Greven
Von Spülmittel und Mineralwasser

Freitag, 20.03.2009, 08:03 Uhr

Greven - Es ist das wohl wichtigste Lebensmittel, das wir haben. Schließlich kommt ein Mensch nach 36 Stunden ohne es in eine lebensbedrohliche Lage. Seit Anfang der Woche diskutieren mehr als 20000 Teilnehmer aus 130 Staaten beim Weltwasserforum in Istanbul über die Zukunft des Wassers . Am morgigen Sonntag wird der Weltwassertag gefeiert. Fest steht: Die Zahl der Menschen, die keinen Zugang zu sauberem Wasser haben, wird immer größer. Experten rechnen mit immer mehr Auseinandersetzungen, die sich um den Zugang zu frischem Wasser drehen. Da leben die Menschen in Deutschland im Tal der Glückseligen.

Die Grevener Stadtwerke schöpfen das Trinkwasser aus der sogenannten Ur-Ems-Rinne, einem schier unerschöpflichen Reservoir an Wasser. Voraussetzung dafür ist aber, dass eine nachhaltige Wasserwirtschaft betrieben wird. „Wir dürfen nicht mehr Wasser entnehmen als auf natürlichem Weg wieder zurückfließt“, erläutert Christoph Glanemann , Betriebsleiter der Stadtwerke. 1,8 Millionen Kubikmeter Wasser - das sind 1800000000 Liter - entnehmen die Stadtwerke jährlich, 1,7 Millionen Kubikmeter davon werden verkauft. „Der Rest ist der normale Verlust durch die Aufbereitung“, erklärt Ralf Mues , Wassermeister und Rohrnetzmeister der Stadtwerke.

Denn mit dem einfachen Hochpumpen des Wassers aus der Ur-Ems-Rinne ist es nicht getan. Das Wasser aus den vier Brunnen in Herbern und den elf Brunnen in Wentrup muss zunächst gefiltert werden. Das Eisen und Mangan, das im Wasser enthalten ist, muss raus. Durch die vorherige Zugabe von Natronlauge, die dann aber ebenfalls wieder herausgefiltert wird, wird erreicht, dass das Wasser PH-neutral ist. „Unser Wasser hat hohe Werte an Kalzium und Magnesium“, sagt Ralf Mues. „Das hat fast Mineralwasser-Qualität“, fügt Glanemann nicht ohne Stolz hinzu.

Das Grevener Wasser hat aber auch ein Problem. Es ist sehr kalkhaltig. 21 Grad „deutsche Härte“ werden gemessen. Ein Wasser mit 13 bis 14 Grad deutsche Härte wird als weich bezeichnet, 16 bis 18 Grad sind normal. Den Kalk herauszufiltern - wie es in Emsdetten praktiziert wird - würde den Kubikmeter Wasser um etwa 15 Cent verteuern. Bei einem Preis von 1,44 Euro pro Kubikmeter eine ganze Menge. „Das macht für einen Vier-Personen-Haushalt immerhin 30 Euro pro Jahr“, rechnet Glanemann vor.

124 Liter Wasser verbraucht jeder Grevener durchschnittlich pro Tag. Tatsächlich sind das aber mehr (siehe Infokasten). Durchschnittlich pumpen die Stadtwerke 5000 Kubikmeter ins Leitungssystem, an Spitzentagen können es auch schon mal 7000 Kubikmeter werden. Am meisten verbraucht wird an Montagen. „Das scheint in Greven immer noch der Waschtag zu sein“, vermutet Glanemann.

Tendenziell ist der Wasserverbrauch rückgängig. „Als ich im Jahr 1994 bei den Stadtwerken anfing, lag der Verbrauch noch bei 148 Litern pro Tag und Kopf“, erinnert sich Glanemann. Der Rückgang sei auf moderne Maschinen (Geschirrspüler, Waschmaschinen etc.), verbrauchsgünstigere Toilettenspülungen, bessere Duschköpfe und ähnliches zurückzuführen.

Das meiste Wasser geht in Greven in die Privathaushalte. „Wir haben hier kaum Betriebe oder Unternehmen, die große Mengen an Wasser verbrauchen“, erklärt Mues. Die Kunden mit dem höchsten Wasserverbrauch sind das Krankenhaus und der FMO. „Da, wo viele Menschen zusammenkommen, wird eben auch viel Wasser verbraucht“, sagt Glanemann. Lediglich die Landwirtschaft ist auf das Wasser aus der Ur-Ems-Rinne nicht angewiesen. „99 Prozent dieser Betriebe haben eine eigene Wasserversorgung“, erläutert Mues.

Einen Großabnehmer haben die Stadtwerke aber doch: Das ist die Firma Luhns in Reckenfeld. „Dort wird viel Wasser für die Produktion von flüssigem Spülmittel benötigt“, erklärt Glanemann. Deshalb haben die Grevener Stadtwerke in Herbern Nord dafür einen extra Betriebsbrunnen erschlossen. In nicht weiter Entfernung pumpt ein Emsdettener Unternehmen das gleiche Wasser aus einem eigenen Brunnen. Dieses Wasser wird dann als Mineralwasser verkauft.

Und wie steht es um die Zukunft der Wasserversorgung in Greven? Reicht das Wasser auch noch für die nächsten Jahrzehnte oder Jahrhunderte? „Über einen so weiten Zeitraum kann man keine seriösen Prognosen erstellen“, erklärt Glanemann. Aber für die nähere Zukunft sei die Wasserversorgung gesichert. „Wir haben zum Beispiel in der Aldruper Mark noch ein großes Reservoir, das noch nicht erschlossen ist.“

Ein großes Problem für die Wasserversorgung wird aber künftig wohl immer dringender. Dabei geht es um die Beimischung von Stoffen im Wasser, die da nicht hingehören. Dies sind zum einen Nitrate, die durch die intensive Landwirtschaft in den Boden verbracht werden und in immer tiefere Schichten vordringen. Und das sind zum anderen Medikamente, Hormone, Antibiotika, die von Mensch und Tier ausgeschieden werden, aber in den Kläranlagen nur schwer oder gar nicht ausgewaschen werden können und somit in den Wasserkreislauf zurück gelangen.

Die Experten in Istanbul sind sich jedenfalls einig: Die Welt steuert auf eine veritable Wasserkrise zu. Greven wird davon sicher noch über Jahrzehnte verschont werden. Aber die Auswirkungen des Wassermangels in anderen Regionen werden wohl auch hier deutlich zu spüren sein. . . .

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