Hof Berkenheide
Knollen aus Zigarettenautomaten

Greven -

Die Berkenheides haben eine ganz besondere Art der Direktvermarktung entwickelt: Ihre Kartoffeln kann man sich am Zigarettenautomaten ziehen.

Dienstag, 09.09.2014, 15:09 Uhr

Ihre Kartoffeln vermarkten sie direkt: Maria und Berthold Berkenheide am Verkaufsstand an ihrem Hof, der direkt neben dem Baugebiet Stockkamp liegt.
Ihre Kartoffeln vermarkten sie direkt: Maria und Berthold Berkenheide am Verkaufsstand an ihrem Hof, der direkt neben dem Baugebiet Stockkamp liegt. Foto: tst

Sich ganz in die Karten schauen lassen will Berthold Berkenheide dann doch nicht. „Das bleibt ein bisschen unser Geheimnis“, beantwortet er die Frage, wie man einen Zigarettenautomaten in einen Kartoffelspender umrüstet. Immerhin: Jetzt ist klar, warum die Kartoffeln aus dem Automaten immer vier Euro kosten und lediglich die Menge in den braunen Tüten variiert, die nach Einwurf der Münzen und einem kräftigen Zug an einem Hebel zum Vorschein kommen. Vier Euro – so viel kostete die Schachtel Zigaretten, bevor die Umstellung auf Kartenzahlung kam. „Die Idee kam aus einer Bierlaune am Osterfeuer“, erinnert sich Berkenheide. Die zwei Automaten – einer auf dem Hof, einer am Hagebaumarkt – sind vor allem an Wochenenden gefragt, wenn der Vorratsschrank plötzlich gähnend leer ist. „Die Leute werden danach oft zu Kunden“, weiß Berkenheide um die Appetitanreger-Funktion der Knollen aus dem Automaten.

Ein älteres Ehepaar verstaut gerade einen 12,5 Kilogramm-Sack im Auto. „Wir wohnen an der Schützenstraße und sind quer durch die Stadt gefahren.“ Warum keine Kartoffeln aus dem Supermarkt? „Das sind wir nicht gewohnt.“ Die nächste Kundin kommt vom Stock­kamp, ist also quasi Nachbarin der Berkenheides. „Das ist praktisch, wenn man mit dem Rad oder zu Fuß kommen kann“, findet sie.

Fünf Hektar Kartoffelfelder bewirtschaften Maria und Berthold Berkenheide und versorgen damit Privatkunden und Gastronomen. Die Felder liegen zerstreut westlich der Ems. „Manche glauben nicht, dass wir die Kartoffeln selbst anbauen“, sagt Maria Berkenheide. Fünf Sorten sind im Angebot, sowohl fest- als auch mehligkochende Ware. „Früher haben die Leute im Herbst zentnerweise Kartoffeln eingelagert“, erinnert sie sich. Doch die Zeiten sind vorbei. „Jetzt ist der 12,5 Kilo-Sack schon viel.“ Was die meisten Keller heute nicht mehr können, schafft der große Kühlraum auf dem Hof. „Damit sind wir praktisch das ganze Jahr über in der Lage, Kartoffeln anzubieten.“ Ohne Begasung und Keimhemmer, darauf legen sie Wert. „Bei Biertemperatur, fünf Grad“, lächelt Berkenheide. Doch momentan ist die Halle leer. „Wir ernten jetzt noch nach Bedarf“, sagt Berkenheide. Bei Frühkartoffeln wie der Annabelle ist dabei viel Handarbeit angesagt. „Die sind sehr empfindlich“, sagt der Landwirt. Bei den späteren Sorten kommt der Vollernter zum Einsatz, der heute auf einem Feld am Herberner Ring steht. Der macht von der Ernte bis zur Reinigung der Knollen (fast) alles selbst. Auf dem Acker hat sich eine üppige Wildkraut-Flora breit gemacht. Was Landwirten sonst eher ein Dorn im Auge ist, stört Berthold Berkenheide nicht. Im Gegenteil. Kamille und Co beschatten den Boden und damit auch die Kartoffeln, die der große Regen Ende Juli freigespült hat. „Das ist in diesem Jahr leider ein Problem“, sagt der Landwirt. Gegen die im Frühsommer drohende Krautfäule hat er rechtzeitig gespritzt. „Wir arbeiten konventionell, aber versuchen mit wenig Pflanzenschutzmitteln auszukommen.“

Die Direktvermarktung der Kartoffeln macht nur einen Teil des Betriebseinkommens aus. Bullenmast, Pensionspferde, Reitschule und etwas Lohnunternehmen sind weitere Standbeine. Den Rinderbraten zu den Kartoffeln kann man bei Berkenheides aber nicht kaufen. „Die Direktvermarktung von Fleisch ist kompliziert“, sagt Maria Berkenheide. Die Bullen, die langsamer gemästet werden als üblich, nimmt ein Metzger aus Bad Laer ab, der das Fleisch auf Wochenmärkten verkauft.

Die Josefsschule und Kindergärten besuchen den Hof regelmäßig zur Zeit der Kartoffelernte. „Das gehört zur Öffentlichkeitsarbeit“, sagt Maria Berkenheide. Und ohne die kommt man als Direktvermarkter eben nicht aus.

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