Greven
PopArt-Ausstellung: Roter Tennisschläger als Lollypop

Freitag, 19.02.2010, 15:02 Uhr

Greven - Weder Warhol noch Lichtenstein, weder Rosenquist noch Indiana und auch nicht Ramos oder Rauschenberg haben die Pop-Art aus der Taufe gehoben. Zwar zählt dieses Künstler-Sextett heute wohl zu den bekanntesten Protagonisten dieser populären Kunstrichtung , doch verwurzelt ist diese Genre im „good old england“.

Für den Grevener Künstler und Kunsthistoriker Dr. Martin Dziersk markiert eine Collage von Richard Hamilton aus dem Jahr 1956 die Geburtsstunde der Pop-Art. Anders allerdings als landläufig kolportiert, zieht die ihren Namen keineswegs aus dem Wortstamm populär.

„What is it, that makes todays homes so different, so appealing“ lautet der etwas schwergängige Titel dieses Schlüsselwerks der Popart. „Schneller, höher, weiter, sexier - da tauchen alle Themen der modernen Welt auf“, interpretiert Dziersk die Collage. Der Künstler, Lehrer und Kunstexperte wird am 28. Februar in die große Pop-Art-Ausstellung im Ballenlager einführen.

Natürlich fließt auch das Thema Werbung auf mannigfaltige Weise in diese Collage ein. Da kontrastiert der Dosen-Schinken mit dem nackten Oberschenkel der Sofa-Diva und ein die Blöße des splitternackten Hauptprotagonisten bedeckendes Detail gerät zum Dreh-und Angelpunkt der Pop-Art. Ein roter Tennisschläger als Scham bedeckendes Lorbeerblatt? „Nein“, widerspricht Dziersk. „Das ist ein Lollypop.“ Dank dieses Lutschers ist die Pop-Art geboren.

Den Begriff Pop-Art prägte in Folge der Kunstkritiker Laurence Alloway, der wie Collagen-Künstler Hamilton der Künstlertruppe „Independent Group“ angehörte. Alloway war es dann auch, der die Pop-Art von der alten in die neue Welt exportierte.

„Werbegrafiker und Fassadenmaler wurden dann zu den wichtigsten Protagonisten dieses Genres“, erläutert Dziersk den Siegeszug der neuen Richtung, die sich geradezu als Gegenbewegung der abstrakten Kunst empfand, deren Hauptvertreter in den 50er Jahren Jackson Pollock war. Andy Warhol wird rasch zu einer Ikone dieser Kunstrichtung. Sein Start in die Comic-Welt (Mickey Mouse) ist indes nur von kurzer Dauer, räumt er da doch das Feld für den Kollegen Roy Lichtenstein. Warhol präsentiert lieber das Alltagsleben in voller Bandbreite. Er schiebt die strikte Trennung zwischen der musealen Hochkultur und dem Alltag zur Seite. „Alles kann Kunst sein“, zitiert Dziersk den großen Pop-Art-Meister. Banalstprodukte, die zudem noch wie Warhols Suppendose den seriellen Siegeszug antreten, kontrastieren mit handgemachten Ölschinken.

Roy Lichtenstein bedient sich vor allem des Comic-Mediums. Klischeehafte Motive vergrößert der Pop-Artist bis in die einzeln erkennbaren Rasterpunkte. Monet, Picasso, immer wieder zitiert Lichtenstein die großen Künstler. Weitere wichtige Vertreter der Pop-Art sind für Martin Dziersk Mel Ramos und Robert Rauschenberg, der in seinen „Combine Paintings“ die Alltagsgegenstände in herkömmliche Kunstformen einbaut.

Die Bedeutung der Pop-Art findet bei Dziersk eine durchaus kritische Würdigung. Das Postula, das alles Kunst sein könne, habe letztlich auch zu einem unheimlichen Wildwuchs geführt.

„Das öffnet Scharlatanen Tür und Tor.“ Und auch die Interpretation von einer stark sozialkritischen Ausagekraft der Kunstform mag Dziersk nicht unbedingt teilen. Verkannt werden dürfe letztlich auch nicht der kommerzielle Aspekt der Pop-Art, den der Grevener Experte an einer tradierten Warhol-Anekdote erläutert.

Da soll Andy Warhol seinen Kunstagenten gefragt haben: „Was soll ich jetzt noch machen?“ Der Agent antwortete: „Was du am liebsten machst.“ Andy: „Dollarscheine.“ So entstand die Serie über Dollarscheine, die heute viele Millionen Dollar wert ist.

» Die Pop-Art-Austellung findet vom 27. Februar bis zum 14. März im Ballenlager statt. Sie wird organisiert von Galerist Hans-Georg Hundol in Zusammenarbeit mit Kunstverein und Kulturinitative. Hauptsponoren sind die Kreissparkasse, die Stadtwerke, Provinzial Weber sowie Drees und Fiege. Medienpartner sind die Westfälischen Nachrichten.

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