Gespräch mit dem Chef der Billigfluggesellschaft, Michael O’Leary
„Bei Ryanair gibt‘s keine Angstkultur“

Michael O’Leary, Chef der Fluggesellschaft Ryanair, war gestern am FMO, um zusammen mit seinem „Freund Görd“ Stöwer das neue Angebot des Unternehmens am FMO vorzustellen. WN-Redakteur Peter Beckmann sprach mit dem Mann, der sich gerne als Clown gibt, aber den Ruf eines knallharten Geschäftsmanns genießt.

Donnerstag, 11.04.2013, 08:04 Uhr

 
  Foto: Jürgen Peperhowe

Ryanair bedient ab Juni zwei Strecken vom FMO. Sie sagen, dass auch schon über weitere Strecken nachgedacht werde. Was käme denn da in Frage?

Michael O’Leary : Ja, wir diskutieren tatsächlich über weitere Routen ab FMO. Da kämen London , Dublin , Rom, Madrid oder Brüssel in Frage. Aber auch Ziele in Skandinavien – zum Beispiel Stockholm – wären möglich. Aber erst einmal müssen die beiden bestehenden Routen gut laufen. Aber das sieht auch sehr gut aus. Und deshalb werden wir im Winter sicherlich hier mehr Maschinen einsetzen.

Der FMO sagt, dass Ryanair Gebühren zahlt, die für den Flughafen zumindest kostendeckend sind. Das macht Ryanair an anderen Flughäfen nicht. Haben Sie ein so gutes Herz, ist Ihnen Herr Stöwer so sympathisch, oder warum machen Sie das am FMO?

O’Leary: Der Flughafen Münster-Osnabrück hat Kapazitäten anzubieten, wir haben auch Kapazitäten frei. Und: Wir haben uns auf Dinge geeinigt, die wir nicht brauchen. Wir fliegen zu bestimmten Uhrzeiten, wir nehmen keine Busse oder Treppen in Anspruch, dementsprechend zahlen wir eben weniger als andere.

Aber das wird doch an anderen Flughäfen wie zum Beispiel in Dortmund auch so gehandhabt, aber die zahlen im Endeffekt sogar dabei drauf.

O’Leary: (ungehalten) Wir werden niemals Details unserer Abmachungen mit den Flughäfen herausgeben oder kommentieren. Ryanair bringt mehr Verkehr an die Flughäfen, davon profitieren diese ja auch – Stichwort Parken, Restaurant und so weiter. Nehmen wir den Flughafen Stansted in London. Der verdient vier Pfund Sterling an jedem unserer Passagiere.

Ryanair kann die Flüge so preiswert anbieten, weil an allen Ecken gespart wird. Sie nutzen zum Beispiel die bordeigenen Lufttreppen der Flugzeuge. Ist das nicht gefährlich? Schließlich sind die Treppen sehr steil und sehr schmal?

O’Leary: Wir eliminieren alles Unnötige. Wir nutzen nicht die Treppen der Flughäfen, die kosten Geld. Wir senken nicht die Kosten, wir eliminieren „Waste“ (übersetzt Abfall).

Auftritt des Ryanair-Chef Michael O'Leary am FMO

Aber die bordeigenen Treppen sind laut Boeing für den alltäglichen Gebrauch nicht vorgesehen.

O’Leary: Das ist nicht wahr, das ist Gerede. Wir nutzen diese Treppen seit 29 Jahren. Und wir vermeiden damit Verspätungen, da wir nicht auf die Flughafentreppen warten müssen.

Ryanairs Geschäftsmodell ist es, günstige Flüge anzubieten. Aber geht dieses Geschäftsmodell nicht auf die Kosten Ihrer Angestellten? Was halten Sie davon, wenn einer Ihrer Piloten das Klima in Ihrem Unternehmen mit den Stichworten „Überwachung, Angst und Einschüchterung“ charakterisiert?

O’Leary: (sehr ungehalten) Piloten bei Ryanair verdienen zwischen 125 000 und 160 000 Euro im Jahr. Wenn sie Angst haben, können sie gehen. Aber bei Ryanair gibt es keine Angstkultur . Unser Unternehmen ist kein Gefängnis. Die größte Angst haben die Piloten von SAS oder Air Berlin, die haben Angst um ihre Jobs.

Ist es denn richtig, dass 75 Prozent aller Piloten, die Ryanair-Flugzeuge fliegen, gar nicht bei Ryanair angestellt sind?

O’Leary: Nein, das stimmt nicht. 50 Prozent der Piloten sind bei Ryanair angestellt, die anderen 50 Prozent und 100 Prozent der First-Offiziers sind über eine Agentur bei Ryanair tätig.

Letzte Frage: Hat Low-Cost auch in der Zukunft noch eine Chance?

O’Leary: Alles andere hat keine Chance. Günstige Angebote sind gefragt, nichts anderes.

Ryanair-Chef O‘Leary zu Gast am FMO

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