Grußbotschaften zu Weihnachten
„Gefühle erlaubt, die verborgen waren“

Manchen ist der Trubel viel zu viel, für die meisten allerdings ist es das wichtigste Kirchenfest des Jahres. Zum bevorstehenden Weihnachtsfest wenden sich Uwe Völkel (Pastor der evangelischen Erlösergemeinde Reckenfeld), Klaus Lunemann (Pfarrer der katholischen Pfarrgemeinde St. Martinus) und Rasim Topal (Vorsitzender der Türkisch-Islamischen Gemeinde Greven) an die Leser der Westfälischen Nachrichten.

Sonntag, 23.12.2012, 15:12 Uhr

Die meisten Menschen gehen ja nur Weihnachten zur Kirche. Wenn sie ehrlich wären, blieben sie da auch weg.“ Oft höre ich in Gesprächen diesen Satz. Offen gesagt: Ich teile diese Meinung nicht. Meine Erfahrung in Weihnachtsgottesdiensten ist eine andere. Die Menschen, die kommen, meinen es ehrlich. Sie meinen es ehrlich mit sich selber, und sie meinen es auch ehrlich mit Gott.

Wenn ich am Heiligen Abend von der Kanzel auf die Gottesdienstgemeinde schaue, blicke ich in viele feuchte Augen. Und ich nehme wahr: Weihnachten rührt Menschen an. Vielleicht ist es das alte Bild vom Kind in der Krippe, vielleicht sind es die alten Lieder, verbunden mit den eigenen Erinnerungen, vielleicht ist es aber auch eine persönliche Jahresbilanz, die die Augen feucht werden lassen.

Wie dem auch sei. Weihnachten sind Gefühle erlaubt, die das ganze Jahr über verborgen waren, die man sich nicht zugestehen wollte oder konnte. Sie werden im Weihnachtsgottesdienst in der Kirche deutlich und zwar im Licht der Geburt Jesu Christi. Und dann zeigt mir Weihnachten: offenbar gibt es doch so etwas wie die Sehnsucht nach einer Welt, in der nicht wir alles machen, herstellen und lösen können, sondern in der wir uns von Gott etwas erhoffen. Trost und Heilung für das Zerrissene in unserem Leben, Hoffnung und Zuversicht für die Aufgaben, die uns gestellt sind und die jeden Tag auf uns warten, die Möglichkeit zur Versöhnung mit anderen Menschen und auch mit mir selber. Dinge, die uns aus eigener Kraft oft nicht gelingen. Weihnachten wird das vielen von uns bewusst.

Ein Abschnitt aus dem Titusbrief beginnt mit den Worten „Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen“. Das feiern wir Weihnachten. Im Kind in der Krippe, in Jesus Christus, zeigt Gott an, dass er es ist, der heil machen kann und wird. Auch das, was wir nicht heilen können. Diese Zusage gilt, das wird deutlich gesagt, allen Menschen. Wir alle wissen: Wir können in all unseren Lebensbezügen gar nicht so leben wie wir es selbst gern hätten, und schon gar nicht, wie Gott es vielleicht gern von uns hätte. Und gerade deshalb gilt uns die weihnachtliche Zusage der Gnade Gottes. Gott sagt nicht: „So musst du sein, damit dir meine Gnade zuteil wird, damit dein Leben heil werden kann.“ Gott stellt keine Bedingungen. Das, was er Weihnachten mit seinem Sohn in die Welt bringt, nämlich Heilung, Trost, Hoffnung, Zuversicht und die Möglichkeit der Versöhnung, gilt allen Menschen. Und dass so viele in die Weihnachts-Gottesdienste kommen, die vielleicht sonst nicht oder nur selten zur Kirche gehen, zeigt doch, dass die Geburt Jesu Christi auch nach über 2000 Jahren noch die Herzen der Menschen erreicht und verändern kann.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ein gesegnetes Weihnachtsfest und lade Sie herzlich in die Gottesdienste in die Grevener und Reckenfelder Kirchen ein.“

Uwe Völkel

 Pastor der ev. Erlöser-Ge meinde Reckenfeld

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