Schmiergeldaffäre in Textilbetrieb
Bestechlich oder Komplott-Opfer?

Greven -

Hat ein angestellter Kaufmann in einem Grevener Textilbetrieb von einem chinesischen Handelspartner Schmiergelder kassiert? Oder ist er Opfer eines Komplotts? Auch die zweite Verhandlungsrunde vor dem Schöffengericht in Rheine brachte keine Klarheit.

Dienstag, 07.10.2014, 21:10 Uhr

 
  Foto: BilderBox.com

Die Schmiergeldaffäre gegen einen 61-jährigen Kaufmann einer Grevener Textil-Fabrik ging gestern vor dem Schöffengericht in Rheine in die zweite Phase. Laut Anklage soll der Mann im Rahmen von Materialzukäufen aus China zwischen 2010 bis 2012 insgesamt 110 000 Euro Bestechungsgelder von der Geschäftspartnerin in Fernost kassiert haben.

Als der 61-Jährige erkrankte, wies seine chinesische Mitarbeiterin in Greven den Import/Export-Leiter auf die erhöhten Preise für die Heimdecken hin. So kam der Stein ins Rollen. Laut Anklage schlug die Lieferantin aus China die Provision für den Angeklagten auf die Preise der Decken zu Lasten des Grevener Unternehmens auf.

Diese Lieferantin sollte gestern als Zeugin gehört werden, erschien aber nicht. Da sie für Staatsanwaltschaft und Schöffengericht unverzichtbar ist, wurde der Prozess vertagt und findet möglicherweise Ende Oktober seine Fortsetzung.

Bereits im Mai 2012 war es in einem Hotel in Berlin zu dem entscheidenden Gespräch zwischen der Lieferantin, der Geschäftsleitung aus Greven und der chinesischen Mitarbeiterin des Angeklagten gekommen. Dabei soll die Lieferantin nach Aussagen aller Beteiligten weinend hinausgelaufen sein, als das Thema der gezahlten Provisionen intensiv erfragt wurde. Bei Fortsetzung der Besprechung habe sie die Zahlungen zugegeben. Das bestätigten in der vergangenen Verhandlung der Geschäftsführer, der Verkaufsleiter und die chinesische Mitarbeiterin des Angeklagten. Allerdings brach ebendiese Zeugin ebenfalls in Tränen aus, als sie nach einer Gehaltserhöhung befragt wurde. Einige Monate nach der fristlosen Kündigung des 61-Jährigen soll sie ein größeres Gehalt erhalten haben, weil sie einen Teil der Geschäfte des Angeklagten übernommen hatte. Überraschend wurde ihr dann aber in diesem Jahr gekündigt, angeblich wegen schlecht laufender Geschäfte.

Die Verteidigung vermutet hinter der Anklage allerdings ein Komplott gegen den Importkaufmann aus Neuenkirchen. Es habe bereits mehrere Versuche gegeben, ihm zu kündigen, so der Anwalt. Ein Zeuge der Firmenleitung hatte bestätigt, dass seine Kündigung erörtert worden sei, weil die Umsätze mit China zurückgegangen seien. Mit dieser fristlosen Kündigung habe das aber nichts zu tun, betonte die Geschäftsleitung.

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