Greven
Spiel mit dem Wind

Freitag, 26.11.2010, 17:11 Uhr

Greven - Peter Schellhove ist die Ruhe selbst. Alles, was er macht, geht ihm wie selbstverständlich von der Hand. Er ist ein Virtuose, spielt mit der Klaviatur des Windes. Er steigt, er fällt, er dreht, wird schneller, bremst ab. Er flirtet mit dem Wind, er macht ihn sich zum Freund, benutzt ihn für seine Zwecke. Er ist routiniert, hat mehr als 1450 Fahrten hinter sich. Doch seinen Augen ist immer noch die Faszination anzusehen, die Freude am Tun. Er ist Ballonfahrer, er fährt aus Profession, aus Hobby, aus Leidenschaft.

Ballon auspacken, Ballon aufrüsten - das geht mit Unterstützung der Helfer ruck-zuck über die Bühne, jeder Handgriff sitzt. Die Stoffhülle entrollen, den Wind hin­einpacken lassen, den Ballon aufblasen, die Hitze hineinpusten, den Ballon aufstellen - alles tausend mal gemacht, Routine eben.

Doch dann der Augenblick, wenn sich der Korb langsam in die Lüfte hebt, der Boden unten wegzuschweben scheint. Die Augen strahlen, der Mann genießt, die Freiheit, die Natur, die schwindelnde Höhe, die scheinbare Leichtigkeit. Und er spielt, spielt mit dem Wind, der ihn unterstützen soll in dem, was er tut.

Der Wind setzt Grenzen, aus die er den Ballon und seinen Fahrer nicht herauslässt. Doch der Wind lässt auch Raum, in dem Schellhove mit der Naturkraft spielen kann. Ein guter Ballonfahrer ist, wer diesen Spielraum zu nutzen weiß, die Nuancen kennt, der weiß, in welcher Luftschicht der Wind sein Freund ist. Hier ein bisschen mehr anheizen, den Griff ziehen, der die grell fauchenden Flammen in die Hülle schickt. Dort warten, warten bis es zu spät scheint und doch genau richtig ist.

Und dann nur noch schweben, wohin ist eigentlich egal. Zuerst der Wunsch nach Orientierung, der Wunsch, die Heimat von oben zu erkennen. Wo ist das Haus, wo führt die Straße hin, wer ist dort zu Hause? Das Schachbrett der Felder fasziniert und verwirrt. Doch dann das Gefühl der Ruhe, der Schwerelosigkeit, des Schwebens, ohne Ziel, ohne Weg, ohne wohin. Einfach so, weit über der überwältigenden Natur des Münsterlandes.

Menschen sind winzig, Häuser gar Spielzeuge, die Hunde bellen und wissen nicht, was das da oben ist. Wolken wirken nah und gleichzeitig weit weg. Die Sonne ist der Nachbar, das Windrad ein Stäbchen.

Zeit zum Träumen, zum Genießen, zum Ausflug in eine leichte, wunderschöne Welt. Nur der Strom, der holt zurück, der macht Schellhove Angst. „Strom bedeutet Tod für uns.“ Virtuos lässt er den Ballon steigen, umschifft die Gefahr, die von oben doch so harmlos wirkt.

Dann geht es langsam zurück, zurück in das Hier und Jetzt, zurück aus dem Himmel, zurück auf den Boden. Hier ein bisschen Gas mehr, dort ein bisschen weniger, der Korb setzt auf - es ist vorbei, das Spiel mit dem Wind. Alles weitere ist wieder Routine. Die riesige Hülle wird zum Häufchen Stoff, der Korb, der Halt geboten hat, verschwindet im Anhänger, der Boden beendet den Himmel.

Aber der Wind - der bleibt Schellhoves Freund. Mit dem wird er bald wieder virtuos spielen . . .

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