Wechseljahre und wilde Witwen
Frauenkabarett: „Die Schlampampen“ lieferten eine vorzügliche Parodie auf die klassischen Rollenklischees

Greven -

Am Ende waren es die Zuschauer, vornehmlich aus dem vermeintlich schwachen Geschlecht gespeist, die das Urteil über diesen mitreißenden Kabarettabend selbst schreiben sollten. Stehend applaudierten die gut 600 Besucher im restlos ausverkauften Ballenlager den acht Hauptakteurinnen der Kabarettgruppe der „Schlampampen“, als diese sich zum finalen Akt nach zweieinhalb Stunden Lachmarathon vor ihrem Publikum verneigten. Zurecht. Denn das, was die Schlampampen am Samstagabend in Greven einmal mehr auf die Bühne brachten, war eine vorzügliche Parodie auf alle Vorurteile, Stereotypen und Rollenklischees, die Frauen und – das sei gesagt – auch deren Ehegatten – speziell im hormonell aufgeladenen Alter der weiblichen Wechseljahre – anhaften.

Sonntag, 15.01.2012, 11:01 Uhr

Wechseljahre und wilde Witwen : Frauenkabarett: „Die Schlampampen“ lieferten eine vorzügliche Parodie auf die klassischen Rollenklischees
Das Hertener Kabarett-Oktett der „Schlampampen“ parodierte männliche wie weibliche Kuriositäten und Konflikte des Alltags und erntete stehende Ovationen. Foto: jbe

Da war es auch leicht zu verkraften, dass eine Schauspielerin der eigentlich achtköpfigen Hertener Komödianten-Truppe wegen eines umgekickten Fußes passen musste. Kurzerhand sprang Regisseurin Elisabeth Wickinghoff für die Kollegin ein, und improvisierte derart überzeugend, dass man bald vergaß, dass sie doch nur jemanden vertrat.

So machten sich die acht Hertener Damen also daran, ihren „Weiberkram“ zum Besten zu geben, Kaffeekränzchen abzuhalten und all das aufs Korn zu nehmen, was Frauen nun mal bewegt – oder zu bewegen scheint. Zunächst tauschen sich zwei Damen beim Tratsch über ihren Neuen aus, wobei die eine den neuen Mann meint, die andere hingegen vom neuen Computer spricht und berichtet: „Ich wollte gerade ein paar scharfe Sachen machen, da stürzt er gleich ab.“ Situationskomik vom Feinsten, die mit Doppeldeutigkeiten spielt.

An anderer Stelle philosophieren zwei depressive Speckrollen über ihre von „ Weight Watchers “ und Co. bedrohte Existenz, wieder woanders wird gesungen à la Fanta4 . Und zwar über die Sahnetorte: „Das ist alles selbst gemacht, eo eo.“ Auch wenn die Schlampampen bei diesen Gesangseinlagen musikalisch weniger überzeugten, inhaltlich rissen sie ihr Publikum umso mehr mit. Lacher im Minuten-, gar im Sekundentakt und immer mal wieder zu hörende Gläser, die sich vor Erschütterung unter den Sitzen zu Boden neigten, zeigten diese Begeisterung an. Mit dem mehrfach wiederkehrenden Element der Pralinenschachtel, nach der alle Damen irgendwie verrückt sind, sie aber aus figurtechnischen Gründen nicht zu öffnen wagen, trieben die „Schlampampen“ diese Begeisterung auf die Spitze.

Nach einem Deo-Roller-Wettbewerb der Façon „Liebe geht durch die Axelhöhle“ und einem Ausflug ins Ladbergen des Jahres 2030, in dem wilde Witwen im Stile heutiger Jugendbanden ihre pensionierten Gatten und die „junge Bevölkerung“ unter 60 bedrohen, war dann auch schon Schluss mit den herrlichen Frauengeschichten. Sie werden einigen Männern wie Frauen aus der Seele gesprochen haben . . .

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