Greven
Wasser, das vom Himmel kommt

Freitag, 11.04.2008, 15:04 Uhr

Greven . Hilfe, die im Sand versickert – Hubert Höflich hat sie gesehen, mit eigenen Augen, in dem kenianischen Dorf Windala etwa 120 Kilometer südöstlich von Nairobi: Ein verrottetes Pumpwerk an einem Deich, gut zwei Kilometer von dem Dorf entfernt, dem der pensionierte Lehrer mit seinem Brunnenprojekt helfen wollte. Rund 20 000 Euro haben Höflich und seine Freunde aus Hamm und Greven für dieses Projekt gesammelt. Doch seit einer guten Woche weiß Höflich: „Wir bauen keinen Brunnen in Windala.“ Zu groß ist die Sorge, dass die elektrische Pumpe rasch verrottet und auch hier nach kurzer Zeit Hilfe im Sand versickert.

Gemeinsam mit dem Wasserbauingenieur Clemens Beckmann , der seit über 20 Jahren für die Welthungerhilfe Projekte in Afrika betreut, haben die Höflichs mit ihren Mitstreitern Winnie und Frank Kölbel eine Alternative gefunden. „Eine Regenauffanganlage soll in den nächsten Wochen quasi als Pilotprojekt gebaut werden.“ Die zwei verlässlichen Regenzeiten in dieser hügeligen Region Kenias sollen die Anlage speisen. Das Wasser wird über das Wellblechdach eines Hauses in eine Regenrinne geführt. Von dort fließt das kostbare Nass in ein fünf Meter tiefes und zehn Meter breites Regenbassin. Gut verschlossen und geschützt vor Ungeziefer und Verdunstungsgefahr soll der Vorrat hier bis zur nächsten Regenzeit reichen.

Wasser ist ein rares Gut in dieser Region. Täglich legen die Frauen viele Kilometer zurück, um in Kanistern und auf Eseln das Wasser ins Dorf zu bringen. Ein steiniger Weg, der nach Höflichs Erfahrung sehr viel leichter sein könnte. Sie erlebten in dem Dorf, dessen Gäste sie eine ganze Woche waren, eine Nacht mit sintflutartigen Regengüssen. Der Lehrer wundert sich ein wenig über die Lethargie der Bewohner: „Wir sind aufgestanden, haben das Wasser in allen möglichen Behältnissen gesammelt. Die Menschen im Dorf hat das nicht interessiert.“

Von der Effektivität der einfachen Regenauffanganlage ist Höflich überzeugt. 100 Quadratmeter Dachfläche, so die vorsichtigen Berechnungen des Wasserbauingenieurs, werden dabei den Wasserbedarf einer 40-köpfigen Sippe sichern. Nutznießer ist zunächst der 84-jährige Dorflehrer Wells mit seinem Familienclan. Seine Enkelin Winnie Kölbel, die das Brunnenprojekt gemeinsam mit ihrem Mann in Hamm initiierte, hatte dem Großvater zunächst ein Haus geschenkt, das jetzt mit den entsprechenden Wassersammlungsrohren ausgestattet ist.

Hilfe zur Selbsthilfe ist auch für Hubert Höflich ein wichtiges Stichwort. Insofern haben die Helfer aus Greven und Hamm vor Ort die Arbeit und logistischen Leistungen zum Bau der Entwässerungsanlage koordiniert und in die richtigen Hände gelegt. Weil diese Art der Wassergewinnung deutlich preiswerter ausfällt, ist Höflich sicher, dass nach Fertigstellung des Pilotprojektes weitere Wassersammelanlagen von den Spenden gebaut werden können.

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