Unwetter
Das große Aufräumen am Tag danach

Greven -

Auch mehrere Stunden nach dem verheerenden Unwetter am Montagabend waren Einsatzkräfte der Feuerwehr, des THW und der DLRG im Dauereinsatz. Derweil wird eine erste Bilanz gezogen. Das Gymnasium, das Gertudenstift, die Emssporthalle, das Hallenbad und das Krankenhaus waren sehr stark von den Wassermassen betroffen. 800 Notrufe gingen bei der Feuerwehr ein.

Dienstag, 29.07.2014, 15:07 Uhr

Die großen Pumpen der Feuerwehr Osnabrück und des THW unterstützen die Hochwasserpumpstation an der Emsinsel bei der Arbeit. und sorgten dafür, dass das dort sich sammelnde Wasser aus der gesamten Stadt in die Ems abfließen konnte.
Die großen Pumpen der Feuerwehr Osnabrück und des THW unterstützen die Hochwasserpumpstation an der Emsinsel bei der Arbeit. und sorgten dafür, dass das dort sich sammelnde Wasser aus der gesamten Stadt in die Ems abfließen konnte. Foto: Peter Beckmann

Der Tag danach: Auch mehrere Stunden nach dem verheerenden Unwetter am Montagabend waren Einsatzkräfte der Feuerwehr, des THW, des DRK und der DLRG aus Greven, Emsdetten, Ladbergen, Nordwalde, Rheine, Lengerich und Osnabrück noch im Dauereinsatz und sahen doch kein Land. Rund 800 Anrufe von Grevenern, deren Keller unter Wasser stehen, hatte es in der Nacht gegeben. „Wir müssen uns zunächst um die Innenstadt kümmern, um dort die Wassermassen los zu werden“, sagte Stadtbrandmeister Matthias Wendker, der ebenfalls rund um die Uhr im Einsatz war. „Derzeit ist es deshalb kaum möglich, Keller leer zu pumpen.“

Alle, die bereits am Montag die Feuerwehr informiert hatten, werden gebeten sich noch einmal unter ✆ 92 01 21 zu melden, falls erhebliche Hochwasserschäden vorliegen.

Derweil wird eine erste Bilanz gezogen. Das Gymnasium, das Gertrudenstift, die Emssporthalle und das Krankenhaus waren sehr stark von den Wassermassen betroffen. Am Gertrudenstift stand der Keller komplett unter Wasser, dadurch fiel der Strom aus. Die Bewohner wurden in der Nacht von Einsatzkräften des DRK betreut. Das THW aus Bramsche stellte gestern einen großen Generator auf, um das Haus wieder mit Strom zu versorgen. Der Schaden wird wohl beträchtlich sein. „Ich gehe davon aus, dass die Heizungsanlage nicht zu retten ist“, sagte Ulrich Scheer, Geschäftsführer der Ckt,

Das Krankenhaus war am Abend knapp an einer Evakuierung vorbeigeschrammt. „Wäre das Wasser zwei Zentimeter höher gewesen, wäre auch die Notstromversorgung ausgefallen“, sagte ein Feuerwehrmann. Gestern Vormittag war der Keller des Hauses fast leer gepumpt. „Der Schaden hält sich in Grenzen“, zeigte sich Scheer zufrieden.

Das Rathaus kam noch relativ glimpflich davon. Besonders den parlamentarischen Trakt hatte es erwischt. Dort tropfte das Wasser durch die Decke. Das Archiv und die Technik-Räume blieben verschont. Da aber die Stadtwerke im Bereich der zentralen Innenstadt den Strom abgestellt hatten, musste das Rathaus mit Notstrom versorgt werden. „Teile des Rathauses haben keinen Strom mehr, die Aufzüge funktionieren im Notstrombetrieb nicht“, erklärte Stadtsprecher Klaus Hoffstadt. Daher werde das Rathaus ganztägig geschlossen.

Der Keller des Gymnasiums stand genau so unter Wasser wie die Emssporthalle in der Nachbarschaft. Ebenfalls betroffen war das Hallenbad. „Das Wasser stand bis auf Brusthöhe“, sagte Martin Schröder, Leiter der Grevener Bäder. Betroffen seien davon die komplette Wasseraufbereitung, die Trafostation und die Ozonanlage. „Das dürften Schäden in Millionenhöhe sein“, schätzte Schröder. Er geht davon aus, dass der übliche Start der Hallenbadsaison aufgrund der enormen Schäden gefährdet ist. Auch die Eröffnung des sich im Bau befindliche Fitnessstudios im Keller des Hallenbades wird sich um Monate verzögern, so die Einschätzung eines Mitarbeiters der Actic Fitness GmbH.

Das Freibad wurde weitgehend von Schäden verschont, muss aber gereinigt werden und bleibt deshalb geschlossen. „Wir werden vermutlich am Donnerstag wieder öffnen.“

Ebenfalls von den Auswirkungen des Unwetters betroffen war der Berufsverkehr. Noch in den Morgenstunden waren viele Straßen rund um die Innenstadt und rund um Greven – zum Beispiel die B 219 – gesperrt. Auch der Bahnverkehr war aufgrund eines Wassereinbruchs am Stellwerk Greven gestört, viele Züge fielen aus oder hatten Verspätung. Viele Haushalte waren gestern übrigens noch ohne Telefon und Internet. Das betrifft vor allem auch den Grevener Westen, wo auch die Arztpraxis Diekämper bis zum Ende der Woche nicht zu erreichen ist.

Der Betrieb am FMO wurde während des Unwetters kaum gestört. „Die paar Kilometer zwischen Greven und dem Flughafen haben einiges ausgemacht, wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen“, sagte FMO-Sprecher Andres Heinemann. Nur ein Flug habe nach Paderborn umgeleitet werden müssen. Dessen für Montagabend geplanter Start musste auf den gestrigen Dienstagmorgen verlegt werden.

Die Stadtverwaltung appelliert derweil an die Landwirte, Vieh von den Weiden an der Ems zu holen. „Es ist angekündigt worden, dass das Hochwasser noch deutlich ansteigen wird.“ Eine Unterstützung durch die Feuerwehr sei derzeit nicht möglich.

Eine Bilanz der entstanden Schäden konnte auch gestern natürlich noch niemand ziehen. Vermutlich wird es sich alles in allem um eine zweistellige Millionensumme handeln.

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