Türken haben durch eine doppelte Staatsbürgerschaft oft praktische Vorteile
Doppelt macht es einfacher

Greven -

Die doppelte Staatsangehörigkeit, von der SPD gefordert, von der CDU abgelehnt, ist auch im weit entfernten Greven durchaus Gesprächsstoff. Zumindest im Begegnungszentrum der türkischen Gemeinde an der Kerkstiege.

Dienstag, 19.11.2013, 01:11 Uhr

Sie ist nur einer von vielen Zankäpfeln bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin. Die doppelte Staatsangehörigkeit, von der SPD gefordert, von der CDU abgelehnt, ist auch im weit entfernten Greven durchaus Gesprächsstoff. Zumindest im Begegnungszentrum der türkischen Gemeinde an der Kerkstiege. Weil die Türkei nicht Mitglied der EU ist, sind die, die hier regelmäßig ihren Tee trinken, besonders betroffen. Deutscher und Türke zugleich sein, das sehen deutsche Gesetze nur in Ausnahmefällen vor. „Das Thema wird mir zu sehr politisiert“, sagt ein 58-Jähriger. Er lebt seit 49 Jahren in Deutschland – und ist Türke. Wäre die doppelte Staatsbürgerschaft für ihn ein Thema? „Warum nicht?“

Zumal es für ihn keine neue Erfahrung wäre. Bis zum Jahr 2000 hatte er beide Pässe. Dann kam die Optionspflicht, nach der man sich entscheiden muss – so oder so. Seitdem ist er wieder „nur“ Türke. Im Gegensatz zu seinen drei Kindern. Sie haben sich für die deutsche Staatsbürgerschaft entschieden. „Es wird mit zwei Maßstäben gemessen“, ärgert er sich. „Wir als Türken haben nur halb so viel Rechte wie Aussiedler, auch wenn wir schon viel länger hier sind.“

Mehmet Yildiz ist in Deutschland geboren und seit rund zehn Jahren auch deutscher Staatsangehöriger. Bei ihm hatte der Wechsel der Staatsangehörigkeit auch finanzielle Gründe. Als Türke hätte er entweder seinen Wehrdienst in der Türkei ableisten müssen oder sich für viele tausend Euro davon freikaufen müssen. Da entschied er sich dafür, Deutscher zu werden. In einer doppelten Staatsangehörigkeit sieht er vor allem praktische Vorteile. Zwar bekommen türkischstämmige Deutsche von den türkischen Behörden einen Ausweis, der ihnen beispielsweise die Einreise erleichtert, in der Provinz wird der aber oft nicht anerkannt. Die Folge ist ein Wust von Bürokratie, beispielsweise bei Erbschaftsangelegenheiten. Hoffnung, dass sich daran mit der doppelten Staatsbürgerschaft etwas ändern könnte, hat der 39-Jährige kaum: „Ich glaube nicht, dass die kommen wird.“

45 Jahre lebt Doganer Bilenler schon in Deutschland. In seinem stadtbekannten Souterrain-Laden verkauft er seit über 30 Jahren Gemüse aus allen Herren Länder. Auf seinem Pass ist der türkische Halbmond und nicht der Bundesadler abgebildet. Was ihm aber eigentlich egal ist: „Ich will ein Weltmensch werden“ , sagt Bilenler. Ein Ausweispapier bedeutet ihm da wenig. „Wo man satt wird, da ist dein Land“, lautet sein Motto. Dennoch begrüßt er die Möglichkeit einer doppelten Staatsbürgerschaft für die, die schon länger in Deutschland leben. Seine Tochter ist Deutsche. Ob den türkischen Vater diese Entscheidung gestört hat. „Überhaupt nicht, jeder muss seinen Weg gehen.“

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2046348?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F168%2F1781909%2F2130925%2F
Nikolaus als „Glück zum Anfassen“
„Na, mein Junge, bist du es auch wirklich?“ Erna Firch (92) zupft mal eben am Bart ihres Sohnes Dieter, der sie wie immer zum Auftakt seiner „Nikolauszeit“ im Caritas-Altenheim an der Clevornstraße besucht. Die gelernte Schneiderin hat früher die Kostüme gemacht.
Nachrichten-Ticker