Alfred Helmig erntet Bio-Obst im Nebenerwerb – aber mit vollem Engagement
Äpfel sind seine Leidenschaft

Greven -

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, und vielleicht hätte Alfred Helmig es ja auch zum Vollzeitlandwirt gebracht, wenn – aber darüber redet er nicht so gern. Viel lieber über seine 200 Apfelbäume, auf denen Obst mit sehr wohlklingenden Namen wächst.

Dienstag, 10.09.2013, 19:09 Uhr

Sieht er sich überhaupt als Landwirt? Alfred Helmig muss kurz überlegen. „In einer Art ja“, sagt er schließlich. „Doch, ich fühle mich schon als Obstbauer.“ Das ist aber nur die eine Seite seines beruflichen Lebens. Über die andere redet er nicht so gern. Nur soviel: Alfred Helmig ist „eigentlich“ als Hochbauarchitekt im öffentlichen Dienst tätig.

Da versucht einer, sein womöglich wenig aufregendes Beamtenleben nach Feierabend etwas aufzupeppen, mag man da denken. Weit gefehlt. Alfred Helmig steckt der Bauer im Blut. Sein Vater Anton Helmig war bis Anfang der 1970er Jahre auf dem Grevener Markt eine feste Größe. Er versorgte die Marktgänger und Gastronomen mit frischen Suppenhühnern, Eiern und Kartoffeln. Ein paar Hektar Land, sechs Kühe, einige Zuchtsauen und 1000 Hühner – Anton Helmig war, was man heute einen „kleinen Krauter“ nennt. Als es nicht mehr reichte, um die elfköpfige Familie zu ernähren, heuerte er in Münster bei der Standortverwaltung der Bundeswehr an und verpachtete das Land. Mit der Folge, dass bald der Mais dem kleinen Hof in Schmedehausen auf die Pelle rückte.

Als in den 1990er Jahren der Kreis die Anpflanzung von Hochstamm-Obstbäumen förderte, waren Helmigs dabei. „Anfangs war es nur als Naturschutzmaßnahme gedacht“, erzählt Alfred Helmig. Rund 200 Apfelbäume stehen heute rund um den Hof, auf dem Alfred Helmig seit 1998 mit seiner Frau, den zwei Söhnen und seiner Mutter lebt. Kein Golden Delicious oder Elstar, sondern Sorten mit so wohlklingenden Namen wie Prinz Albert von Preußen, Dülmener Rose und Schöner von Nordhausen. Aus der Naturschutzmaßnahme hat sich ein Nebenerwerb entwickelt, dem Helmig mit ganz viel Leidenschaft und einer festen Maxime nachgeht: „Ich will mir selber klar machen, dass man mit der Natur viel erreichen kann.“ Die Äpfel , die er jetzt erntet, wachsen an Bäumen, die weder Spritzmittel noch Kunstdünger kennen. „Ich habe als Erzeuger Verantwortung“, sagt Helmig. Eine Verantwortung, die er bei konventionell wirtschaftenden Landwirten oft nicht mehr erkennen kann.

Bio sind Helmigs Äpfel nicht nur nach Treu und Glauben, sondern mit Brief und Siegel. Sein Betrieb ist von Bioland zertifiziert. Wer die Äpfel ab Hof kauft, bekommt sie nicht selten direkt vom Baum – wenn es die Sorte denn erlaubt. Denn Helmig unterscheidet genau zwischen Pflück- und Genussreife. „Einige Sorten müssen erst ein paar Wochen liegen, bis sie den optimalen Geschmack haben.“ Was er über den Obstanbau weiß, beruht zumeist auf den Erfahrungen durch „lear­ning by doing“.

In den vergangenen zwei Jahren war die Ernte miserabel. Dieses Jahr hängen die Bäume voll. Deshalb wird Alfred Helmig an Wochenenden auch öfter auf Märkten in Greven und Tecklenburg stehen. „Das habe ich wohl vom Vater geerbt“, sagt der 57-Jährige.

Höhepunkt der Saison ist das jährliche Apfelfest, das am 13. Oktober zum fünften Mal auf dem Hofgelände über die Bühne geht. Hier verkauft Helmig einen großen Teil seiner Äpfel, entweder als Tafelobst oder frisch gepresst als Saft. Davor liegt die arbeitsreichste Zeit im Jahr. Beim Pflücken hilft die ganze Familie mit, angefangen bei den Söhnen bis hin zur 87-jährigen Mutter.

Derzeit ist Alfred Helmig damit beschäftigt, die alte Remise des Hofes umzubauen. Verkaufsraum, eine Art Besprechungszimmer und Besuchertoiletten sollen dort entstehen. Hat er vor, seine beiden beruflichen Standbeine anders zu gewichten und sich mehr dem Obst zu widmen? Helmig winkt ab. „Auf dem jetzigen Level soll es bleiben.“ Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Sein ältester Sohn studiert Agrarwissenschaften. Der Apfel fällt nun mal nicht weit vom Stamm . . .

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