben gab es nur wenige technische Überwachungsgeräte am Patientenbett.

Heute hat die Pflegewissenschaft erkannt, dass eine ganzheitliche Pflege, die den Patienten als Mensch in den Mittelpunkt stellt, ungleich effektiver ist. „So können wir als Pfleger ganz rasch Veränderungen beim Patienten wahrnehmen und die Ärzte in ihrer Arbeit unterstützen.“ Gleichzeitig hat die Medizintechnik riesige Fortschritte gemacht: Eine Vielzahl von Monitoren zusammen mit einem Kabelgewirr überwacht alle Körperfunktionen.

Und genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich die Intensivpflege heute, zwischen High tech und High touch. Während auf der einen Seite die „seelenlose“ Technisierung in der Intensivmedizin immer weiter voranschreitet, soll der Patient am Krankenbett ein Höchstmaß an Menschlichkeit und Zuwendung erfahren. Mit der „angehörigenfreundlichen Intensivstation“ wird dieser Spagat ein Stück erleichtert.

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