Kleine lokale Bilanz zum Weltfrauentag
Noch ist die Macht männlich

Greven -

Auch wenn die Bundeskanzlerin eine Frau ist – in Greven ist die Macht noch immer überwiegend männlich.

Freitag, 07.03.2014, 20:03 Uhr

Eine Frau als Bundeskanzlerin? Eine weibliche Verteidigungsministerin? Eine Finanzexpertin an der Spitze des Internationalen Währungsfonds ? Die Frauen haben es weit gebracht, so scheint die Bilanz an diesem 8. März, dem Weltfrauentag . Ein Blick auf die kommunale Ebene aber zeigt: Für Frau Normalverbraucher hat sich an den Machtverhältnissen noch nicht so viel geändert.

Das zeigt schon der Rat: Von 48 Mitgliedern sind gerade mal ein Viertel weiblich. Und in den besonders einflussreichen Ausschüssen sind sie noch stärker unterrepräsentiert: Im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt sind von 16 Mitgliedern gerade mal zwei weiblich.

In der Verwaltung ist die Lage ähnlich. Zwar sind rund 60 Prozent der 211 Mitarbeiter (ohne BEG ) weiblich – aber das gilt nicht für die Führungsetagen. Seit Menschengedenken gab es in Greven nur einmal eine weibliche Bürgermeisterkandidatin – die Liberale Elsbeth Schlick. Die gegenwärtige Verwaltungsspitze ist eindeutig Männer dominiert – von 25 Führungspositionen auf Fachbereichs- und Fachdienstebene sind vier Frauen. Es gibt zwar Absichten, das zu ändern – aber Quoten kommen nicht in Frage. Stadtsprecher Klaus Hoffstadt: „Sie wären rechtlich nicht zulässig, weil es im Beamtenrecht beispielsweise das Prinzip der Bestenauslese gibt.“ Die „Besten“ aber sind meist die Leute ohne Lücken im Lebenslauf und ohne Karriereknick wegen Nachwuchsaufzucht – also meist Männer.

Ein Blick in Grevens Wirtschaft zeigt, dass die Zahl der Chefinnen auch dort überschaubar ist. Weder die Kreissparkasse Steinfurt noch die Volksbank hat weibliche Vorstandsmitglieder und im Verwaltungsrat beziehungsweise im Aufsichtsrat jeweils nur eine Frau. Die meisten größeren Grevener Betriebe haben Männer an der Spitze. Lotty Biederlack, Eigentümerin der gleichnamigen Heimtextilfirma, Ute Wilker, bei Hillebrandt kaufmännische Leiterin, und Lisbeth Wilding, Vorstandsmitglied bei der Sattlergruppe (Cenotec), gehören zu den Ausnahmen – neben Stadtwerkechefin Andrea Lüke (siehe unten). Immerhin, so Lüke, seien in ihrem Unternehmen 30 Prozent der Führungspositionen mit Frauen besetzt.

Bei der Christlichen Krankenhausträgergesellschaft, wo rund 80 Prozent der 2000 Beschäftigen weiblich sind, besteht die Führungsebene dennoch fast nur aus Männern. Nur Gabriele Sonsmann, Unternehmensleiterin Personalmanagement und -entwicklung, zwei weibliche Pflegedienstleitungen und eine Chefärztin in Steinfurt gehören zur Führungsriege. „Auf der mittleren Ebene sieht das anders aus“, sagt Sonsmann und verweist auf zahlreiche Stationsleiterinnen. Langfristig erwartet sie, dass in den Kliniken mehr und mehr Frauen in Führungsverantwortung kommen werden, gerade im medizinischen Bereich – und sie weiß auch warum. 70 Prozent der Medizinstudenten seien heute schon Frauen. Sonsmann: „Die Medizin wird weiblicher. Das Studium hängt am Numerus Clausus – und den schaffen Mädchen offenbar eher als die Jungs.“ Denn dass Mädchen die besseren Schüler sind, gilt auch für Greven. „Der Anteil der Mädchen an den Abiturienten überwiegt leicht“, sagt Dr. Volker Krobisch, Leiter des Gymnasiums.

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