Greven
Schründer-Villa: Baustelle voller Schätze

Freitag, 27.03.2009, 13:03 Uhr

Greven - Was wohl der Architekt des Hauses, Casper Barkenberg, gesagt hätte, wenn er am Baustellenrundgang hätte teilnehmen können? Oder Bauherr Alfons Schründer, der die Fabrikantenvilla im Jahr 1904 errichten ließ? Beide jedoch können den heutigen Bauherren keine Ratschläge mehr geben. Man darf vermuten, dass sie zufrieden wären.

Derzeit bauen DRK und das Architektenbüro Schlüter das historische Gebäude mit der Adresse „Alte Bahnhofstraße 56“ um. Das Rote Kreuz trat den Schlüters Ober- und Dachgeschoss ab, diese sanieren im Gegenzug das ganze Haus - inklusive Unter- und Erdgeschoss des DRK. Eine halbe Million Euro werden dafür investiert.

DRK-Vorsitzender Egon Koling ist sicher, dass die Umbauarbeiten bis Ende Juni abgeschlossen sein werden. Ein Optimismus, den DRK-Schatzmeister Martin Eisenkopf sowie Claus und Bernd Schlüter teilen. Und alle sind überzeugt, dass am Ende etwas nicht nur funktionell Vorteilhaftes, sondern auch städtebaulich Sehenswertes herauskommt.

Stumme Zeugen einer glanzvollen Vergangenheit: Fassade, Stuckdecken, das prächtige Treppenhaus aus Eiche, alte Türen und selbst die Zaunanlage sehen unter Denkmalschutz - was die Baustelle zu einer besonderen macht. „Wir mussten uns langsam rantasten“, sagt Claus Schlüter. Ein mehr als 100 Jahre altes Haus hält eben so manche Überraschung bereit. Etwa diese: Im Obergeschoss waren die rund 3,50 Meter hohen Decken einen Meter abgehängt. „Mitten durch die Fenster, die Oberlichter waren blind“, sagt Bernd Schlüter. Und in die unteren Außenmauern war Feuchtigkeit gekrochen. „Schwarzanstriche kannte man 1904 noch nicht. Das haben wir nachgeholt“, sagt Bernd Schlüter. Aber auch positive Überraschungen gabs: So fanden die Architekten auf dem Dachboden alte Schindeln aus längst vergangenen Jahrzehnten, die nun für die Eindeckung des Dachstuhls reaktiviert werden.

Auch sonst soll alte Substanz erhalten, beziehungsweise wieder zum Vorschein gebracht werden. So manches kunstvolle Ornament verbrachte die letzten Jahre hinter einen tristen Trockenbauwand. Schätzen wie diesen wollen die Schlüter-Brüder wieder zu neuem Glanz verhelfen. „Gebäude von 1094 mit einer so guten Substanz gibts nicht viele“, schwärmt Claus Schlüter. „Hier lebt man mitten in einem Denkmal.“

Daran soll auch die Öffentlichkeit teilhaben, schließlich werden in den sanierten und neu strukturierten Räumen des DRK schon bald wieder Blutspendetermine und Seminare stattfinden.

Im Ober- und Dachgeschoss werden insgesamt vier MietWohnungen mit jeweils rund 100 Quadratmeter entstehen. Großzügige Domizile mit Flair, die auch für eine gewerbliche Nutzung in Frage kommen. Die Wohnungen sollen künftig über einen separaten Eingang erreichbar sein. Highlights der beiden Wohnungen unterm just wärmegedämmten Dach sollen von der Straße abgewandte Terrassen werden, die geschickt in den Dachstuhl integriert werden. „Spannend ist auch der besondere Ausblick Richtung Emsaue“, sind sich die Schlüters einig. „Das könnte nicht schöner sein.“

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