Greven
Thema noch immer aktuell

Donnerstag, 23.09.2010, 16:09 Uhr

Reckenfeld - An ein anspruchsvolles Stück, das zwar schon 1891/92 geschrieben wurde, an dessen Aktualität sich aber bis heute nicht geändert hat, hat sich jetzt eine Jugendgruppe der Freilichtbühne Reckenfeld außerhalb des regulären Spielplans heran gewagt

In der 1890/91 entstandenen Kindertragödie „Frühlings Erwachen“ thematisiert Frank Wedekind die pubertären Nöte von Jugendlichen um die Jahrhundertwende.

Thematischen Kern des Trauerspiels bildet der Konflikt zwischen bürgerlichen Wertvorstellungen und naturhaftem Sexualtrieb. Statt den jugendlichen Protagonisten in ihrer verwirrenden Gefühlslage beiseite zu stehen, begegnet die bürgerliche Gesellschaft den jungen Leuten mit Verständnislosigkeit, Härte und Engstirnigkeit. Die Kinder werden durch veraltete Erziehungsmaßnahmen völlig von ihrer eigenen Natur entfremdet.

Zwei der Protagonisten gehen tragisch zu Grunde: Der geistesorientierte, selbstzerstörerisch veranlagte Moritz hält dem Leitungsdruck nicht mehr stand, den Elternhaus und Schule auf ihn ausüben, wird von der ständigen Entfremdung zwischen Leib und Kopf in den Selbstmord getrieben.

Wendla wird eine fatale Lüge der Mutter zum Verhängnis. Unfähig, ihre vierzehnjährige Tochter aufzuklären, entbindet diese das Mädchen von jeglichem Gefahrenbewusstsein, indem sie ihm die Fähigkeit, ein Kind zu gebären abstreitet. Wendla lässt sich von Melchior zum Beischlaf verführen und stirbt wenig später an den Folgen einer Abtreibung.

Dazu einige Gedanken von Yvonne Grüner als Regisseurin und Theaterpädagogin zum Stück und zur Arbeit mit den Jugendlichen: „Es war ein langgehegter Wunsch der Jugendgruppe, außerhalb der laufenden Produktionen rund um Freilichtbühne und Wintertheater ein eigenes Stück präsentieren zu können und somit bin ich mit dem Vorschlag an die Gruppe herangetreten, Wedeskinds ,Frühlings Erwachen“ zu spielen. Obwohl es bereits vor 1900 geschrieben wurde, zeigt es noch immer in sehr klarer und offener Weise die Sorgen und Ängste von Jugendlichen auf, die sich bis heute nur geringfügig verändert haben. Weiterhin wird das Erwachsenwerden, die erste Liebe und die Auseinandersetzung mit den Eltern thematisiert.

Wir stellen zum einen das Stück dar, zum anderen übertragen wir zum Teil das, was Wedekind für die damalige Jugend als wichtig erachtet hat in die Gegenwart.

Die Jugendlichen haben selbst entschieden, wer die entsprechenden Rollen spielen soll, haben an dem Texten mit gearbeitet und Lea Bröker steht mir als Jugendgruppenmitglied und Regieassistentin zur Seite.

Neben den Jugendlichen spielen drei Erwachsene mit (Fiet Krause, Stephie Krause, Viola Niepel), die Inszenierung ist auf die Mensa der ehemaligen Hauptschule zugeschnitten und ich kann nur Positives berichten: Die Jugendlichen sind sehr engagiert, setzen sich mit dem Thema des Erwachsenwerdens auseinander und freuen sich auf jede Probe. Wir hoffen sehr, dass die Zuschauer den ungewöhnlichen Spielort für die Freilichtbühne annehmen und zahlreich erscheinen werden.“

Aufgeführt wird „Frühlings Erwachen“ am Freitag,       29. Oktober, um 20 Uhr, am Montag, 1. November, um 17 Uhr, am Freitag, 5. November, um 20 Uhr, am Samstag, 6. November, um 20 Uhr und am Sonntag, 7. November, um 17 Uhr. Kartenreservierungen: ' 025 75/15 66 oder Mail an fbgreven@gmx.net

» Weitere Informationen: reckenfeld-freilichtbuehne.de.

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