Greven
Verkaufe Wald – kaufe Naturschutz

Freitag, 25.04.2008, 17:04 Uhr

Greven . Eigentlich wäre es für die Waldbesitzer ein lukratives Geschäft. Jeder pflanzt ein paar Bäume in seinen Wäldern, verzichtet darauf, das Holz zu verkaufen, lässt es als gern gesehenes Naturschutzgebiet ausschreiben und kassiert dafür ab. Doch weit gefehlt. „Wir wollen es nicht so einfach machen als wenn man mit dem Schrotgewehr in die Luft schießt und dort, wo jede Kugel aufprallt, neuer Wald entsteht“, trat Theo Lintel-Höping vorzeitig auf die Bremse. Denn das Konzept, das hinter der Stiftung Naturschutz des Kreises Steinfurt steht, ist wohl bedacht.

Dabei ist das Problem ein alt bekanntes. Für jedes neu ausgeschriebene Gebiet, durch das Boden versiegelt wird, müssen Ausgleichsflächen angelegt werden. „Das geschieht meist im Verhältnis von 1:3“, erklärte Udo Schneiders , Geschäftsführer von der Stiftung Naturschutz, die sich im Jahr 2003 auf Kreisebene gegründet hat. Auf Einladung des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Greven stellten Schneiders und Lintel-Höping das Konzept den interessierten Waldbesitzern und Landwirten am Donnerstagabend in den Wentruper Bergen vor. Zusätzlich waren trotz Terminstresses einige Ratsmitglieder der Einladung gefolgt. „Das ist schon einmalig im Kreis Steinfurt“, meinte Lintel-Höping, dass das Konzept nicht im Ratssaal vorgestellt wurde. „Das habe ich in meinen 25 Jahren als Förster noch nie erlebt.“

Zur Aufgabe hat es sich die Stiftung gemacht, als Vermittler zwischen den Bauherren, die für die Ausgleichsflächen verantwortlich sind, und den Waldbesitzen, denen die nötigen Flächen zur Verfügung stehen, zu vermitteln. „Wir suchen uns gezielt Waldflächen aus, bei denen es sinnvoll ist“, sagte Schneiders. Denn es sei viel zweckmäßiger, minderwertigen Wald durch gezielte Untersuchungen aufzuwerten als bestehende Äcker umzufunktionieren. „Die Waldbesitzer verkaufen einen Teil des Waldes, kaufen dafür aber den Naturschutz“, brachte es Lintel-Höping auf den Punkt. Denn der Teil des Waldes, der durch Neubepflanzung aufgewertet wird, steht ab sofort unter Naturschutz und ist nicht mehr abholzbar. Dafür erhalten die Waldbesitzer Ausgleichszahlungen.

Für die Wentruper Berge liegen auch schon konkrete Pläne vor. „Da kann man was machen“, verkündete Schneiders. In 15 Teilgebieten in der Größenordnung von 1600 bis 20 000 Quadratmetern könnte der Wald durch Eichen und Birken aufgewertet werden. „Auf einer Skala von eins bis zehn, wobei sich der Wald aktuell bei ungefähr vier bis fünf befindet, wäre eine Aufwertung um drei Punkte möglich“, verdeutlichte Schneiders den Gewinn. Da man sich an die bestehende Vegetation halte, werde das für den Laien kaum sichtbar sein, sagte Lintel-Höping. Für andere Waldgebiete laufen ebenfalls die Vertragsverhandlungen mit den Besitzern, so dass die Stadt Greven bei Bedarf auf die Stiftung zurückgreifen könne.

Da das Projekt relativ jung ist und in Greven noch nicht umgesetzt wurde, ist das Ergebnis nicht absehbar. „Niemand kann heute sagen, dass es zum Erfolg wird“, betonte Hermann Holtmann von der Landschaftsbehörde.

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