„Die Zivis fehlen uns“
Pflegeheime suchen engagierte Mitarbeiter / Bundesfreiwilligendienst kompensiert Ausfall nicht

Greven -

„Die Zivis fehlen uns – auf jeden Fall. Sie haben ein großes Loch gerissen“, sagt Oliver Meickmann, im Maria-Josef-Hospital mitverantwortlich für Personalthemen. Eine Bewerbung im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes liege dem Krankenhaus bis dato nicht vor. Schon zum 1. Juli 2011 hatte Bundesfamilienministern Kristina Schröder den Bundesfreiwilligendienst aus der Taufe gehoben – auch als Ersatz für den Zivildienst, der mit Ende des Jahres 2011 endgültig ausgelaufen ist.

Freitag, 03.02.2012, 16:02 Uhr

„Die Zivis fehlen uns“ : Pflegeheime suchen engagierte Mitarbeiter / Bundesfreiwilligendienst kompensiert Ausfall nicht
Zivildienstleistende fehlen in Pflegeeinrichtungen in Greven sehr. Foto: dpa

Wie sieht die Situation in den Einrichtungen in Greven aus? Hält der Bundesfreiwilligendienst in der Emsstadt das, was die Ministerin im Sommer versprochen hatte?

Veronika Hajek leitet das Pflegeheim „Haus Marienfried“ in Reckenfeld. „Die Zivis waren ein Segen“, sagt sie und fügt sofort hinzu: „Sie fehlen uns.“ Bewerbungen im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes habe das Haus keine erhalten. Zwei Zivildienstleistende habe ihr Haus gehabt. Sie hätten zusätzlich oft „ein bisschen Zeit“ gehabt. Seitdem es sie nicht mehr gibt, sei im Bereich der Servicemitarbeiter aufgestockt worden. Diese helfen den Bewohnern beispielsweise beim Essen und Trinken oder erledigen Botengänge.

Zivis fehlen auch Ingrid Werning , die das Gertrudenstift leitet. Im technischen Bereich, also zur Unterstützung des Hausmeisters oder auch für Arbeiten im Garten, sucht Ingrid Werning Mitarbeiter. „Wir würden uns über eine Bewerbung im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes sehr freuen.“ Das Gertrudenstift habe für den technischen Bereich eine 400-Euro-Kraft eingestellt und könne sich, wenn‘s eng werde, an den Christlichen Krankenhaus-Träger wenden.

Der Christliche Krankenhaus-Träger ist eine GmbH. Diesem regional aufgestellter Verbund sind Einrichtungen der Gesundheitsversorgung und Betreuung angeschlossen. Der Gesellschaft gehören unter anderem das Marienhospital in Emsdetten, das Maria-Josef-Hospital in Greven, das St. Gertrudenstift in Greven und Haus Marienfried in Reckenfeld an.

Auch die Lebenshilfe in Greven hatte bis 2011 Zivildienstleistende, im vergangenen Jahr gab es noch einen Zivi. Eine Lücke, sagt Diplom-Sozialarbeiterin Insa Lichtenborg, sei durch das bundesweite Aus aber nicht entstanden. Zwar gibt es auch bei der Lebenshilfe derzeit niemanden, der einen Bundesfreiwilligendienst leistet, wohl aber drei junge Leute, die ein Freiwilliges Berufsvorbereitendes Jahr absolvieren, das es nach Auskunft von Insa Lichtenborg speziell bei der Lebenshilfe gibt. Dem Bundesfreiwilligendienst stehe die Lebenshilfe grundsätzlich offen gegenüber, aber erst im Sommer würden wieder Stellen frei.

Für das Matthias-Claudius-Haus ist Ulrich Watermeyer mitverantwortlich. Er ist als Geschäftsführer bei der Diakonie in Münster für ambulante und stationäre Senioreneinrichtungen Ansprechpartner. Vier bis fünf Zivildienstleistende habe es im Matthias-Claudius-Haus gegeben, zurzeit gebe es einen Mitarbeiter, der ein Freiwilliges Soziales Jahr leiste. Der Bundesfreiwilligendienst, sagt Watermeyer deutlich, „wird politisch anders dargestellt, als er in der Realität ist“. In Greven fehlten Bufdis, in Münster sei die Situation nicht anders. Und die Lage werde sich zumindest bis zum Sommer nicht verbessern: „Ich habe gerade ein Schreiben vom Dachverband bekommen, dass bis zum Sommer das Kontingent erschöpft sei und im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes keine neue Mitarbeiter eingestellt werden dürfen.“ Die meisten seien wohl in Kinder- und Jugendeinrichtungen tätig, die jungen Menschen mehr lägen. Der Wegfall des Zivildienstes bedeute auch, betont Watermeyer, dass im ohnehin weiblich dominierten Pflegebereich noch weniger junge Männer tätig seien, die den Einrichtungen aber sehr gut getan hätten. Mancher Zivi habe auch nach diesem Dienst den Beruf Altenpfleger ergriffen.

Zivildienstleistende gab es nach Auskunft von Werner Jacobs, Abteilungsleiter Fußball beim SC 09 Greven, nicht bei 09, wohl aber einen Mitarbeiter, der im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres für den Sportverein im Einsatz war – in der Vergangenheit und jetzt aktuell. Der Wegfall des Zivildienstes hat den Sportverein also nicht getroffen.

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