Greven
Eine Institution ist Geschichte

Dienstag, 22.02.2011, 17:02 Uhr

Reckenfeld - Das alte Café Schulz , früher eine Institution in Reckenfeld, ist Geschichte. Gestern begann der Bagger mit dem Abriss im hinteren Teil des Gebäudes, nachdem das Haus entkernt worden war. Wie bereits berichtet, wurde die alte Bäckerei mit Café an eine vierköpfige Investorengruppe verkauft, die an gleicher Stelle den Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses plant. Damit wollen die Investoren ein Zeichen für die Neugestaltung der Reckenfelder Ortsmitte setzen und andere Investoren ermuntern, auf diesen Zug aufzuspringen. Im Erdgeschoss über der Tiefgarage sollen drei bis fünf Ladenlokale entstehen. Dazu kommen etwa zwölf Wohneinheiten in einer Größe von 60 bis 90 Quadratmetern. Das benachbarte Wohnhaus Schulz wurde nicht veräußert.

Das markante Haus an der Bahnhofstraße prägt auch heute noch die Ortsmitte. Es wurde Ende der 20er/Anfang der 30er Jahre erbaut und dann mit den Geschäftsräumen verbunden. Besitzer der gesamten, ehemals bebauten Fläche war der Bäckermeister Wilhelm Schulz, der das Grundstück am 15. September 1958 über die Stadt Greven von der Kreissiedlungsgesellschaft gekauft hatte. Die Stadt Greven war insofern an den Verhandlungen beteiligt, als sie Rechtsnachfolger der besagten Siedlungsgesellschaft war, die sich allerdings noch in der Auflösung befand und erst im Jahr 1964 gelöscht wurde.

Verkaufen konnte nur die Siedlungsgesellschaft, die Stadt saß aber als „stiller Teilhaber“ bereits mit am Tisch. Bei den Verhandlungen ging es um ein Grundstück von 521 Quadratmetern, das mit einer Bäckerei und dem Ladenlokal bebaut wurde. Das angrenzende Wohnhaus hatte Wilhelm Schulz bereits vorher gekauft.

Dieses Wohnhaus wurde in den ersten Siedlungsjahren Reckenfelds gebaut und gehörte dem Pensionär Martin Kleemann , der auch in der von Heinrich Jankord im Jahre 1935 herausgegebenen Übersicht über bebaute Flächen als Eigentümer eingetragen wurde. Außerdem geht das auch aus dem Kaufvertrag hervor, in dem es heißt: „Die beteiligten Grundeigentümer tauschen zum Zwecke der Grundstücksbereinigung im Zuge der Erstellung des Dorfplatzes in Reckenfeld mit den dazu gehörigen Straßenveränderungen in Erfüllung mündlicher Vereinbarungen aus früherer Zeit, wobei seitens des Herrn Schulz dessen dritter Rechtsnachfolger, Herr Martin Kleemann, beteiligt war“ Im Zusammenhang mit dem Hausbesitzer Martin Kleemann ist an anderer Stelle des Kaufvertrages auch noch von einer Verwaltungsangestellten Leni Wohlert die Rede, von der Wilhelm Schulz den ganzen Bestand erworben hat.

Martin Kleemann besaß auch am Eingang der heutigen Lippestraße ein Haus, das er mit seiner Frau bewohnte. Das Wohnhaus am Dorfplatz nutzte dagegen sein Bruder mit einem Frisiersalon. Nach dem Krieg und nach Ende des DP-Lagers mietete der vielen alten Reckenfeldern noch bekannte Christian Geitz die Räumlichkeiten und eröffnete hier ein Textilgeschäft, das er Mitte der 50er Jahre mit einem Wechsel nach Münster aufgab.

Die Besitzung Schulz hat also schon im frühen Reckenfeld Geschichte geschrieben. Die Ära ist jetzt vorbei. Mit dem Abbruch des gewerblich genutzten Hauses wurde die Voraussetzung für ein modernes Wohn- und Geschäftshaus geschaffen. Die Reckenfelder sind gespannt.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/137005?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F168%2F698717%2F698830%2F
Mehr Unfälle, aber weniger Schwerverletzte
Im vergangenen Jahr gab es in Münster mehr als 11 500 Verkehrsunfälle.
Nachrichten-Ticker