Thomas Beinker hat einen eiskalten Job
Kälteschock statt Sommerhitze

Greven -

Es ist 9 Uhr am Morgen. Draußen ist es bereits weit über 20 Grad. Deutsche Schwüle ist angesagt. Wer frei hat, geht an diesem Tag ins Freibad oder an einen Baggersee. Thomas Beinker hat nicht frei, er ist um diese Zeit schon einige Stunden auf der Arbeit. Er trägt Mütze, Handschuhe, eine gefütterte Jacke und dicke Stiefel. Der 54-Jährige arbeitet im Grevener Lager von Bofrost, Europas größtem Direktvertreiber von Tiefkühlkost und Speiseeis. Thomas Beinker hat dort einen der kühlsten Arbeitsplätze im Münsterland.

Dienstag, 18.06.2013, 19:06 Uhr

Wer die schwere Lagertür entriegelt, dem strömt sofort eisige Kälte entgegen. Es ist düster, schon über ein paar Meter lässt sich das Gesicht des Gesprächspartners nicht mehr erkennen. In den hohen Regalen türmen sich Warenkartons mit rund 400 verschiedenen Artikeln. Minus 25 Grad sind es in dem über 350 Quadratmeter großen Lager. Thomas Beinker sagt: „Nein, ein anderes Lager als Arbeitsplatz kann ich mir nicht vorstellen.“

Seit 32 Jahren arbeitet der gebürtige Grevener in dem Lager an der Bövermann­straße. Früher begann seine Arbeit um 6 Uhr morgens, mittlerweile startet der Tag um 2.30 Uhr in der Nacht. Nach Listen packen Lagerleiter Beinker und seine drei Kollegen jeden Tag das zusammen, was die 28 Grevener Bofrosttransporter auf ihrem Weg durchs Münsterland benötigen. Jedes Fahrzeug startet dabei mit dem gleichen Sortiment. Rund 1600 Kunden werden täglich angefahren. Münster, Warendorf, Ochtrup, Rheine – „von hier aus wird fast das gesamte Münsterland beliefert“, sagt Thomas Karkoska, gebürtig aus Herne und seit vier Jahren Gebietsverkaufsleiter in Greven .

Viel zu tun also für Thomas Beinker. Das freut ihn: „Bewegung hält warm“, schmunzelt er, während er uns das Lager zeigt. Ohne Mütze und Handschuhe fangen Finger und Ohren bereits nach wenigen Minuten an zu schmerzen. Auch die Jeanshose bietet nur unzureichend Schutz vor der Kälte. Beim Weg nach draußen wartet genau in der Türschwelle des Lagers eine Wand aus schwüler Hitze. Der Temperaturunterschied von drinnen nach draußen beträgt immerhin rund 50 Grad. „Mir macht das nichts aus. Der Körper stellt sich offenbar auf diese Unterschiede ein“, erklärt Beinker ein paar Minuten später. Er trägt noch seine dicke Arbeitsjacke. Kein Schweißtropfen ist trotz der Juni-Hitze auf seiner Stirn zu sehen.

Regelmäßig müssen die Männer aus dem Lager eine Pause machen. Alle zwei Stunden, so besagt es die Vorschrift. Beinker sieht das gelassen. Geschadet hat ihm die Arbeit im kalten Lager offenbar nicht. Ob er öfter erkältet sei, möchten wir wissen. „Ich war noch nie richtig erkältet“, sagt Beinker und lacht. „Aber krank war ich schon. Zwei Mal“, schiebt er hinterher. Da muss auch Thomas Karkoska lachen. „Zwei Mal in 32 Jahren, das ist eine ganz ordentliche Quote“, scherzt Beinkers Vorgesetzter untertreibend. Draußen wird es wenig später über 30 Grad sein. „Das ist nichts für mich, mehr als 25 Grad ist mir viel zu warm“, sagt Beinker. Und zu kalt? Beinker runzelt die Stirn: „Das ist´s mir hier eigentlich nie.“

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