Ortsverschönerung
Mehr Farbe und mehr Mut

Reckenfeld -

Was braucht Reckenfeld, wo hakt es, was ist wünschenswert? Decken sich unsere Antworten mit dem, was am Mittwoch Studierende der Uni Münster präsentieren werden?

Montag, 20.01.2014, 17:01 Uhr

Am Mittwoch präsentieren Osnabrücker Studierende ihre Zukunftsvisionen für Reckenfeld. Die WN wagen einen Ausblick. Was braucht Reckenfeld, wo hakt es, was ist wünschenswert? Ob es sich deckt mit dem, was am Mittwoch präsentiert wird?

► Mal ehrlich: Für seine hübschen Wohn- und Geschäftshäuser und die ansehnlichen Fassaden ist Reckenfeld bislang nicht bekannt. Immerhin: Der Ortskern ist seit einigen Jahren im Wandel, gut so. Aber noch immer dominieren an vielen Stellen Bausünden früherer Jahre das Erscheinungsbild. Es braucht (noch mehr) mutige Investoren, die der tristen Betonoptik etwas entgegensetzen und mit modernen Entwürfen und frischen Farben neue Akzente setzen. Kein Projekt für heute und morgen, sondern für die nächsten Jahrzehnte.

► Die Dominanz der Autos – fahrend und parkend – in der Ortsmitte ist augenfällig. Dass rund um den Kreisverkehr Grevener Landstraße / Bahnhofstraße viel los ist, ist kaum zu ändern. Doch muss man deshalb auch dem parkenden Verkehr so viel Platz einräumen? Muss man nicht. Der Dorfplatz sollte wieder Dorfplatz werden, und das nicht nur, wenn Erntedankmarkt oder ähnliches gefeiert wird. Der Dorfplatz braucht mehr Aufenthaltsqualität: mit einem Pflaster, das auch älteren Menschen das Queren möglich macht, mit Grün und Sitzgelegenheiten, mit Spielgeräten, mit Wasser.

► Der Trend, zentrumsnahen Wohnraum für Senioren zu schaffen, ist in Greven ebenso zu erkennen wie in Reckenfeld. Gut so. Die rasche Ausbuchung spricht dafür, dass es weiteren Bedarf gibt. Gleiches gilt für Bauland für Familien. Die vorhandenen Flächen bieten kaum noch Reserven. Sollten die Sportplätze zu Bauland werden, ist die Nähe zur Ortsmitte ein echtes Pfund. Eines, das jedoch den Preis nicht ins Unermessliche steigen lassen darf.

► Neue Gebäude in der Ortsmitte schaffen nicht nur Wohnraum, sondern auch Platz für Ladenlokale. Die wenigen Leerstände in Reckenfeld belegen einen anhaltenden Bedarf. Ein gutes Einzelhandelsangebot schafft nicht nur Aufenthaltsqualität, sondern erhöht die Attraktivität des ganzen Ortes.

► Reckenfeld hat multifunktionale Räume in der Ortsmitte – und sollte den Vereinen auch künftig solche anbieten können. Ob Hauptschule, umgebaute Sporthalle oder etwas ganz anderes ist erstmal zweitrangig. Blasorchester, Chöre, Gymnastikgruppen, Sprachkurse – die Nutzer tragen zur Lebendigkeit des Ortes bei.

► Wenn kein Treffpunkt für Jugendliche geschaffen wird, suchen sie sich selbst einen. In der Regel ist dies dann aber ein Ort, an dem die Präsenz der jungen Menschen von den Anwohnern kaum akzeptiert wird, siehe: Kirchvorplatz und Spielplatz am Pfarrheim. Dass sich die Jugendlichen und jungen Erwachsenen immer wieder an solchen Orten sammeln, zeigt auf: Sie brauchen einen Treffpunkt, somit stünden die Chancen nicht schlecht, dass sie einen alternativen Standort annehmen würden. Vorbild könnte das Bauwagenprojekt an der Anne-Frank-Realschule sein.

► Natürlich wäre es unangemessen, wegen der vielen Vorfälle von Vandalismus im Ort alle jungen Menschen unter Generalverdacht zu stellen. Aber wenn Täter gefasst werden, sind dies eben oft Jugendliche und junge Erwachsene. Aufsuchende Jugendarbeit ist kein Allheilmittel – und doch muss sie forciert werden, weil sie die einzige Möglichkeit ist, junge Menschen zu erreichen, die mit der „klassischen“ Jugendarbeit nichts anfangen können.

► Die Reckenfelder Ortsdurchfahrt ist eine beliebte Strecke für Durchgangsverkehr – und damit auch für Lkw. Das lässt sich nur ändern, wenn das „Durchrauschen“ erschwert wird. Mit Ampeln, Fahrbahnverengungen, Tempolimits (vor allem an der Schule) und allem, was das Arsenal der Straßenbauer hergibt. Die Strecke muss so unattraktiv werden, dass sie den Anliegern vorenthalten bleibt und alle anderen freiwillig auf andere Straßen ausweichen.

► Viele Reckenfelder sagen, dass sie gerne im Ort leben und seine Struktur schätzen. Aus gutem Grund. Permanent auf vermeintliche Benachteiligung des Ortes zu verweisen, ist ermüdend – und führt zu nichts, außer zu fruchtlosen Neiddebatten. Die braucht kein Mensch. Was Reckenfeld viel eher braucht: eine gesunde Portion Selbstbewusstsein.

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