WN-Wahl-Talk
Von wegen traute Eintracht

Greven -

Die WN luden zum Wahl-Talk auf den Grevener Wochenmarkt. Trotz Dauerregens entwickelte sich eine interessante Debatte zwischen den beiden Spitzenkandidaten von CDU und SPD, Anja Karliczek und Jürgen Coße.

Mittwoch, 11.09.2013, 17:09 Uhr

Das abschließende Greven-Quiz ging schiedlich friedlich 4:4 aus. Ein Hinweis auf einen knappen Ausgang im Wahlreis 128 am 22. September? Unentschieden wird es dann sicher nicht ausgehen. Der Wahlkampf läuft auf Hochtouren, um letzte Unentschlossene an die Urnen zu locken. Gestern stellten sich die Direktkandidaten Anja Karliczek ( CDU ) aus Tecklenburg und Jürgen Coße ( SPD ) aus Neuenkirchen auf Einladung der WN-Redaktion den Fragen von Redaktionsleiter Ulrich Reske . Es war ein munterer Schlagabtausch. Fair im Umgang, klar in der Sache. Das förderte auch so manche inhaltliche Differenz zu Tage – was Kritiker lügen strafte, die SPD und CDU nahezu deckungsgleiche Politik machen sehen.

Familienpolitik:Jürgen Coße geißelte das Betreuungsgeld als „Herdprämie“ („Pfui“-Rufe aus der CDU-Ecke). Hier werde Geld ausgegeben, um Kinder nicht im Kindergarten betreuen zu lassen. Gleichzeitig müsse man die Kindergärten finanzieren. Karliczek hingegen glaubt, dass 150 Euro keine „Lenkungswirkung“ haben. Niemand entscheide sich allein wegen dieser Summe, seine Kinder daheim zu lassen. Es gehe „um eine Wertschätzung der Erziehungsarbeit, die zuhause geleistet“ werde. Auf die Frage von Ulrich Reske, ob gleichgeschlechtlichen Paaren die Adoption von Kindern offen stehen solle, sagt Coße: „Klares Ja.“ Karliczek hingegen betonte, dass das „Spannungsfeld zwischen Mann und Frau ganz wichtig gerade für kleinere Kinder“ sei. Man müsse „Kinder schützen vor Verhältnissen, die nicht gut sind für das Kindeswohl“. Coße warf ihr Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Paare vor. „Ich halte das für sehr gewagt.“

FMO:Coße glaubt, dass die 60 Millionen Euro teure Startbahnverlängerung „erstmal nicht in Sicht ist“. „Dass wir nicht alle 50 Kilometer einen Flughafen bauen sollten, liegt auf der Hand“, sagt Coße mit Blick auf Twente. Karliczek hält die aktuell 2000 Meter lange Startbahn für „relativ knapp, ein bisschen mehr ist gut. Aber den ganzen Kilometer mehr brauchen wir glaube ich nicht.“ Man müsse „das was man gut kann erstmal wieder ans Laufen bringen“, sagte sie denjenigen, die von Interkontinental-Flügen ab FMO träumen: Beide Kandidaten sehen den Airport vor allem als Zulieferer zu den Drehkreuzen. Coße ist für eine Nachtflugverbot, Karliczek für einen Kompromiss, der keine weiteren Arbeitsplätze gefährden dürfe.

Steuern und Wirtschaft:Dafür zu sorgen, „dem Mittelstand keine neuen Steine in den Weg zu legen“, nannte Karliczek als ihr wichtiges Ziel für Berlin. Die von der SPD geplante Vermögenssteuer gefährde Arbeitsplätze. Coße entgegnete: „Starke Schultern müssen mehr tragen als schwache.“ Wer 200 000 Euro oder mehr im Jahr verdiene, müsse mehr belastet werden. Wer arbeite, müsse auch davon leben können, weshalb die SPD für Mindestlohn und Bürgerversicherung eintrete – zugleich Coßes Hauptziele für den Fall einer Wahl.

Einigsind sich die Kandidaten, dass die Kommunen von Sozialkosten entlastet werden müssen. Und: In ländlichen Krankenhäusern müsse eine Notversorgung gesichert bleiben, die Bündelung zu medizinischen Zentren (Folge: teilweise längere Wege) sei angesichts gestiegener Mobilität in nicht akuten Fällen zumutbar.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/1905242?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F168%2F1781909%2F2009880%2F
Nachrichten-Ticker