Greven
Bakterien mit Atemnot

Montag, 10.01.2011, 20:01 Uhr

Schmedehausen - Die Teichkläranlage in Schmedehausen hat ein Problem - und das vor allem im Winter. Wenn bei Frost eine Eisschicht das Wasser bedeckt, wird der Sauerstoffaustausch über die Wasseroberfläche empfindlich gestört. Den Sauerstoff brauchen aber die Bakterien , die biologisch die Schadstoffe im Abwasser abbauen sollen. „Kommt weniger Sauerstoff bei ihnen an, können die Mikroorganismen ihre Arbeit nur noch unvollkommen verrichten, und die sonst übliche Wasserqualität am Ablauf wird nicht mehr erreicht,“ sagt Dietmar Beinker , beim Bau- und Entsorgungsbetrieb zuständig für die Entwässerungs- und Kanalplanung.

Und Abwassermeister Josef Averbeck ergänzt: „Die Teichkläranlage in Schmedehausen, die 1985 als Pilotprojekt des Landes in Betrieb ging, ist nicht mehr auf dem aktuellen Stand der Technik. So werden Stickstoff und Phosphat nur zum Teil aus dem Abwasser entfernt, was seinerzeit auch nicht gefordert war.“

Konsequenz: Der Kreis Steinfurt als Aufsichtsbehörde hat jetzt festgelegt, dass die Anlage in dieser Form nur noch fünf Jahre betrieben werden darf. Sie reinigt das Abwasser von rund 170 Schmedehausener Bürgern sowie das Abwasser der Tankstelle und zweier Toilettenanlagen an Autobahnraststätten. Vom Einlauf gelangt das Abwasser zunächst in ein abgeteiltes Becken, in dem sich der Schlamm absetzt. Dann durchfließt es drei Teiche, in denen Bakterien mit Hilfe von Sauerstoff die Schadstoffe abbauen. Beinker: „Der Sauerstoffaustausch ist bei einer Eisdecke erheblich gestört. Das beeinflusst wiederum negativ die Parameter des gereinigten Abwassers, das über den Ablauf in den Eltingmühlenbach gelangt. Der Gesetzgeber schreibt uns jetzt vor, Maßnahmen zu ergreifen, um die Wasserqualität zu verbessern.“

Was kann die Stadt tun? Josef Averbeck: „Wir können die Kläranlage umbauen, mit der benachbarten Kläranlage für die Siedlung am Franz-Felix-See zusammen- legen ober das komplette Mischwasser aus Schmedehausen zur Grevener Kläranlage pumpen. Letzteres wäre jedoch mit großem Aufwand verbunden, weil große Menge Abwasser anfallen.“

In diesem Jahr startet der Bau- und Entsorgungsbetrieb zunächst einmal eine aufwendige Messreihe von Abwasserwerten. Ein Ingenieurbüro wird dann beauftragt, sich Gedanken zu den gewonnenen Daten zu machen und geeignete Vorschläge zu neuen Lösungswegen zu unterbreiten. 2012 könnte dann die Planung beginnen, 2013 die Genehmigung vorliegen und 2014 die Umsetzung erfolgen - wie auch immer. Auf mögliche Kosten angesprochen winkt Dietmar Beinker ab: „Um dazu etwas sagen zu können, muss zumindest eine konkrete Planung auf dem Tisch liegen. Eine Aussage dazu zu machen, das wäre im Moment so, als ob man im Nebel stochert.“

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