Über 350 Feuerwehrkräfte aus dem gesamten Kreis üben Rettungsaktion am FMO
Probe für den Ernstfall

Greven -

Eine mit 25 Personen besetzte Turboprop-Maschine, die beim Anflug die Landebahn nicht erreicht, zerschellt und schlussendlich in Flammen aufgeht. Das war das Szenario der Großübung, die am Samstagmorgen am FMO über die Bühne ging.

Sonntag, 22.09.2013, 17:09 Uhr

In der Realität wäre es das pure Horrorszenario: Eine mit 25 Personen besetzte Turboprop-Maschine, die beim Anflug die Landebahn nicht erreicht, zerschellt und schlussendlich in Flammen aufgeht: „Kein Flughafen der Welt wünscht sich ein solches Unglück“, sagt FMO-Pressemann Andrés Heinemann , als er am Samstagmorgen eben jenes Katastrophen-Szenario umreißt, das am Flughafen in der Hüttruper Heide wenige Minuten später Wirklichkeit werden wird. Zumindest nach außen hin. Mit blutenden, schreienden Opfern, professionell agierenden Einsatzkräften, Notärzten, Feuerwehrmännern und Rettungssanitätern.

Was für ein paar schaulustige Fahrrad-Ausflügler an diesem Morgen wie der helle Wahnsinn erscheint, ist allerdings in Wahrheit nur eine Übung, wie sie jeder internationale Großflughafen alle zwei Jahre durchführen muss. Der Schwerpunkt ist immer ein anderer; in diesem Jahr geht es darum, wie gut die Zusammenarbeit zwischen den Rettungskräften des Flughafens und den Rettungskräften von außerhalb funktioniert.

Um den Ernstfall so echt wie möglich aussehen zu lassen, braucht es ausgebildete Darsteller und eine perfekte Maske. Im Linienbus, der das verunglückte Flugzeug simuliert, sieht es deshalb aus wie in einem Zombie-Film. Leichenblasse Menschen sitzen dort, einige sind blutverschmiert, durch den Gang läuft ein junger Mann mit zerfetztem T-Shirt, unter dem nur noch tiefrote Fleischwülste zu sehen sind. „Ich heiße Frank und habe Verbrennungen zweiten und dritten Grades“, sagt er. „Ach ja, und gleich werde ich natürlich ohnmächtig.“ Ganz plötzlich, versteht sich. Frank heißt im echten Leben Benjamin Schuldt und ist genau wie alle anderen vermeintlichen Opfer „realistischer Unfall- und Notfalldarsteller“ bei der DLRG .

Für alle Darsteller beginnt der Auftritt um Punkt 10 Uhr – der Augenblick, in dem am FMO und in den umliegenden Feuerwehrhäusern der Alarm los geht. 100 Sekunden später treffen die ersten Kräfte der Flughafen-Feuerwehr am Unglücksort ein. Zwar wissen sie, dass heute eine Notfallübung stattfindet, doch auch im Ernstfall, so betont es FMO-Pressesprecher Heinemann, wäre die FMO-Feuerwehr in weniger als zwei Minuten bei der verunglückten Maschine. „Eine Übung darf nicht einfacher sein als der reale Einsatz.“ Bevor sich die Helfer nun um die Opfer kümmern, löschen sie aber erst mal den fiktiven Brand. „Das ist immer die allererste Maßnahme“, erklärt Andrés Heinemann das Prozedere. „Es darf nicht sein, dass ein Passagier den Absturz überlebt und dann verbrennt.“

Währenddessen erreichen auch die externen Feuerwehren den Unfallort. Die Saerbecker sind die ersten. Es folgen Grevener, Emsdettener, Kräfte aus Ibbenbüren, Hörstel, Ladbergen und Lengerich. Über 350 Helfer aufgeteilt auf 70 Fahrzeuge sind beteiligt. Alle kommen aus dem Kreis Steinfurt, da es sich um einen Unfall der so genannten mittleren Schadenskategorie handelt. Bei mehr als 60 Opfern würde der Flughafen auch die Feuerwehren aus Münster und Osnabrück anfordern.

Nachdem der Brand gelöscht ist, bergen die Rettungskräfte die Opfer. Einen nach dem anderen holen sie aus dem Wrack, draußen brüllt einer: „Mein Kind liegt noch im Maisfeld.“ Tatsächlich hat die DLRG auch dort einige Schauspieler postiert, denn in einem ernsten Flugzeugunfall wäre es durchaus realistisch, dass Passagiere aus dem Flugzeug geschleudert werden. Die ersten Helfer beginnen deshalb, das Feld zu durchkämmen, während das Technische Hilfswerk Zelte für die Opfer aufbaut.

Um kurz vor elf, eine Stunde nach Alarm, beruhigt sich die Lage allmählich. Andrés Heinemann vermeldet: „Die Passagierliste ist komplett. Wir haben alle 25 Personen geborgen.“ Das Ende des Tests ist das allerdings noch längst nicht. Erst um 13 Uhr, nachdem alle vermeintlichen Opfer in die umliegenden Krankenhäuser gebracht wurden, ist die Übung vorbei.

Zur Stärkung gibt’s noch eine warme Suppe im Flughafenterminal. Dann ziehen die 350 Rettungskräfte wieder ab. Die Bitte des Pressesprechers: „Wiedersehen wollen wir uns aber erst in zwei Jahren, nicht.“ Dann steht die nächste Notfallsimulation auf dem Programm.

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