Greven
Claude Cuntz: „Es ist jeden Tag eine Freude“

Greven - Seit drei Jahren ist das „Atelier Alte Schule“ in Aldrup ein neuer Fixpunkt für Künstler, aber auch für Musiker und für Tänzer aus der Region. Das Konzept: In der ehemaligen Bauernschaftsschule hat die Malerin Claude Cuntz ihr Atelier...

Sonntag, 09.08.2009, 06:08 Uhr

Greven - Seit drei Jahren ist das „Atelier Alte Schule“ in Aldrup ein neuer Fixpunkt für Künstler, aber auch für Musiker und für Tänzer aus der Region. Das Konzept: In der ehemaligen Bauernschaftsschule hat die Malerin Claude Cuntz ihr Atelier, weitere Räume vermietet sie an interessierte Kunstschaffende. Workshops, Ausstellungen, Kunstfeste mit Musik und Tanz ergänzen das Programm. Am Montag beginnt wieder das traditionelle Sommer-Symposion. WN-Redakteurin Monika Gerharz sprach aus diesem Anlass mit Claude Cuntz.

Frau Cuntz, Sie haben die alte Aatalschule vor drei Jahren gekauft. Haben Sie es schon mal bereut?

Claude Cuntz: Ich habe nichts bereut, es ist jeden Tag eine Freude, es ist eine Bereicherung. Wir reden jetzt nicht vom Geld, ja? Das könnte man, aber das wollen wir mal nicht.

Sie wollten das Haus, das Ihnen gehört, mit anderen Künstlern teilen. Ist das Konzept aufgegangen?

Cuntz: Alle zehn Ateliers sind voll besetzt. Zehn weitere Künstler sind regelmäßig hier, und etwa 150 haben im Lauf dieser drei Jahre mitgewirkt.

Ursprünglich war die Aaschule nur zufällig in Greven, viele Künstler kamen aus Münster oder anderen Gemeinden. Hat sich das geändert?

Cuntz: Das hat sich sehr geändert. Wir haben vier Grevener Künstler im Haus. Seit der Aktion „Greven liest ein Buch“ weiß ich auch, dass das Grevener Publikum uns wahrnimmt. Bibliotheksleiterin Sigrid Högemann hat mich gebeten mitzumachen und gesagt: „Das Kunsthaus ist doch eine Institution in Greven.“ Da ist bei mir der Groschen gefallen, und ich habe begriffen: Da kann man wirklich was tun.

Wie sind Ihre Beziehungen zur Grevener Kunstszene, beispielsweise zum Kunstverein?

Cuntz: Zum Kunstverein haben wir eine freundliche Nichtbeziehung, könnte man sagen. Im nächsten Jahr machen wir zusammen mit der Tastenakademie, der Tanzbühne und mit Unterstützung von Geschäftsleuten ein großes Sommerfestival. Vielleicht wird dabei auch der Kunstverein mitmachen, wer weiß? Dass es bisher nicht mehr Kontakte gibt, ist vielleicht auch ein bisschen meine Schuld, weil ich am Anfang sehr nach Münster orientiert war. Aber wir haben sehr viele Besucher aus Greven.

Nächste Woche bieten Sie ein Sommer-Symposion an. Was erwartet die Besucher?

Cuntz: Wir wollen ein ganz breites Angebot machen, Bildhauer, Maler, eine Tuschemalerin, jemand, der Radierungen macht, haben zugesagt. Wer sich einfach mal ansehen will, was wir hier so treiben, der kriegt von mir eine Tasse Kaffee und kann sich umschauen. Wer bei einem der vielen Künstler, die während dieser Woche hier sind, lernen will, zahlt ein paar Euro und bekommt Unterricht. Morgen, am Sonntag, mache ich einen Eröffnungseintopf, und wer will, kann einfach vorbeikommen. Ich habe Musiker und Tänzer angesprochen, es wird wahrscheinlich Lyrik geben, vielleicht wird jemand Percussion-Instrumente mitbringen und die Gäste machen einfach mit. Abends wird erfahrungsgemäß viel diskutiert und viel gefeiert. Wir haben mit einem solchen spontanen Programm im vergangenen Sommer wunderbare Erfahrungen gemacht, und ich freue mich schon.

Sie und Ihre Kollegen arbeiten in der Aaschule. Gibt es auch im künstlerischen Sinne eine Schule? Gibt es gemeinsame künstlerische Auffassungen?

Cuntz: Nein, dafür sind wir viel zu sehr Individualisten.

Aber Sie befruchten sich im Austausch?

Cuntz: Das ist klar. Wir diskutieren intensiv über Kunst, wir philosophieren. Sehr anregend.

Hat sich Ihr persönlicher Stil verändert, seit Sie die Aaschule haben?

Cuntz: Nicht sehr. Vielleicht in den Farben, aber oft lande ich doch wieder bei meinem kühlen Blau. Und ich mache weniger Akt, mehr Portrait.

Was hat Ihnen die Aaschule, in die Sie ja auch viel persönliches Vermögen gesteckt haben, gebracht?

Cuntz: Viele Freunde, viele gute Bekannte, ganz viele Menschen, die ich gerne mag. Das habe ich nicht, wenn ich alleine zu Hause arbeite. Und ich liebe die Atmosphäre in diesem Haus. Gestern beispielsweise war ich ganz alleine da - in solchen Momenten genieße ich die Ruhe.

Wie sehen Ihre Pläne für die nächsten Monate aus?

Cuntz: In diesem Jahr stellen die Künstler des Hauses aus. Im Winter möchte ich gerne mehr Veranstaltungen und Vorträge anbieten, auch viel Musikalisches. Ich freue mich sehr auf ein Konzert mit der Pianistin Ingrid Purwins, und es wird auch Theater und Kabarett geben.

Ein Blick in die Zukunft: Wie wird das Atelier Aaschule in zehn Jahren dastehen?

Cuntz: Es hängt auch von meinen persönlichen Umständen ab. Aber ich hoffe, das Gebäude ist dann renoviert, hat neue Fenster, damit wir nicht mehr für die Vögel heizen. Ich hoffe, dass die Räume im Obergeschoss dann als Atelier zu nutzen sind und viele neue Künstler den Weg zu uns finden - und ich hoffe, dass wir bei den Grevenern noch bekannter sind.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/457690?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F168%2F699018%2F699123%2F
Inklusion an Gymnasien: Intransparenz ärgert Eltern
Am Schillergymnasium werden bereits seit acht Jahren Kinder mit Förderbedarf im Zuge der Inklusion unterrichtet, hier ein Foto aus dem Unterricht des ersten Jahrgangs.
Nachrichten-Ticker