Marktbeschicker trotzen der Kälte
Gasbrenner und dicke Socken / Kopfsalat zurzeit nicht zu haben

Greven -

Die kälteste Ecke des Wochenmarkts ist eindeutig der Platz am Fischstand Kittner nahe der St.-Martinus-Kirche. „Hier weht´s aber mächtig um die Ecke“, ruft am Mittwochvormittag eine Kundin über die Theke Christel Tynek zu. Von einem Fuß auf den anderen tretend, bestellt die fröstelnde Frau heißen Backfisch. Der ist bei Kittner schön heiß. Und auch der weitere Fisch in der Auslage wird bei den aktuell heftigen Minusgraden gewärmt – die Kühlung des Wagens läuft umgekehrt. „Sonst würde uns ja alles einfrieren“, erklärt Christel Tynek, warum es der eisbedeckte Rotbarsch wärmer hat als die Kundschaft auf der anderen Seite der Scheibe. Die Fischverkäuferin selber wärmt sich an einer Gasheizung, „dann sind die Finger nicht mehr ganz so steif“. Und wenn es noch so kalt ist, „da müssen wir durch - so extrem wie jetzt war es aber noch nie“, meint sie.

Mittwoch, 08.02.2012, 17:02 Uhr

Marktbeschicker trotzen der Kälte : Gasbrenner und dicke Socken / Kopfsalat zurzeit nicht zu haben
Biobäcker Friedel Brüning wärmt sich in seinem Verkaufsstand zwischendurch die kalten Hände am Gasbrenner. Foto: Alfred Riese

Auf diese temperaturmäßige Herausforderung reagiert Vollkornbäcker Friedel Brüning am anderen, etwas weniger kalten Ende des Markts mit Humor. „Heute ist doch schon fast Frühling“, sagt er und meint damit, dass minus fünf Grad schon fünf Grad wärmer sind als minus zehn Grad wie in der vergangenen Woche. „Aber man gewöhnt sich dran“, schiebt er nach und hält seine Hände in Richtung des kleinen Gasbrenners . Humor beweist auch eine Kundin am Stand des Hofs Löbke . Orangen und Tomaten kauft sie und bestellt zum Schluss noch „ein Eis dazu, bitte“. Hinter der Theke können Heike Löbke, Hildegard Schwarze und Sigrun Klünner darüber lachen. Dicke Socken, warme Schuhe, lange Unterhosen, möglichst viele Schichten nach dem Zwiebelprinzip übereinander, so halten sie sich warm, auch bei minus 15 Grad wie in der vergangenen Woche. Das wäre dann auch die Temperaturuntergrenze für Löbkes Stand, vorausgesetzt, die zwei Heizkanonen laufen, erklärt Heike Löbke. Bei ihr wecken Orangen, Clementinen zumindest farblich ein Gefühl von Wärme. Kopfsalat sucht man allerdings derzeit vergebens. „Der würde wegen des hohen Wasseranteils auf dem Nach-Hause-Weg gefrieren“, sagt Heike Löbke, „kälteempfindliches Obst und Gemüse haben wir zurzeit nicht“. So hält es auch Anne Parnitzke mit ihren Blumenstand. Topfpflanzen gibt es dort aktuell nicht, die Blumenhändlerin setzt auch auf Schnittblumen. Ihren rund herum geschlossenen Stand bringt ein Gasgebläse auf fast angenehme Temperaturen. Trotzdem „weiß ich gar nicht, ob ich noch zum nächsten Markt fahren kann“, sagt sie. Wenn allerdings, wie zuletzt am Samstagmorgen, das Thermometer 13 Grad minus zeigt, müsse man nicht mehr groß abwägen. „Tapfer sind wir alle“, lobt Heiner Ebbigmann seine Marktkollegen und sich selbst. Die Planen um seinen Stand hat er herunter gelassen, ein Gasgebläse verteidigt die kleine Wärmeinsel gegen die Kälte von draußen. „Jeder Beschicker entscheidet selber, wie er es mit seiner Ware verantworten kann“, erklärt Ebbigmann. Für seine Kartoffeln sind fünf Grad minus außerhalb der Plane noch kein Problem. Aber zehn Grad kälter, und auf seinem Hof macht er keine Tür mehr auf, erklärt der Bauer. Der Knollen wegen, denen man Frostschäden nicht ansehen würde. „Man kann sich sicher sein: Wenn wir hier sind, ist die Ware auch in Ordnung“, sagt er in Richtung Kundschaft, die es in seinem Zelt „angenehm“ findet. „Hier bleiben wir“, sagt eine Kundin.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/653184?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F168%2F698703%2F698709%2F
„Bevor man auf der Straße landet, nimmt man alles“
Wohnungsnot unter Studierenden: „Bevor man auf der Straße landet, nimmt man alles“
Nachrichten-Ticker