Schweres Unwetter
Land unter in Greven

Greven -

Andauernder sintflutartiger Regen hat viele Straßen und Keller im Ort unter Wasser gesetzt. Die Feuerwehr ist im Dauereinsatz. Viele Straßen und Gebäude stehen und standen unter Wasser.

Montag, 28.07.2014, 18:07 Uhr

Auch die Bahnunterführung Nordwalder Straße war komplett mit Wasser vollgelaufen. Der Grevener Westen war über Stunden vom Rest der Stadt abgeschnitten.
Auch die Bahnunterführung Nordwalder Straße war komplett mit Wasser vollgelaufen. Der Grevener Westen war über Stunden vom Rest der Stadt abgeschnitten. Foto: Peter Beckmann

Es war ein Unwetter, wie es wohl kaum jemand bisher in Greven erlebt hat. Ein Sprecher der Polizei nahm gar das Wort Jahrhundertregen in den Mund. Um 17 Uhr fing es leicht an zu grummeln, dann brach das Unwetter los, es kamen über fast zwei Stunden sintflutartige Regenfälle vom Himmel. Und auch danach hörte es nicht auf zu regnen. Die Wassermassen setzten in ganz Greven die Straßen und diverse Keller unter Wasser. Für die Grevener Feuerwehr bedeutete dies Großalarm – allein: die Feuerwehrleute wurden der Einsätze nicht Herr. Und: Ganz Greven war quasi von der Außenwelt abgeschnitten. „Wir haben die Zufahrtsstraße rund um Greven bis auf den Schiffahrter Damm komplett gesperrt“, sagte ein Polizeisprecher.

Die Kanalisation in der Stadt war mit den Wassermassen völlig überfordert. Das Hochwasserpumpwerk an der Emsinsel fiel aufgrund der extremen Wassermassen aus.

Die Rathausstraße war zeitweise gesperrt, da die Straße komplett unter Wasser stand, das Wasser kam von oben und wurde auch durch die Kanalisation heraus gedrückt. Der Tunnel unter der Bahn an der Nordwalder Straße stand komplett unter Wasser. Auf der Mühlenstraße stand das Wasser hüfthoch. Der Grevener Westen war vom Rest der Stadt quasi abgeschnitten. Selbst auf der Montargisstraße, wo normalerweise nie Wasser steht, stand das Wasser 40 Zentimeter hoch.

Überall wurden die Deckel der Kanalisation hoch gedrückt. Mehrere Autos fuhren in die daraus resultierenden, wegen der Wassermassen nicht sichtbaren Löcher und steckten fest. Der Verkehr in der gesamten Stadt kam zum Erliegen. Die Autos, die noch fuhren, waren im Schritttempo mit Warnblinklicht unterwegs. Auch diverse Ampelanlagen – zum Beispiel die an der Molkereikreuzung – fielen aus.

Neben unzähligen Kellern liefen auch viele Tiefgaragen voll – zum Beispiel die am Emsweg, am Hagebaumarkt oder an der Friedrich-Ebertstraße. Am Emsweg standen zahlreiche Autos komplett unter Wasser. „Das sind wahre Flüsse, die dort hineingelaufen sind“, sagte ein Augenzeuge.

Auch die Keller im Krankenhaus, im Gertrudenstift, im Rathaus und im Gymnasium standen unter Wasser. Zeitweise wurde sogar über eine Evakuierung des Gertrudenstiftes nachgedacht, da dort, wie auch in den anderen Gebäuden, der Strom ausgefallen war. Zwei Bewohner wurden tatsächlich in andere Einrichtungen verlegt, die anderen mit Lichtquellen wie Taschenlampen versorgt.

Der K&K-Markt an der Bismarckstraße stand ebenfalls unter Wasser. Das Wasser schwappte vom Parkplatz in den Markt hinein.

„In Greven geht die Welt unter“, sagte Stadtbrandmeister Matthias Wendker kurz angebunden und völlig gestresst. „Wir werden der Lage nicht mehr Herr und müssen Feuerwehrkräfte von außerhalb anfordern.“ Und die kamen dann auch. Feuerwehren aus Nordwalde, Ladbergen und Emsdetten, die DLRG, und die THW- Ortsgruppen Greven, Lengerich und Rheine fuhren einen Einsatz nach dem anderen. Gegen 22.30 Uhr waren schon rund 600 Hilferufe bei der Feuerwehr eingegangen.

„Wir müssen uns aber zunächst auf die Innenstadt konzentrieren, hier ist die Lage am dramatischten“, sagte Klaus Hoffstadt, Pressesprecher der Stadtverwaltung. Fieberhaft wurde daran gearbeitet, das Hochwasserpumpwerk wieder in Gang zu bringen. Teilweise mussten die Stadtwerke in den überfluteten Bereichen der Stadt den Strom abstellen.

Verzweifelte Grevener, die bei der Feuerwehr wegen der zahlreichen Hilferufe telefonisch nicht durchkamen, riefen bei der Polizei an. „Hier geht der Notruf im Sekundentakt“, sagte ein Sprecher der Kreispolizei. Der hatte aber auch eine gute Nachricht. „Bislang sind wohl keine Personen zu Schaden gekommen.“

Südlich von Greven, besonders in Münster, war die Lage ebenfalls katastrophal. Kurios: In Saerbeck hatte es bis 19.30 Uhr so gut wie gar nicht geregnet. In Emsdetten nur wenig. Und auch Reckenfeld war nach WN-Informationen nicht so schwer betroffen wie das Stadtgebiet von Greven.

Wie viel Regen in den knapp zwei Stunden und den späteren Schauern herunter gekommen ist, war gestern Abend schwer zu ermitteln. „Bei 50 Millimeter ist der Messbehälter schon nach kurzer Zeit übergelaufen“, sagte Hobby-Meteorologe Helmut Kämmerling. Sprich: Es waren vermutlich über 100 Liter auf den Quadratmeter, die gestern in kurzer Zeit herunter kamen. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr fielen im Juli im ganzen Monat 40 Liter Regen pro Quadratmeter.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2641598?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F168%2F2580366%2F4849328%2F
Parkhausbrand am Flughafen - Sorge am Urlaubsstrand
Feuer am Flughafen Münster/Osnabrück: Parkhausbrand am Flughafen - Sorge am Urlaubsstrand
Nachrichten-Ticker