Greven
Unterirdisches drängt nach oben

Sonntag, 12.09.2010, 17:09 Uhr

Greven /Kreis Steinfurt - Zwei Kaltblut-Pferdestärken statt 300 Traktoren-PS und ein kleiner Junge am Pflug: Da wurde es Kreis-Landwirt Hermann Borchert ganz warm ums Herz: „So habe ich das noch als Kind kennengelernt; solche Pferde sind schon ganz besondere Tiere.“ Die Nostalgie-Demonstration in Sachen „Bodenbearbeitung früher“ war indes nur eine von vielen Attraktionen, die es gestern beim großen Boden-Aktionstag auf den Grevener Emswiesen zu erleben gab.

Originell und informativ zugleich: Das Bodenkino im stilechten Stroh-Saal. Dr. Gerhard Laukötter vom - gemeinsam mit dem Kreis und dem WLV - Veranstalter Natur- und Umweltschutzakademie NRW, übertrug live und in Farbe das Geschehen aus ein paar Quadratzentimetern Boden auf eine große Leinwand - und freute sich tierisch über den seltenen „Pseudoskorpion“, den er da entdeckt hatte. Beim „Grashüpfermobil“ und im Umweltbus „Lumbricus“ konnte man per Mikroskop verblüffende Einblicke in die Welt unter unseren Füßen gewinnen. Die Landwirtschaftskammer demonstrierte, wie eine nachhaltige Bodenwirtschaft funktioniert; der Künstler Karl-Heinz Böttcher zeigte seine Bodenprofil-Bilder, die abstrakten Gemälden ähneln und doch ganz „natürlich“ sind. Kinder durften selber Kartoffeln aus der Erde buddeln, das Mais-Labyrinth lud zum sich-verirren ein, Behörden und Stadtwerke stellten sich vor, natürlich auch die Naturschutzverbände NABU , BUND und ANTL, außerdem Komposthersteller, Stadtwerke, ein Bio-Bauernhof, der Geologische Dienst NRW ebenso wie die „Arbeitsgemeinschaft der Abbaubetriebe in der Bergbauregion Ibbenbüren“. Sand, Kies, Ton und Kalk: Der Boden im Kreis hat mehr Rohstoffe zu bieten, als man gemeinhin denkt. „Sie haben heute bestimmt den größten Zulauf“ flachste Landrat Thomas Kubendorff beim obligatorischen Rundgang über das Gelände - denn mittlerweile hatte es angefangen zu regnen und die Arbeitsgemeinschaft verfügte über eines der größten Zelte auf dem Gelände.

26 Info- und Mitmach-Stände hatte der Aktionstag aufzubieten - leider verhinderte das regnerische Wetter gestern den ganz großen Publikumserfolg. Doch Gelegenheit, das Thema Boden weiter zu vertiefen gib es noch bis zum 19. September im Rahmen der „Bodenwoche“, die mit dem gestrigen Aktionstag eröffnet wurde. In fast jeder Kommune im Kreisgebiet werden dazu Führungen, Exkursionen oder Vorträge angeboten, ja sogar eine poetische Annäherung an das Thema ist vorgesehen. Zentral auch: der bereits dritte Kongress „Boden.Schutz“ am Donnerstag in Stroetmanns Fabrik in Emsdetten. Das ausführliche Programm der Bodenwoche ist auf der Internet-Seite des Kreises unter www. Kreis-Steinfurt. de nachzulesen.

In seiner Eröffnungsrede betonte Landrat Thomas Kubendorff, dass ein Flächenverbrauch von 5000 Quadratmetern pro Tag im Kreis Steinfurt entschieden zu hoch sei: „Das ist zu viel, da müssen wir runter“. Es gebe noch viel Aufklärungsbedarf - die Bodenwoche sei ein „absolut unverzichtbarer Beitrag“ dazu.. Hans Josef Düwel als Vertreter des Düsseldorfer Umweltministeriums lobte die Vorreiterrolle, die der Kreis Steinfurt bei vielen Umweltthemen übernommen habe. Auch er kritisierte den Flächenverbrauch von täglich 21 Fußballfeldern in NRW und wandte sich gegen die vielerorts praktizierte Bauland-Politik: „Mehr Fläche für Einfamilienhäuser führte früher auch zu mehr Einwohnern und Einnahmen. Das stimmt heute nicht mehr“. Die Baulandpolitik dürfe keine Entwicklungsstrategie für Kreise oder Städte mehr sein. Verdichtetes Bauen und die Reaktivierung von Brachflächen seien dagegen erfolgsversprechende Konzepte, die seit 2006 in der „Allianz für die Fläche“ ausgearbeitet würden und zu deren 35 Mitglieds-Institutionen ja auch der Kreis Steinfurt gehöre.

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