Falschparker füllen Stadtkasse
Eine Stelle – 10 000 Knöllchen

Greven -

2010 verteilten Stadt-Mitarbeiter rund 9250 Knöllchen, 2011 waren es 11 500, in 2012 lag die Zahl bei 10 500. Im just zu Ende gegangenen Jahr flossen auf diese Weise 107 000 Euro in die Stadtkasse. Die Einführung von Parkgebühren hat zu Verschiebungen der Einsatzschwerpunkte geführt, aber nicht zu mehr Knöllchen.

Dienstag, 29.01.2013, 21:01 Uhr

Ein Knöllchen an der Windschutzscheibe – darüber dürften sich die wenigsten Grevener freuen. Viele haben aber Verständnis, manche fordern gar noch intensivere Kontrollen.
Ein Knöllchen an der Windschutzscheibe – darüber dürften sich die wenigsten Grevener freuen. Viele haben aber Verständnis, manche fordern gar noch intensivere Kontrollen. Foto: Oliver Hengst

Mehr Knöllchen durch die Einführung von Parkgebühren? Die Rechnung geht nicht auf, zumindest in Greven nicht. Das geht aus Zahlen hervor, die das Rechtsamt der Stadt auf WN-Anfrage recherchierte. Demnach ist in den vergangenen drei Jahren kein eindeutiger Trend auszumachen. 2010 verteilten die Mitarbeiter rund 9250 Knöllchen, 2011 waren es 11 500, in 2012 lag die Zahl bei 10 500. Im just zu Ende gegangenen Jahr flossen auf diese Weise 107 000 Euro in die Stadtkasse .

Insgesamt habe die Stadt weniger als eine Stelle – verteilt auf mehrere Köpfe – zur Verfügung, um den ruhenden Verkehr in Greven zu überwachen, berichtet Amtsleiter Uwe Kunze . Eine der eingesetzten 400-Euro-Kräfte sei für den FMO zuständig, wo es immer wieder Schwierigkeiten mit Autofahrerern gibt, die am Terminal die Ein- und Ausstiegszone als Parkplatz nutzen.

Die Einführung von Parkgebühren hat laut Kunze zu Verschiebungen der Einsatzschwerpunkte geführt, aber eben nicht zu mehr Knöllchen. Beispiel Parkdeck: „Das war früher ein Überwachungsschwerpunkt, der nun weggefallen ist.“ Denn ohne bezahltes Ticket öffne sich die installierte Schranke gar nicht. Dafür werde nun auf dem Wilhemplatz und dem Rathausplatz kontrolliert. „Da konnte man früher gar nicht falsch parken“, sagt Kunze. Die neue Parkgebühren-Pflicht habe zunächst auch einiges an Arbeitszeit gekostet, weil die Mitarbeiter manchem Autofahrer erstmal die Automaten erklären mussten. Zeit, die dann wiederum nicht für die eigentliche Aufgabe – das Knöllchenschreiben – genutzt werden konnte. Auch dies könne die schwankenden Zahlen erklären, so Kunze.

„Wir gucken immer dahin, wo etwas los ist“, macht Kunze keinen Hehl daraus, dass man die Stellen gut kenne, an denen es die Autofahrer nicht so genau mit den Regeln nehmen. Einen „zielgerichteten Einsatz“ nennt er das, was die Betroffenen mitunter eher als Abzocke empfinden.

Für Diskussionen, die sich mit ertappten Falschparkern unweigerlich ergeben, sind die Kollegen gerüstet. Die Stadt lässt sie mittels Schulung lernen, wie man solche Gespräche deeskalierend in die richtige Richtung lenkt. Mit Erfolg: „Wir bekommen relativ wenig Beschwerden über das Auftreten unserer Mitarbeiter.“

Geschätzt bezahle etwa zwei Drittel der Verwarnten das Knöllchen ohne Murren. Den Rest müsse man mit einem – entsprechend teureren – Bußgeld „überzeugen“. Nur die allerwenigsten lassen es auf eine Gerichtsverhandlung ankommen. „Das ist die absolute Ausnahme. Ich würde sagen, weniger als 20 im Jahr“, sagt Kunze.

Es gebe jedoch auch diejenigen, die nicht weniger, sondern mehr Überwachung fordern. „Wir werden immer wieder aus der Bevölkerung aufgefordert, noch mehr zu kontrollieren.“ Rund um das 09-Sportgelände werde ein solcher Wunsch zum Beispiel oft geäußert. Doch Kunzes Devise heißt Augenmaß. „Wir können auch nicht überall sein.“ Und vom erneuerten Parkplatz am Sportgelände erhofft sich Kunze etwas Entspannung.

Das etwa gleich große Emsdetten verteilte in 2012 übrigens „nur“ 7785 Knöllchen und nahm damit rund 70 000 Euro ein. Eine Erklärung kann laut Kunze sein, dass in Greven oft bei Sonderveranstaltungen wie Stadtfesten oder Flohmärkten kontrolliert werde. „Da muss gewährleistet werden, dass die Rettungswege freigehalten werden.“ Dass in Greven mehr Knöllchen verteilt werden, bedeutet nach seiner Einschätzung jedenfalls nicht, dass die Grevener Autofahrer rücksichtloser sind. Im Gegenteil. „Die sind eigentlich ganz brav.“

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