Greven
Eine Lehrstunde lebendigen Musizierens

Dienstag, 02.11.2010, 15:11 Uhr

Greven - Eine glanzvollere Eröffnung der Konzertsaison 2010/2011 der Aulakonzerte hätte man sich nicht wünschen können: Mit Lise da la Salle war eine junge französische Pianistin nach Greven gekommen, die längst schon zu den bedeutendsten Vertretern ihres Faches gehört. Sie wird von der internationalen Fachpresse gelobt, feiert weltweit Erfolge in allen künstlerisch bedeutsamen Metropolen. Solch eine Künstlerin zusammen mit der „Camerata Baden-Baden“ unter der einfühlsamen Leitung von Karl Nagel zu hören war schon ein beeindruckendes Erlebnis.

Da spielte eine junge Meisterin vor einem aufgeschlossen lauschenden Publikum. Sie begann mit dem „Konzert Nr. 2 c-Moll op. 37“ von Ludwig van Beethoven, einem Meilenstein der Instrumentalkonzerte. Vor über 30 Jahren hat Bernhard Puschmann dieses „Konzert für Klavier und Orchester Nr.2 c-moll“ zusammen mit dem Sinfonieorchester Münster gespielt. Seine Begeisterung für das Spiel der jungen Französin kann man nur teilen, selten hat man dieses äußerst schwierig zu interpretierende Werk so brillant und mitreißend gehört. Bereits in den ersten Takten nach der Orchestereinleitung zeigte Lise da la Salle ihre Qualitäten, ihre exquisite Anschlagskultur verband sie mit ganz klaren künstlerischen Gestaltungsvorstellungen. Dramatisch und zupackend brachte sie den ersten Satz, zeigte sich auch das Orchester mit sehr differenzierter Spielweise im Dialog mit der Solistin von seiner besten Seite.

Bei dem lyrisch bestimmten langsamen Satz erreichte sie sicherlich die Herzen aller, bewegte mit ihrem sehr leidenschaftlichen Spiel. Was sie an Temperament und Spielfreude dann im schnellen Rondo-Satz zeigte, war wie eine Lehrstunde lebendigen Musizierens. Da stimmte jedes noch so kleinste Detail, wurde jede Phrase perfekt mit dem Orchester übereinstimmend gespielt. Im Spiel der Instrumentalgruppen mit der Solistin offenbarte sich die ganze Schönheit dieses Konzertes.

Nach solch einem emotionsvollen Werk umschmeichelte das Orchester zuerst einmal die Ohren der Zuhörer mit einer weniger dramatischen Komposition. Die „Sinfonie Nr. 96 D-Dur“ mit dem Beinamen „Le Miracle“ war bei solch stimmiger Spielweise natürlich eine Bereicherung, erklang mit Kunstfertigkeit und werkadäquatem Klangempfinden. Die Musizierfreude des Orchesters übertrug sich, ließ man sich von dem warmen und sehr facettenreichen Orchesterklang mitreißen. Besonders im „Andante“ und dem „Menuetto“ gelangen wunderbare Momente meisterhaften Spiels.

Danach konnte Lise de la Salle eine ganz andere Seite ihrer Künstlerpersönlichkeit zeigen. Das „Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 A-Dur“ von Franz Liszt gehört nicht nur spieltechnisch zu einem der schwierigsten Werke. Seine einzelnen Teile zeigen jeweils eine ganz andere musikalische Klangwelt, gehen direkt ineinander über. In weicheren Farben gehalten erscheint es fast aus der Bewegung geboren. Tiefsinnige Harmoniewendungen und große charakterliche Gegensätze wurden von der Pianistin meisterhaft umgesetzt zu einer mitreißenden Interpretation. Sie gab dem Werk eine Klangfärbung, die dann vom Orchester in seinen Partien nachgezeichnet wurde. Im Dialog reagierte die Pianistin auf kleinste Veränderungen, besonders schön wirkte dabei das innige Gegenspiel von Klavier und Cello. Zwischen Geheimnis und Offenbarung angelegt zeigten sich hier Schönheiten in jeder Passage. Mit seinen in Musik freien Gedanken wurde dieses selten zu hörende Klavierkonzert zu einem Musikgenuss der Extraklasse.

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